
Beide sind Schwergewichte im deutschen Fußball, aber keine Lautsprecher. Sie blicken auf jahrelange Erfahrung zurück. Bruchhagen managt die Frankfurter seit Dezember 2003 und hat vorher unter anderem beim FC Schalke 04, dem Hamburger SV und Arminia Bielefeld gearbeitet. Peters steht bei den "Königsblauen" schon über 19 Jahre unter Vertrag. Zusammen sitzt das Duo im Vorstand der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Peters ist sogar Vizepräsident des Ligaverbandes. Beide nahmen auf dem Blauen Sofa, der Talkrunde dieser Zeitung, Platz, und sprachen unter anderem über den aktuellen Tabellenstand, die Probleme mit gewalttätigen Fans und technische Hilfsmittel.
Herr Bruchhagen, Sie haben mit Eintracht Frankfurt den besten Saisonstart der Clubgeschichte hingelegt, liegen auf Platz zwei. Was sind die Gründe dafür?
Heribert Bruchhagen: Das fragt man sich häufig, wenn man die Ergebnisse im Fußball sieht. Es gibt eine Eigendynamik des Erfolgs und des Misserfolgs. Wir haben beides schon bei der Eintracht genießen dürfen. Es ist schon komisch: Wir sind mit sieben, acht Spielern, die jetzt bei dem Aufschwung mitwirken, vor zwei Jahren abgestiegen.
Herr Peters, Ihr Team ist Dritter. Wenn es in der Tabelle bis Saisonende so bliebe, könnten beide Teams in der Champions League antreten. Sind Sie mit dem derzeitigen Stand zufrieden?
Peter Peters: Unser Saisonstart war ordentlich. Aber wir sind noch nicht zufrieden. Wir haben in Düsseldorf und zum Auftakt in Hannover (jeweils 2:2, Anm. der Red.) Punkte liegengelassen. Unser Ziel ist die direkte Qualifikation für die Champions League, also Platz drei. Wir werden die Eintracht im Auge behalten.
Mit Trainer Armin Veh hat es nach dem Aufstieg lange gedauert, den Vertrag zu verlängern. Woran hat es gelegen?
Bruchhagen: Herr Veh hat damals festgelegt, sich erst zu entscheiden, wenn der Aufstieg feststeht. Deswegen hat es etwas gedauert. Auch jetzt hat er schon entschieden, sich erst zu äußern, wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben.
Warum machen Sie mit Trainern nur Ein-Jahres-Verträge?
Bruchhagen: Ich habe vor fast neun Jahren bei der Eintracht begonnen. In der Zeit vor mir hatte der Club in zehn Jahren 14 Trainer, die meistens Drei-Jahres-Verträge besaßen. Wenn ich Ihnen sagen würde, was wir an Abfindungen gezahlt haben, dann würden Sie überrascht sein. Ich wollte nicht, dass sich das wiederholt, deswegen habe ich in den Unternehmensleitsätzen festgelegt, dass unsere Trainer nur Ein-Jahres-Verträge bekommen.
Herr Peters, Ihr Verein ist hoch verschuldet, laut dem Magazin Forbes gehört er aber zu den zehn wertvollsten Clubs der Welt. Wie erklären Sie das dem Laien?
Peters: Ich stelle erst einmal fest, dass Forbes recht hat (lacht). Es vergessen viele, was wir mit dem Geld gemacht haben: 1996/1997 gab es den Wendepunkt beim FC Schalke 04: Wir haben die Altlasten mit dem Gewinn des UEFA-Cups beseitigt und die Entscheidung getroffen, die Arena zu bauen. Eine Forderung der Banken war es damals, in die Mannschaft zu investieren. Auch wir haben gesagt: Dieses Stadion rechnet sich nicht, wenn das Team gegen den Abstieg spielt. Wir haben dann rund 300 Millionen Euro investiert: 200 Millionen in die Arena, 30 Millionen in das Vereinsgelände und über drei bis fünf Jahre auch 50 bis 70 Millionen in den Kader. Und wenn man das schultern will, dann muss man das fremdfinanzieren. Das Resultat ist, dass wir es geschafft haben, aus einem Club, der in den 80er und 90er Jahren häufig gegen den Abstieg gespielt hat und auch mal einige Zeit in der 2. Liga war, einen Top-drei-Club der Bundesliga zu machen. Wir sagen aber auch, dass wir aus dieser Ertragskraft diese Verbindlichkeiten wieder zurückführen wollen. Da haben wir einen ehrgeizigen Zehn-Jahres-Plan. Aktuell sind es noch knapp 180 Millionen Euro. Wer glaubt, ohne diese Investitionen hätten wir den gleichen sportlichen Erfolg gehabt, der ist ein Träumer.
Basiert Ihr Geschäftsmodell darauf, dass Schalke in der Champions League spielen muss?
Peters: Es ist schon so, dass wir damit planen, international vertreten zu sein. Unsere Marschroute sieht vor, dass wir die Entschuldung dann schaffen, wenn wir durchschnittliche Personalkosten von rund 55 bis 60 Millionen Euro haben bei gleichzeitigem Erreichen der Europa League. Das ist unser Zehn-Jahres-Plan, den wir mit den Banken abgestimmt haben. Das bedeutet, wenn wir in die Champions League kommen, was rund zehn bis 15 Millionen mehr ausmacht, können wir dann die Personalkosten dementsprechend anheben.
Herr Bruchhagen, mit diesen Zahlen können Sie nicht mithalten. Wie lange hätte die Eintracht in der 2. Liga überleben können?
Bruchhagen: Das ist hypothetisch. Wir haben in der 2. Liga einen Verlust von 10,8 Millionen Euro gemacht. Verlust bedeutet aber nicht Schulden. Die Sanierung der Eintracht war in erster Linie meinem Finanzvorstand Dr. Thomas Pröckl zu verdanken. Er hat mit harter Hand dafür gesorgt, dass wir aus dem negativen Eigenkapital ins positive gekommen sind. Und nachdem das geschafft war, haben wir uns fest vorgenommen, den Verein nicht wieder zu verschulden. Das haben wir bis zum heutigen Tage geschafft. Mit Zahlen, wie die des FC Schalke, können wir jedoch nicht aufwarten. Unsere Lizenzspielerabteilung hat einen Etat von 25,2 Millionen Euro.
Schalke geht Risiko, die Eintracht eher den konservativen Weg des sparsamen Wirtschaftens. Kann Frankfurt mit diesem Modell überhaupt mal in die Champions League kommen?
Bruchhagen: Wenn wir die Verträge über Stadionmiete, Catering und mit dem Vermarkter demnächst neu verhandeln, dann wird Eintracht Frankfurt eines Tages verbesserte Bedingungen haben. Von daher sind wir da ganz gut aufgestellt. Sie müssen aber auch eines wissen: Alle Einnahmen verursachen Kosten, aber die Fernsehgelder sind fast Netto-Einnahmen. Und die stehen in einem Verhältnis von 1 zu 2,5 zwischen dem 18. der Bundesliga und dem Ersten. Wenn in der kommenden Runde also die Fernsehgelder von 440 Millionen Euro auf 624 Millionen Euro anwachsen, dann bekommt Eintracht Frankfurt mehr Geld. Aber alle, die über uns stehen, bekommen noch mehr Geld. Dieses bestehende Ranking führt traditionell dazu, dass sich unser Club auf dem Weg nach oben ganz schwer tut. Denn Geld schießt eben Tore. Das heißt nicht, dass wir nicht auch gegen Dortmund gewinnen können. In einem einzelnen Spiel ist alles möglich. Aber tendenziell schießt Geld Tore.
Bayern München hat 40 Millionen für Javi Martinez ausgegeben. Könnte der FC Schalke 04 auch eine solche Summe aufbringen?
Peters: Da kommen wir vielleicht mal hin. Im Moment wäre das nicht möglich, weil wir die Gelder, die wir verdienen, vornehmlich in die Rückführung der Verbindlichkeiten stecken. Aus dem Transfererlös von Manuel Neuer, der bei 22 Millionen Euro plus Prämien lag, haben wir 15 Millionen Euro in eine Sondertilgung gesteckt.
Die Fans der Eintracht haben in den vergangenen Jahren häufig Negativ-Schlagzeilen produziert. Sind solche Fans wie die Ultras das Herz des Vereins, weil sie für die schönen Choreografien stehen und die gute Stimmung, oder sind sie das Problem des Clubs?
Bruchhagen: Wir fassen die Ultras nicht unter dem Begriff Fan zusammen. Ein Fan ist jemand, der den Fußball wirklich gerne hat. Davon haben wir eine ganze Menge. Wir haben aber auch zwischen 200 und 300 Problembesucher, die einer oppositionellen, sehr von Protest behafteten Jugendbewegung angehören. Sie sehen als äußere Form des Protests die Pyrotechnik. Auch Gewalt wird als mögliches Mittel angesehen, um die Interessen der Gruppe zu verteidigen. Diese Bewegung geht wie ein Flächenbrand durch die Bundesliga. Das ist ein Problem, das uns in den nächsten Jahren begleiten wird. Für uns als Vereine ist diese Kultur nur schwer zu kontrollieren. Ich mache keinen Hehl daraus, dass es mir auch an Lösungsphantasien fehlt.
Ist es noch zeitgemäß, auf technische Hilfsmittel im Fußball zu verzichten? Andere Sportarten, wie Eishockey, Hockey, Tennis oder American Football gehen da andere Wege …
Bruchhagen: Ich weiß nicht, ob Sie die Entwicklung der Deutschen Eishockey-Liga vor Augen haben. Da geht es mächtig rückwärts. Einer der wesentlichen Bestandteile des Fußballs ist sicherlich, dass in Afrika nach den gleichen Maßstäben Fußball gespielt wird wie bei uns. Das hat auch etwas Bewahrendes. Da muss man genau abwägen. Wenn man nun ein Hawk-Eye (computergestütztes System zur Ballverfolgung, Anm. d. Red.) einsetzt wie etwa beim Tennis - übrigens eine Sportart, der es auch nicht gut geht - dann kostet das in der Anschaffung 250 000 Euro. Das kann die Bundesliga stemmen, die 2. Liga vielleicht auch noch, aber dann wird es schon schwer.
Peters: Ich bin in diesem Punkt ein Traditionalist und hoffe, dass wir den Gang der Technik weitgehend aufhalten können, zumindest verzögern können. Diskutieren gehört zum Fußball dazu. Soweit ich mich erinnern kann, ist noch niemand auf Grund einer Fehlentscheidung zu grunde gegangenen.
Herr Peters, tut es weh, wenn der FC Bayern München direkt vor Ihrer Haustüre im Centro Oberhausen einen so gut gehenden Fan-Store betreibt?
Peters: Nein, daraus müssen wir lernen. Jetzt haben wir dort auch einen eröffnet (lacht). Das Thema ist hochinteressant. Wissen Sie in welcher Karstadt-Filiale die meisten Fanartikel des FC Schalke 04 abgesetzt werden?
Verraten Sie es uns doch bitte ...
Peters: Mitten in Dortmund. Vielleicht müssen wir uns Gedanken machen, dort einen großen Fanshop zu eröffnen.
Bruchhagen: In die Kalkulation solltet Ihr aber die erhöhten Kosten für die Security mit einberechnen (lacht).







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