Das Starensemble des THW Kiel war während der Handball-Europameisterschaft in Serbien im Dauereinsatz. Doch vor dem ungleichen Bundesliga-Duell am Sonntag mit dem Aufsteiger aus Mittelhessen in der Kieler Sparkassen-Arena (Beginn: 17.30 Uhr) schöpft der 16-malige Deutsche Meister personell aus dem Vollen.
Männer von der Förde haben bis zu acht Partien in zwölf Tagen in den Beinen
Am Ende kehrte der THW-Trupp gesund und zum Teil hoch dekoriert von den kontinentalen Titelkämpfen zurück: So gewann Momir Ilic mit dem Gastgeberland Silber und wurde außerdem zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt. Bis zu acht Partien in zwölf Tagen haben die Kieler, die allesamt zu den Stützen in ihren jeweiligen Nationalteams zählen, in den Beinen. Zudem litt die Trainingsarbeit: Zeitweise befanden sich bei den Einheiten nur vier Akteure in der Halle.
Die Männer von der Förde, die sich nach Nationalmannschaftspausen traditionell schwertun, scheinen aber bereits auf einem guten Weg. "Seit Montag habe ich das Gefühl, wieder eine Mannschaft zu haben", befand Gislason, der die EM mit bangen Blicken verfolgte: "Frisch waren die Spieler nach dem Turnier nicht. Ich bin jetzt gespannt, wie das erste Spiel verläuft." Gegen den ungarischen Vizemeister Pick Szeged holte sich der THW gestern Abend in der Champions League schon einmal Wettkampfpraxis.
"Das ist eher ein Vorteil für Kiel als ein Nachteil", glaubt Gorr. "Die Mannschaft hat schon wieder Fahrt aufgenommen. Für uns ist es ein Problem, weil wir erst mal Wettkampfluft schnuppern müssen."
Immer wieder störten gesundheitliche Probleme von Spielern wie Florian Laudt, Timm Schneider und Sven Pausch die Vorbereitung. "Wir haben viele Dinge im physischen Bereich aufgearbeitet. Aber dann haben Leute gefehlt, die für uns sehr wichtig sind." Den dicksten Wermutstropfen des eigentlich guten Wintertrainings lieferte "Tomek" Jezewski. Seine Verletzung der Patellasehne ist erneut aufgebrochen. Gorr hat die Hoffnung, seinen Abwehrchef in dieser Saison noch einmal zum Einsatz zu bringen, "so gut wie aufgegeben".
Nicht aufgegeben ist das Ziel Klassenerhalt. "Die Hoffnung ist noch lange nicht begraben", so der 33-Jährige. "Fakt ist natürlich, dass wir dazu noch einige Punkte benötigen. Aber so lange eine rechnerische Chance besteht, werden wir dieses Thema nicht zu den Akten legen."
Für Unruhe sorgen hingegen die Wechseldiskussionen, nachdem Timm Schneider (zum TBV Lemgo), Milos Putera und Florian Billek (beide zu HBW Balingen/Weilstetten) sowie Gorr selbst (zum VfL Gummersbach) ihren Abgang zum Saisonende verkündet haben. "Natürlich sind diese Dinge innerhalb der Mannschaft ein Thema", gibt Gorr zu. Doch jetzt gelte die ganze Konzentration der Fahrt an die Ostsee.
Von etwas Zählbarem bei der Übermannschaft der Liga wagt der TVH-Coach aber nicht zu träumen. "Dort gibt es ganz andere Dinge, die für uns wichtig sind. Kiel ist das Spiel schlechthin, darauf haben wir uns seit dem Aufstieg ganz besonders gefreut. Die Unterschiede zwischen beiden Teams liegen offen auf der Hand. Kiel ist die beste Mannschaft der Liga und verfügt über eine einzigartige Qualität. Deshalb werden wir nur auf uns schauen", verspricht der TVH-Übungsleiter. "Wir wollen so optimal wie möglich abschneiden. Was das genau heißt, muss erst das Spiel zeigen."







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