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09.02.2012, 22:10 Uhr
Von Alexander Fischer

Eine Kiste Bier für Harmandic


Beim 26:25-Sieg gewinnt Bosnier feuchtfröhliche Wette gegen Göppingens Torwart


Drei ehemalige erfahrene Matrosen für die kommende Saison neu an Deck, ein weiterer aktuell bereits an Bord. Die Reeder haben hinter den Kulissen viel dafür getan, ihr Flaggschiff für die 15. Kreuzfahrt in Serie aufzupolieren. Und der Kapitän ist auf dem besten Wege, mit seinen Steuermännern, Maschinisten, Maats und Stewards auf aktuell noch immer stürmischer See in etwas ruhigeres Fahrwasser zu schippern.






Ausgelassene Freude nach dem Sieg über  Göppingen: (v.l.) Alois Mraz, Kevin Schmidt und (hinten) Philipp Müller. (Fotos: Rehor)zoomAusgelassene Freude nach dem Sieg über Göppingen: ... | mittelhessen.de
Im Klartext: Bei Handball-Bundesligist HSG Wetzlar läufts. Hinter den Kulissen mit den Verpflichtungen von Michael Müller, Jens Tiedtke, Tobias Reichmann sowie Andrej Klimovets. Und auf dem Feld, auf dem die Grün-Weißen am Mittwochabend vor allerdings nur 3232 lange Zeit äußerst zurückhaltenden Zuschauern in der Rittal-Arena den aktuellen EHF-Pokalsieger Frisch Auf Göppingen mit 26:25 (13:14) in die Knie zwangen.






Bestes Spiel in Grün und Weiß: Adnan Harmandic (l.), hier im Duell mit Göppingens Felix Lobedank.zoomBestes Spiel in Grün und Weiß: Adnan Harmandic (l... | mittelhessen.de
"Nach aufregenden Wochen hat unsere Mannschaft Charakter gezeigt", lobte Aufsichtsratssprecher Manfred Thielmann die Seinen und meinte damit auch ausdrücklich Trainer Gennadij Chalepo, der die Domstädter inzwischen auf Rang zehn in der stärksten Liga der Welt geführt hat - auf Augenhöhe mit dem Altmeister aus dem Schwabenland. "Gegen meinen ehemaligen Trainer gewonnen zu haben ist etwas ganz Besonderes", rang der emotional aufgewühlte 42-Jährige, der von 2000 bis 2004 unter FAG-Übungsleiter Velimir Petkovic in Dutenhofen gespielt hatte, nach Worten. "Ich freue mich riesig, auch wenn ich eingestehen muss, dass am Ende das Glück auf unserer Seite war."

So strahlend, wie sich der gebürtige Weißrusse nach dem Match im Presseraum und später auch im Business-Club bei dem einen oder anderen Bierchen präsentierte, so angesäuert war sein Gegenüber, den die Fans zu Spielbeginn immerhin mit einem wohlwollenden Applaus begrüßt hatten. "Ich freue mich, wenn ich nach Wetzlar kommen darf, aber in letzter Zeit ist dies nicht immer lustig für mich. Ich war stets ein fairer Spieler, doch was heute hier passiert ist, hatten meine Jungs nicht verdient", ging der 55-Jährige hart ins Gericht mit den beiden Unparteiischen Matthias Brauer und Kay Holm aus Hamburg und Hagen in Schleswig-Holstein, die sechs Minuten vor Schluss bei einer Ein-Tore-Führung für die Gäste die Partie laufen ließen statt auf Siebenmeter für Frisch Auf und auf zwei Minuten für Wetzlars Keeper Nikolai Weber zu entscheiden, als dieser außerhalb seines Torraumes den Ball mit dem Fuß spielte.

Velimir Petkovic: "Ich darf nicht ausdrücken, was mein Herz mir sagt"

"Ich darf nicht ausdrücken, was mein Herz mir sagt", ließ der beliebte Gästecoach, der im Sommer noch einer der aussichtsreichen Kandidaten auf die Nachfolge von Bundestrainer Heiner Brand war, angesichts einer drohenden Bestrafung durch den Deutschen Handball-Bund die Namen der beiden Referees bewusst unerwähnt, legte aber dennoch nach: "Ich bin ziemlich sauer, wir hatten heute mehr verdient als eine Niederlage mit einem Tor Unterschied."

So aber rangiert der achtfache Meister weitab der internationalen Gefilde gleichauf mit der HSG Wetzlar, die allerdings nach sieben Wochen Winterpause zunächst Probleme besonders in der Defensive offenbarte. Erstmals mit Neuerwerbung Andrej Klimovets ("Ich habe versucht, Vollgas zu geben, aber nach nur einer Woche Training hat die Abstimmung noch etwas gefehlt") für den leicht angeschlagenen, aber schwer geknickt am Spielfeldrand kauernden Giorgos Chalkidis im Mittelblock ließen die Gastgeber Göppingen besonders durch Pavel Horak und Drasko Mrvaljevic zu vielen einfachen Toren kommen. Bei Horaks 7:3 (13.) lagen die Schwaben schon aussichtsreich vorne, auch beim 21:18 (45.) durch Kreisläufer Manuel Späth schienen sie die beiden Punkte mit nach Hause nehmen zu können.

Ehe Adnan Harmandic aufdrehte. Der erst vor 13 Monaten vom dänischen Erstligisten Bjerringbro-Silkeborg nach Mittelhessen gekommene Bosnier lieferte die mit Abstand beste Vorstellung in Grün und Weiß ab, glänzte als umsichtiger Regisseur und unter den Augen seiner hochschwangeren Frau Sanela auch mit fünf blitzsauberen Treffern in nur 40 Minuten Einsatzzeit. Zum 12:13 kurz vor der Pause, zum 19:21, zum 22:22 in Unterzahl, per Siebenmeter zur ersten Führung beim 24:23 (54.) sowie zum 25:24 vier Minuten vor Schluss.

"Das war heute ein hartes Stück Arbeit", freute sich der 28-Jährige nicht nur über die beiden Punkte sowie seine eigene starke Vorstellung, sondern auch über eine Kiste Bier seines Landsmannes Enid Tahirovic im Tor von Frisch Auf. "Er hat mich angerufen und wollte mit mir wetten, dass ich es nicht schaffe, ihn per Siebenmeter zu bezwingen. Da habe ich mir halt kurz vor Schluss den Ball geschnappt, bin zum Punkt und habe ihm das Ding reingelegt."

Tahirovic, der mit 39 Jahren älteste Spieler der Liga, muss Frisch Auf im Sommer verlassen, denn Velimir Petkovic hat mit dem Serben Darko Stanic von RK Metalurg Skopje den vielleicht zurzeit besten, in jedem Fall aber exzentrischsten Keeper weltweit verpflichtet. Adnan Harmandic indes darf bei der HSG Wetzlar bleiben. Was er am Mittwoch mit einer tadellosen Vorstellung rechtfertigte.

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Dokument erstellt am 09.02.2012 um 22:12:11 Uhr
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