Zweieinhalb Stunden lang entführten die 60 internationalen Künstler ihre Gäste in die wunderbare, facettenreiche Welt des Turnens und der Sportakrobatik.
Zum Beispiel Artem Ghazaryan und Thomas Greifenstein, zwei ehemalige Bundesliga-Athleten, die zunächst bei ihrer Solo-Nummer als ganz in Schwarz und später leicht bekleidete "Blues Brothers" am doppelten Seitpferd ihr Können zeigten.
Zwei weitere Male trat das Duo, das seit 2007 zum "Feuerwerk"-Ensemble gehört, während der Show ins Rampenlicht. Zusammen mit den Weltklasse-Gymnasten Yulia Fadeeva und Shohei Shibata, den Rhönrad-Assen Katharina Lohse und Hendrik Strauß sowie Europameister Sebastian Deeg, der mit seinen Seilsprung-Einlagen begeisterte, präsentierten Ghazarayan und Greifenstein die gesamte Brandbreite des Turnens - wunderschön musikalisch untermalt von Michael Jacksons Song "Speachless".
Zum Rocken brachte die Arena die "Troupe Jouravel". Fünf Jungs an drei Recks, die sich synchron von Stange zu Stange schwangen und spektakuläre Übungen in luftiger Höhe absolvierten. Oder die "Catwall Acrobats", die sich von ihrem eigens für das "Feuerwerk" konstruierten Acrylglas-Kasten in die Tiefe auf darunter liegende Trampolins stürzten, um sich von dort wieder nach oben katapultieren zu lassen.
"DHolmikers" aus der Schweiz bedienten sich bei ihrer vielfach prämierten "Frankenstein-Nummer" dem Barren. Und der gebürtige Moskauer Konstantin Mouraviev versuchte mit viel Humor und Ironie, seinem künstlich ausstaffiertem Bauch mit dem Rhönrad zu Leibe zu rücken, um im Angesicht eines Bodybuilder-Transparents die Pfunde purzeln zu lassen.
Künstler lassen Publikum den Atem anhalten
Am Vertikalseil brachten Oksana und Vitaly Bobrov das heimliche Motto des Abends auf den Punkt: "Das Geheimnis dieser Show ist die Liebe". Die beiden Ukrainer kreisten engumschlungen durch die Rittal-Arena und ließen die Zuschauer mehrfach den Atem anhalten. Das galt genauso für Maxim Popazov, der sowohl Stühle aufeinanderstapelte, um dann in knapp acht Meter Höhe seine Kunststücke vorzuführen, als auch am Boden mit Handständen imponierte, die kaum jemand so beherrscht.
Rasant zog Chu Chuan-Ho seine Kreise. Genauer gesagt: Die Diabolos flogen kreuz und quer durch die Luft. Mal einer, mal zwei, mal drei, mal vertikal, mal horizontal - wer mit den zwei kleinen Stangen in der Hand (die ließ der Taiwanese übrigens auch tanzen) schon einmal versucht hat, die Diabolos irgendwie in Bewegung zu setzen, kam aus dem Staunen nicht heraus.Optisch ein Augenschmaus waren die als "Zebras" verkleideten Ukrainer, die mit ihrer Akrobatik bereits zahlreiche Weltmeistertitel gesammelt haben. Getoppt wurde das rein äußerlich vom "Trio Bellissimo", das seinem Namen auch in Wetzlar alle Ehre machte. Olena, Anastasia und Ganna heißen die jungen Damen, die ihre an der staatlichen Zirkusschule in Kiew erlernten Fähigkeiten als Sportakrobaten - gepaart mit viel Erotik - dem Publikum in Wetzlar zeigten.
Alexis Brothers sorgen für den glanzvollen Schlusspunkt in der Rittal-Arena
Ihr außergewöhnliches Talent bewies die "schwäbelnde" Moderatorin "Rosemie", die mit wechselnden Kleidern, viel Witz und Charme durch den kurzweiligen Abend führte. Ob als Entertainerin am Alphorn, an der Tuba oder mit einer Stepeinlage per Mund. Ob als Überbringerin eines Bonbons für ihr auf der Tribüne ausgegucktes "Peterle". Ob als Boogie-Woogie-Tanzpartnerin eines gewissen Kevin - Rosemie ließ nichts aus und brachte die Besucher ebenso zum Lachen wie der sensationelle "Zeitlupen-Pantomime" Niels Weberling.
Begonnen hatte das "Jubiläreum" (O-Ton "Rosemie") mit dem Auftritt des TSV Heusenstamm und den Mollynchen aus Watzenborn-Steinberg. Am Ende sorgten die "Alexis Brothers" für einen perfekten Abschluss. Die Modellathleten zauberten eine Zweier-Show aufs Parkett, die in der Welt wohl ihresgleichen sucht. Ästhetik, Kraft und Perfektion - die beiden, die zu den Stars des Cirque du Soleil in Las Vegas zählen, setzten ihre Muskelpakete für akrobatische Elemente ein, die 3000 Zuschauer restlos begeisterten.
Alle, die am Montag nicht in der Rittal-Arena waren, haben eine großartige Show verpasst. Insgesamt 170 000 Besucher bei 32 Auftritten wird das "Feuerwerk der Turnkunst" am Ende seiner 25. Auflage begrüßen können. Im Dezember startet die 26. Auflage, mit 28 Terminen in 23 Städten. Auch Wetzlar zählt wieder zu den Veranstaltungsorten, am 9. Januar 2013 steht die Rittal-Arena bereit für die Tour. Der Vorverkauf läuft bereits am 25. Januar, also in einer Woche, an.
Einem möglichen zweiten Termin in der Domstadt steht die beschränkte Kapazität der Halle am Lahnufer im Weg. "Nur Wilhelmshaven hat ein geringeres Fassungsvermögen, da spielt der finanzielle Aspekt natürlich eine Rolle", erklärt Produktionsleiter Wolfram Wehr-Reinhold. "Aber Wetzlar bleibt als Veranstaltungsort gesetzt." Und das ist gut so!







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