Sie schwimmt einfach ihre Bahnen

Mit 15 besiegte die Dillenburgerin Superstar Franziska van Almsick
Julia Jung nach dem Wettkampf: über der Bahnbegrenzung lehnend, glücklich; Julia Jung (Deutschland) Weltmeisterschaft, F
Julia Jung nach dem Wettkampf: ...

Wann waren Sie zuletzt im Schwimmbad?

Julia Jung: Gestern Abend. Und gleich möchte ich auch noch eine Runde drehen.

Das Leben im Wasser geht also auch nach dem Ende der Karriere weiter…

Jung: Ja. Ich fühle mich nach wie vor im Wasser sehr, sehr wohl. Ich mache als Lehrerin sehr viel Schwimmunterricht für Grundschüler. Und nach den Herbstferien fange ich mit Schwimmkursen an. Für Anfänger ab fünf Jahren  und für Fortgeschrittene. Unter dem Namen "Kid’s Club".

Dabei hatten Sie doch selbst sogar ärztliches Sportverbot…

Wo alles begann: Julia Jung vor dem Dillenburger Hallenbad, das nach dem Umbau "Aquarena" heißt. (Foto: Hain)
Wo alles begann: Julia Jung vor ...
Jung: Während meiner aktiven Laufbahn hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Die Ärzte hatten mir vom Leistungssport abgeraten, weil die Wirbelsäule schon sehr in Mitleidenschaft gezogen war. Aus diesem Grund habe ich letztlich aufgehört. Meine Gesundheit war mir doch am wichtigsten. Seit meiner Operation bin ich beschwerdefrei.

Wie nahe kommen Sie denn heute noch an die 4:09,24 Minuten über 400 Meter Freistil heran?

Jung: Das war meine Jahresweltbestzeit. Als ich bei den Deutschen Meisterschaften gegen die Franzi gewonnen habe. Ich schaue jetzt überhaupt nicht mehr auf die Zeit. Ich schwimme einfach meine Bahnen. Das ist für mich Abschalten vom Alltag. Erholung. Ich setzte mir keine Ziele mehr. Ich schwimme so viel, wie ich Lust habe.

Damals, 1995 in Warendorf, hat ja alles angefangen …

Jung: Das war wirklich der ausschlaggebende Punkt. Dass ich 15 war. Dass ich jünger war als Franziska van Almsick. Dass ich damals wirklich gute Zeiten geschwommen habe. Es ist aber ein bisschen kurz gewesen. Ich hätte gern länger weitergemacht. Aber man kann ja nicht immer alles haben.

Können Sie denn Ihren jungen Schülern – oder deren Eltern – überhaupt empfehlen, ein "Star" werden zu wollen?  Sie selbst haben sich in dieser Rolle ja nie wohlgefühlt …

Jung: Das ist  eine Frage der Persönlichkeit. Es gibt Menschen, die stehen gerne im Mittelpunkt. Und auch solche, die das nicht so gerne mögen. Ich habe mich halt immer lieber ein bisschen bedeckt gehalten. Immer in der Öffentlichkeit zu stehen, hat sicherlich auch seine Vorteile und seine schönen Seiten. Aber ich hätte es auch sehr gut ohne gekonnt. 

Wer wollte denn einen Star aus Ihnen machen?

Jung: Das entwickelt sich. Du bist erfolgreich. Dann kommen Sponsoren, die dich öffentlich machen wollen. Irgendwann habe ich dann einen Manager (Ralf Scheitenberger, der auch Ex-Tennisstar Michael Stich betreute, die Red.) bekommen. Und der macht einen öffentlich.

Was würden Sie heute anders machen mit der Erfahrung von damals?

Jung: Ich will die Zeit im Leistungssport auf keinen Fall missen. Es war sehr schön. Trotz der Anstrengungen und dem enormen Zeitaufwand. Dass ich damals von Dillenburg nach Hamburg gegangen bin, hatte ja seine Gründe. Deshalb kann ich nicht sagen, es wäre besser gewesen, hier zu bleiben. Ich war ja irgendwann an dem Punkt, dass ich sagte, ich höre lieber auf, als dass ich in Dillenburg weiterschwimme. Ob es jetzt nochmal Hamburg sein müsste, also so weit weg von zu Hause, darüber wäre noch einmal nachzudenken.

Wissen die Erst- bis Viertklässler der "Schule am Brunnen" in Dillenburg-Frohnhausen, was für eine "Berühmtheit" ihre Lehrerin Frau Jung einst war?

Jung: Das wundert mich sehr. Es gibt wirklich viele Kinder, die mich darauf ansprechen. Die zu mir kommen und fragen, Frau Jung, warst du mal eine gute Schwimmerin? Das erzählen die Eltern ihren Kindern. Die sind dann richtig begeistert.

Wann hatten Sie zuletzt Kontakt mit Franziska van Almsick?

Jung: Wir haben uns einmal auf einem Sportlerball in Wiesbaden getroffen und uns kurz unterhalten. Das ist schon lange her.


Zur Person:
Geburtsdatum: 4. Oktober 1979
Wohnort: Dillenburg-Manderbach
Familienstand: ledig, liiert mit Stefan Lotz
Beruf: Grundschullehrerin
Sportlicher Werdegang: Zwölffache Jugend-Europameisterin, sechsfache deutsche Meisterin, Vizeweltmeisterin mit der 4-x-200-Meter-Freistil-Staffel 1994, Deutschlands "Juniorsportlerin des Jahres" 1994, zweifache Europameisterin 1995. 

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Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2010
Dokument erstellt am 18.02.2010 um 12:21:27 Uhr
Letzte Änderung am 18.07.2012 um 14:53:49 Uhr
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