Bevor er 1984 nach Deutschland kam und sofort den VfL Heppenheim mit vielen Toren in die 2. Bundesliga kanonierte, hatte der aus Ljubuski nahe der heutigen Grenze zu Bosnien-Herzegowina stammende Kroate schon bei sieben Vereinen gespielt. Es sollten noch etliche dazukommen. Denn an der Bergstraße wurde der inzwischen 52-Jährige ebenso wenig wirklich sesshaft wie beim TV Großwallstadt, beim TV Eitra oder zwischenzeitlich bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen. "Ich habe fast immer nur Ein-Jahres-Verträge abgeschlossen. Danach jeweils neu entschieden", erklärt er. Am längsten hielt es "Ivan, den Schrecklichen" noch als Frauencoach der HSG Eibelshausen/Ewersbach aus. Immerhin fast sieben Jahre. Derzeit arbeitet der gelernte Betriebswirt als Honorartrainer für den Verband Baden-Württemberg. Und sucht wieder eine neue Herausforderung.
Guten Tag, Herr Majstorovic, fast sah es so aus, als würde der Dillkreis Ihre neue Heimat werden. Wie kam\'s, dass Sie 2008 dann doch Ihre Zelte in Eibelshausen abbrachen?
Ivan Majstorovic: Ich wäre gerne länger als sieben Jahre bei der HSG Eibelshausen/Ewersbach geblieben. Wir hatten große Ziele, wollten in die 2. Liga aufsteigen und haben bereits an die Tür geklopft. Dann aber hat der Vorstand kalte Füße bekommen und mich quasi im Regen stehen lassen. Spielerinnen, die ich haben wollte, wurden nicht mehr verpflichtet. Mit der Folge, dass sie einige Monate bei mir wohnen mussten. Ich bin dann weg, und der Verein ist abgestiegen.
Sie haben als Trainer sowohl Frauen als auch Männer betreut. Wo liegt der Unterschied?
Majstorovic: Im mentalen Bereich. Die Frauen musst du von deinem Konzept und deiner Arbeit mit vielen Worten überzeugen. Schaffst du das, geben sie dir mehr zurück und bringen sich intensiver ein als die Männer, die dafür leichter zu führen sind. Andererseits vergessen Frauen nie etwas. Sie haben ein Gedächtnis wie Elefanten. Bei den Männern wird nach Spielen oder Training Klarschiff gemacht und gut ist es.
Und wie sieht es in der Trainingsmethodik aus?
Majstorovic: Bei den Frauen liegt der Schwerpunkt auf der Kreativität und der Schnelligkeit, bei den Männer etwas mehr auf Kraft und Ausdauer, auch die Spielzüge sind unterschiedlich.
Sie gehörten als Mann auf der Königsposition im linken Rückraum und als gleichzeitiger Abwehrchef immer zu den Führungsspielern. Würden Sie sagen, dass Sie solche Gene in sich tragen?Majstorovic: Ich möchte es so formulieren: Ich wollte auf dem Feld immer Häuptling sein. Kein Indianer, kein Wasserträger. Diese Rolle mochte ich nie erfüllen. Im zweiten Glied zu stehen, kam für mich nicht in Frage. Weil ich mir da nicht gerecht werden konnte. Wenn ich aber eine Führungsposition innehatte, habe ich auch alles investiert, was ich aus mir herausholen konnte.
Das war einiges. Mit dem VfL Heppenheim sind Sie sofort in die 2. Liga aufgestiegen, mit dem TV Eitra haben Sie den direkten Wiederaufstieg geschafft, waren das gleichzeitig Ihre schönsten sportlichen Erlebnisse?
Majstorovic: Gerade erst nach Deutschland gekommen und sofort Meister mit Heppenheim, das war nicht übel. Außerdem bin ich stolz darauf, dass ich in der Saison 1990/91 mit dem VfL, der damals eine ziemlich schlechte Mannschaft besaß, Torschützenkönig der 2. Liga geworden bin. Mit 168 Treffern. Davon 15 im Spiel in Göppingen. Sogar die Fans der Göppinger haben meine Tore am Ende beklatscht. Und die Rückkehr mit dem TV Eitra als Spieler unter Trainer Hrvoje Horvat in die Bundesliga war selbstverständlich auch etwas Besonderes. Die dafür entscheidende Partie hatten wir übrigens in Hüttenberg gewonnen. Die spontane Aufstiegsfeier danach in Eitra und die verrückten Zuschauer dort werde ich nie vergessen. Aber das wirklich Wichtige, was ich aus dem Sport gezogen habe, sind die vielen Freundschaften, die ich in all den Jahren geknüpft habe. Mit vielen Mitspielern und Trainern pflege ich weiter guten Kontakt.
Nochmal zum TV Hüttenberg, an den haben Sie aber nicht nur gute Erinnerungen ...
Majstorovic (schmunzelt): Sie meinen sicher den Zusammenprall mit Piotr Przybecki im Derby zwischen der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen und Hüttenberg. Das war denkbar unglücklich: Damals gab es noch einen Hochball, wenn ein vom Torwart abgewehrter Ball an die Decke flog. Przybecki und ich stiegen Seite an Seite hoch, wollten uns das Leder angeln, sind dabei aber in der Luft so heftig mit den Köpfen aneinandergestoßen, dass jeder Platzwunden erlitt, die in der Kabine getackert werden mussten. Wir sind dann beide mit dicken Verbänden um die Stirn raus und haben weitergemacht. Das sah bestimmt kriegerisch aus. Wenig später wurde die Hochball-Regel abgeschafft. Vielleicht auch wegen dieses Vorfalls.
Wie kam es, dass Sie überhaupt nach Deutschland gewechselt sind?
Majstorovic: Ich wollte damals unbedingt raus aus Jugoslawien. Alle wussten, es ist eine Wirtschaftskrise im Anmarsch. Dass sie zu einem solch schrecklichen Krieg ausarten würde, konnte keiner ahnen. Damals kam nur Spanien oder Deutschland in Frage. Heppenheim meldete sich als erster Club bei mir, und so bin ich zum VfL gegangen.
Derzeit arbeiten Sie ausschließlich als Honorartrainer beim Württembergischen Verband und betreuen den Nachwuchs, während Ihre Lebensgefährtin Lehrerin an einer Schule in Albstadt ist und daneben beim Süd-Drittligisten SV Allensbach auf Torejagd geht. Reizt es Sie nicht, wieder richtig ins Trainergeschäft einzusteigen?
Majstorovic: Doch, aber es müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Mir ist in den letzten zwei Jahren klar geworden, dass nur ein wirklich ambitionierter Verein, mindestens Oberliga-Niveau, in Frage käme. Nur das kann ich mit mir und meinen Vorstellungen von Handball als Leistungssport vereinbaren. Alles darunter macht keinen Sinn für mich. Ob Frauen oder Männer ist mir vollkommen egal. Die Ziele des Clubs, der Mannschaft und von mir müssen übereinstimmen, das entscheidet. Gut möglich, dass sich schon in Kürze was ergibt.








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