Mit dem Adler auf der Brust nach China

Ex-Haigerer kehrt als Jugendkoordinator zu den Sportfreunden Siegen zurück

Klaus Schmidt: Ja. Mit unserer B-Jugend sind wir in die Bundesliga aufgestiegen. Das ist für die Region was Tolles. Wir haben heute  Sichtungstraining angesetzt. Um in der Bundesliga zu bleiben, brauchen wir vernünftige Spieler. Wir wollen das mit Talenten aus der Region schaffen. Da gehört die Dillenburger Ecke ebenso dazu wie der Betzdorfer und Haigerer Raum. Meine alten Kontakte sind da nützlich.  

Wie lange sind Sie jetzt Jugendkoordinator?

Spektakulär: Der frühere Haigerer Klaus Schmidt. (Foto: privat)
Spektakulär: Der frühere ...

Schmidt:  Im Juni 2010, kurz nachdem ich in den Vorruhestand gegangen bin, habe ich angefangen. Ich bin bei den Sportfreunden groß geworden. Das ist mein Stammverein.  Jahrelang hatte ich keinen Kontakt. Durch meinen jüngsten Sohn Dominik, der jetzt hier in der A-Jugend spielt, ist er wieder zustande gekommen.

Was bedeutet der Regionalliga-Aufstieg der Siegener Männer für die Jugend?

Schmidt: Unsere wichtigste Aufgabe ist, für einen guten Unterbau zu sorgen. Dafür haben wir  das Jugendförderzentrum. Zu meiner Zeit haben es sechs Spieler aus der A-Jugend in die erste Mannschaft geschafft, vier davon sind Profis geworden. Das zeigt, dass es Talente gibt. Auf jedem Dorf gibt es einen Guten, der kann überall spielen. Man muss ihn nur finden. Ich wünsche mir, dass wir irgendwann wieder eigene Talente in die erste Mannschaft bringen.

Sie haben 26 Jahre selbst gespielt und waren danach 18 Jahre lang Trainer im Seniorenbereich. Was geben Sie den jungen Leuten mit auf den Weg?

Schmidt: Talent alleine reicht nicht. Sie müssen auch Durchsetzungsvermögen und Eigenmotivation haben. Wir stellen gute Trainer, fast alle mit Lizenz, für eine gute Ausbildung. Doch Fußball ist nicht alles, ohne die Schule und einen vernünftigen Abschluss geht nichts, das sage ich auch immer den Eltern. Da gibt es welche, die denken, ihr Kind kann schon mit dem ersten Vertrag vier Häuser bauen.

Wie haben Sie sich als Siegerländer gefühlt, als Sie in China die Hessenauswahl als deutsche Elf auf den Platz geführt haben?

Schmidt: Es war eine wunderbare Erfahrung. Ich habe zu dieser Zeit in Haiger gespielt und übers Aufhören nachgedacht, weil ich schon 33 war. Bernd Stöber war Auswahltrainer von Hessen und hat mich überredet, für sein Team aufzulaufen. Ich bin Kapitän geworden. Die China-Reise war die Belohnung dafür, dass wir 1983 den Länderpokal geholt haben. Wir sind zehn Tage lang mit Zug und Flugzeug quer durchs Land gereist. Ottmar Wagner war mein Zimmerkollege. Wir sind als deutsche Amateurauswahl angetreten und haben  in vier Städten gegen Regionalauswahlen gespielt. Unter anderem in Shanghai und Kunming. Die Begegnungen waren alle ausverkauft, zwei sind im Fernsehen gezeigt worden.

Wie war es damals, nach China zu reisen?

Schmidt:  Wir sind damals von einem Mann mit einem Stempel von der Obersten Behörde am Flughafen in Peking abgeholt worden. Er hat uns begleitet. Wir mussten nirgendwo warten. Bei jedem Spiel waren über 40 000 Zuschauer. Alle hatten Mao-Kappen auf. Ich weiß nicht, ob sie da hingehen mussten. Unsere Gegner haben wir nur zum Spiel und dem anschließenden Essen gesehen.

Sie waren Kapitän der Hessenauswahl.  Sind Sie auch sonst immer vorneweg gegangen?

Schmidt: Dazu geboren wurde ich nicht. Und manchmal wundere ich mich auch noch darüber, dass ich nach dem Aufstieg mit den Sportfreunden Siegen als 22-Jähriger der jüngste Spielführer in der damaligen Regionalliga, der zweithöchsten Klasse, war. In   Lüdenscheid bin ich im zweiten Jahr Kapitän geworden. Wir sind in die eingleisige Zweite Liga aufgestiegen. Ich hatte Trainer, die mich da hingeführt haben. Außerdem bin ich als Sechser groß geworden und musste mich immer wehren. Als defensiver Mittelfeldspieler hatte ich immer die sogenannten Zehner gegen mich. Und da kamen dann Leute wie Manfred Burgsmüller mit Uerdingen oder Hannes Bongartz mit Wattenscheid. Bei der Bundeswehr bin ich in den Sportförderzug nach Essen gekommen. Da waren die ganzen Granaten aus der Ersten und Zweiten Liga. Auch da musste ich mich durchsetzen. Im Ruhrgebiet sind sie frech. Da muss man sich wehren, sonst geht man gnadenlos unter. Vielleicht hat mich das geprägt.

Statt Eintracht Haiger sollte es eigentlich Hannover 96 werden. Wieso ist der Wechsel  gescheitert?

Schmidt: Nach zwei Jahren Zweite Liga in Lüdenscheid hatte ich einen Vertrag bei Hannover 96 unterschrieben. Dann habe ich mir im letzten Spiel gegen Tennis Borussia Berlin einen Außenbandriss geholt. Das bedeutete damals sieben Wochen Gips. Der Wechsel platzte, und der Kontakt mit Haiger kam zustande.  

Sie sind mit Haiger in die Oberliga aufgestiegen und später als Trainer zurückgekehrt, mit Siegen haben Sie den Sprung in die Regionalliga geschafft. Fühlen Sie sich den Vereinen besonders verbunden?

Schmidt: An meine Zeit als Spieler in Haiger erinnere ich mich sehr gerne. Die Mannschaft,  die man mir als Trainer zur Verfügung stellte, hatte zu wenig Spieler auf Oberliganiveau. Das war das Kernproblem. Von den Sportfreunden war ich lange weg. Ich bin vor zwei Jahren zurückgekommen. Es war so, als ob ich eine Reise gemacht hätte und sie nun endet. 1968 war ich hier mit der A-Jugend Westfalenmeister. Der Kreis schließt sich.

 

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Dokument erstellt am 12.06.2012 um 17:18:03 Uhr
Letzte Änderung am 18.07.2012 um 14:42:59 Uhr
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