Der Rainer war Rainer Stahl, Entdecker, Trainer und Förderer der siebenfachen deutschen Meisterin und Mannschafts-Vizeweltmeisterin von 1992, die nach dem Tod des in der Region "weltbekannten" Journalisten dieser Zeitung sein Erbe als Übungs- und Abteilungsleiterin ihres Heimatvereins TV 1863 Dillenburg angetreten hat. Mit 45 Jahren ist die Notarfachwirtin inzwischen "mit Leib und Seele Trainerin" und versucht eine Lücke zu schließen, die eigentlich nicht zu schließen ist.
Vom Trampolin kommen Sie wohl nicht mehr los?
Bafke Spang-Horna: Nein. So wie es aussieht offenbar nicht.
Was ist denn so faszinierend an dieser Randsportart?
Spang-Horna: Es ist einfach schön, in der Luft zu fliegen, Schrauben zu drehen, Salti zu springen. Es geht übrigens immer noch, wenn ich mich konzentriere. Aber die schwierigen Sachen mache ich nicht mehr.
Gerade in einer Zeit, in der fast alle Sportarten um die Sekunden im Fernsehen buhlen, bleibt die spektakuläre und telegene Flugshow fast völlig außen vor, warum?
Spang-Horna: Seitdem wir olympisch sind, ist es wenigstens ein bisschen besser geworden. Welt- und Europameisterschaften sind auf Eurosport zu sehen. Dazu kommt natürlich Olympia. Aber alles in allem sind und bleiben wir wohl Randsportart. Früher bei uns waren die Pausen zwischen den Übungen zu groß. Inzwischen werden die mit Musik überbrückt. Wir merken auch, dass das bei den Zuschauern in der Halle gut ankommt.
Im Gegensatz zu Ihrer aktiven Zeit stehen heute in vielen Gärten Trampoline. Schlägt sich das im Zulauf der Vereine nieder?
Spang-Horna: Ich bin ein absoluter Gegner der Heim-Trampoline. Die Verletzungsgefahr auf diesen Dingern ist einfach viel zu groß. Du denkst, du kannst da ruck, zuck einen Salto machen, verschätzst dich leicht und schon kann etwas ganz Schlimmes passieren. Die Wurfkraft unserer Sport-Trampoline ist eine ganz andere. Ich habe meinen Kindern klipp und klar gesagt, dass wir uns kein Gerät für den Garten anschaffen werden.
Ihre Kinder turnen beide auf dem federnden Tuch. Aus eigenem Antrieb, oder hat die Mama da etwas nachgeholfen?
Spang-Horna: Ich war eigentlich dagegen. Aber verbieten kann ich es ihnen nicht, weil ich es ja selbst gemacht habe. Meine ehemalige Mannschaftskameradin und Synchronpartnerin Sabine Kölzer (geborene Grün, die Red.) hat das Ganze forciert und ist nun auch ihre Trainerin, wie sie zuletzt ja auch meine Trainerin war. Beim Doppelsalto des Kleinen fängt die Mama dann auch an zu schwitzen. Bei anderen macht mir das nichts aus. Beim eigenen Kind ist es schon was anderes. Können die beiden mal in Ihre Fußstapfen treten?
Spang-Horna: Die Stine wird es wahrscheinlich nicht schaffen. Sie ist dafür in anderen Bereichen gut, in der Schule sogar sehr gut. Der Kleine könnte es packen, wenn er das will. Die Sabine weiß schon genau, was sie zu tun hat.
Sie sind Trainerin und Abteilungsleiterin beim TV Dillenburg. So wie Ihr verstorbener, aber unvergessener Entdecker Rainer Stahl. Treten Sie damit das Erbe Ihres "Turnvaters" an?
Spang-Horna: Ja. An meinem 40. Geburtstag hat er mir nahegelegt, seine Arbeit fortzusetzen. Da war ich eigentlich schon raus aus dem Sport. Ich wusste, dass er sehr krank war und habe ihm gesagt, ich mache das. Und es war richtig so, alles in seinem Sinne weiterzuführen. Wir denken alle sehr oft an ihn. Rainer Stahl fehlt uns. Er hat eine Riesenlücke hinterlassen.
Wie wurden Sie dann so schnell Trainerin?
Spang-Horna: Sabine (Kölzer, die Red.) hat mich ins kalte Wasser geworfen und mich hinter meinem Rücken zum Lehrgang angemeldet. Aufgrund meiner internationalen Erfahrung wurde mir die Vorbereitung erlassen. Ich bin gleich zur Prüfung gefahren, musste vorher aber zwei dicke Ordner durcharbeiten und habe meinem Mann Stefan gesagt, ich schaffe das im ganzen Leben nicht. Dann ging es mir so elend, dass ich an Rainers Grab gefahren bin und geheult habe. Ich habe es geschafft und bin nun mit Leib und Seele Trainerin.
Darüber hinaus engagieren Sie sich im Dillenburger Förderkeis für mehr Leben in Ihrer scheinbar immer mehr vor sich hinschlafenden Heimatstadt. Das ist sicherlich ein weites Feld
Spang-Horna: Ich bin Fachgruppensprecherin Sport. Es ist wirklich sehr schwierig. Aus den verschiedensten Gründen ist die Sportgala in den vergangenen drei Jahren ausgefallen. Wir hoffen, dass wir dieses Jahr wieder eine auf die Beine stellen können.
Im Sommer wird in London wieder um olympische Medaillen auf dem Trampolin geturnt. Dieser Traum hat sich für Sie nie erfüllt. Kommt da wieder Wehmut auf?
Spang-Horna: Nein. Mit diesem Thema bin ich fertig. Ich werde das natürlich am Fernsehen verfolgen. Anna Dogonadze (die in Georgien geborene deutsche Olympiasiegerin von Peking 2008 aus Bad Kreuznach, die Red.) ist mit ihren 38 Jahren schon noch gut. Wie haben früher gegeneinander geturnt. Sie für die Sowjetunion, ich für die Bundesrepublik.








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