
In der Hessenliga, einst dritthöchste Spielklasse Deutschlands, und in der Gruppen- bzw. Landesliga, die in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach ihren Namen wechselten. Was ist aus den namhaften Vereinen von einst geworden? Wir haben für Sie in alten Zeitungsbänden und auf Internetportalen gestöbert sowie mit Zeitzeugen telefoniert.

Schön war die Zeit!
- FC Burgsolms
Jener Club, der wie kein zweiter in Hessen für seine herausragende Nachwuchsarbeit bekannt ist, spielte nach einem 3:1-Sieg im Entscheidungsmatch bei der SG Arheilgen nur eine Runde in Deutschlands dritthöchster Klasse, die sich in der Saison 1962/63 noch 1. Amateurliga nannte. Diese Spielzeit aber hatte es in sich. Die Männer von Trainer Günther Heil starteten mit einem 8:1-Erfolg und vier Toren des späteren Gladbacher Goalgetters Bernd Rupp spektakulär in die Saison. Am Ende stand nach zwölf Siegen, drei Unentschieden und 15 Niederlagen der 14., der drittletzte Platz, zu Buche. 27:33 Punkte und sensationelle 69:69 Tore reichten nicht zum Liga-Verbleib. Obwohl die Solmser beispielsweise Meister VfB 1900 Gießen mit 8:2 aus dem Bergstadion fegten, mussten sie runter. Der zweitbeste Angriff der Liga (nach dem des VfB, der 81 Mal traf) sorgte für Furore, die drittschlechteste Deckung jedoch auch. Unter Trainern wie Gerhard Thiele, Werner Poganaz, Niko Semlitsch, Werner Placzek, Karl-Heinz "Wuppi" Hertstein, Norbert Loell, Burkhard Kopyciok, Siegbert Schaller und Walter Staaden spielte Burgsolms danach fast vier Jahrzehnte mit wenigen Ausnahmen in der Landesliga, unter Coach Stefan Lottermann stieg er 2002/03 aus dieser ab. Heute heißt der FCB-Übungsleiter Daniel Schäfer. Unter ihm ist jener Verein, aus dem die späteren Bundesliga-Profis Bernd Rupp (Borussia Mönchengladbach, 1. FC Köln, Werder Bremen), Stefan Lottermann (Kickers Offenbach, Eintracht Frankfurt, 1. FC Nürnberg, Darmstadt 98), Harry Karger (Eintracht Frankfurt), Harry Hartung (Karlsruher SC), Claus-Peter Zick (Eintracht Frankfurt), Sascha Lense (FSV Frankfurt, FSV Zwickau, Dynamo Dresden, Darmstadt 98), Michael Guht (Eintracht Frankfurt, FSV Frankfurt, SV Wehen) und Matthias Hagner (Eintracht Frankfurt, VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach, SpVgg. Greuther Fürth) hervorgingen, in der Kreisoberliga West Achter. Mit einem Rückstand von 15 Zählern auf Spitzenreiter SG Waldsolms.
- Rot-Weiß Walldorf
Der Aufschwung der Elf aus dem 6000 Besucher fassenden Waldstadion an der Okrifteler Straße ist eng mit dem Namen Heinz Wulf verbunden. Die Trainer-Legende aus Sindlingen führte den Club aus dem südhessischen Mörfelden 1988 in die Oberliga. Von den Anhängern als "billigste Mannschaft der Oberliga" gefeiert, schlug sich die Wulf-Elf über mehrere Spielzeiten wacker im hessischen Oberhaus, was vor allem der guten Nachwuchsarbeit und der Pflege der zweiten und dritten Mannschaft sowie einigen wenigen Neuzugängen zu verdanken war, die den Abgang einiger Leistungsträger kompensieren konnten. In der Saison 1991/92 war Rot-Weiß Walldorf am dritten Spieltag sogar Tabellenführer und mit der 2. Bundesliga kurzzeitig in Tuchfühlung. Mit dem achten Rang am Rundenende in dieser sowie in der darauffolgenden Saison erreichten die Rot-Weißen den Zenit ihrer jüngeren Vergangenheit. Als Heinz Wulf 1992 den Verein verließ und ihm Dieter Menzel sowie die beiden Ex-Profis Timo Zahnleiter (1860 München, AEK Athen) und Jürgen Sparwasser, der Schütze des 1:0-Siegtreffers für die DDR bei der WM 1974 gegen Deutschland, auf der Kommandobrücke folgten, begann der Abstieg in die tieferen Spielklassen. Zurzeit liegt Walldorf in der Gruppenliga Darmstadt auf Rang drei, neun Zähler hinter Tabellenführer VfR Bürstadt, aber nur einen hinter dem Zweiten SV Geinsheim.
- SG Walluf
Dass die Elf vom Rheinufer im Jahre 2000 erstmals den Sprung in die Oberliga schaffte, hatte sie Trainer Horst Hülß zu verdanken. Der ehemalige Lizenzspieler des FSV Mainz 05, der später am Bruchweg selbst, bei Hassia Bingen, dem SV Wehen, dem SV Wiesbaden und der SpVgg. Ingelheim auf der Bank saß, hatte auf dem Hartplatz im Johannisfeld, der im Winter meist überflutet war, hervorragende Arbeit geleistet. Nach nur zwei Runden stieg die Spielgemeinschaft aus Ober- und Niederwalluf wieder ab, heute kickt sie in der Gruppenliga Wiesbaden und belegt dort den viertletzten Platz. Nur der TuS Löhnberg, der SV Presberg und Ex-Oberligist TSG Wörsdorf stehen in der vom TuS Niedernhausen angeführten Klasse noch schlechter dar.
- RSV Würges
Der Hessenpokalsieger der Jahre 1980 und 1987 nahm daraufhin zweimal am DFB-Pokal teil. Zunächst schlug er den FC Ottering, einen Club aus der Gemeinde Moosthenning im niederbayerischen Landkreis Dingolfing, mit 2:0, danach gewannen die Bad Camberger beim OSC Bremerhaven mit 2:0. Erst in Runde drei kam das Aus nach einem unglücklichen 0:1 gegen den Zweitligisten VfL Osnabrück. Sieben Jahre später hieß der Gegner in Durchgang eins Fortuna Düsseldorf, das vor 4500 Besuchern im Stadion Goldener Grund mit 3:0 die Oberhand behielt. Mehr noch als die Niederlage schmerzte die Würgeser Verantwortlichen an jenem 29. August 1987 das Verhalten der Fortuna-Chaoten, die während des Spiels und später auch im Dorf randalierten. Die Polizei setzte Hunde ein, machte von ihren Schlagstöcken Gebrauch und nahm mehrere Anhänger des Clubs vom Niederrhein fest. In der Hessenliga spielte der RSV Würges, für den einst Bernd Eufinger, Dirk Hünerbein, Helge Petri und Frank Dies stürmten, 1983 bis 1985, 1991/92, 1996 bis 1998 und 2006 bis 2011. Heute sind die Bad Camberger in der Kreisoberliga Limburg-Weilburg zu Hause. Zur Winterpause belegen sie mit bereits 15 Zählern Rückstand auf Spitzenreiter SG Weinbachtal Rang fünf.
- SC Neukirchen
Viele Jahre in der Oberliga, vor allem aber vier Spielzeiten in der Regionalliga Süd (1995 bis 1999), machten die Knüllkampfbahn auch über die Grenzen Hessens hinaus bekannt. Nach dem Aufstieg wurde die Elf von Trainer Karl-Heinz "Ede" Wolf Zwölfte, danach landete sie auf den Rängen 9 und 15. Nach einer 0:1-Niederlage beim Karlsruher SC II stiegen die Schwälmer zusammen mit dem SC Weismain wieder ab. Ein Sieg bei den Badenern hätte sie bis auf Platz 15 befördert und den SC Pfullendorf nach unten gerissen. Der Hessenpokalsieger der Jahre 1985, 1995 und 1997, für den einst der heutige Assistent von Trainer Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund, Zeljko Buvac, der spätere Torwart des FSV Mainz 05, Sven Hoffmeister, der ehemalige Torjäger der DDR-Ligisten Motor Grimma und 1. FC Markkleeberg, Heiko Liebers, sowie Volker Münn, 1988 mit Eintracht Frankfurt DFB-Pokalsieger, aufliefen, spielt zurzeit in der Kreisoberliga Schwalm-Eder. Nach sechs Siegen aus 15 Partien und Rang zehn trennt den SCN, der die FSG Chattengau/Metze, die SG Uttershausen/Lendorf, die SG Ohetal/Frielendorf, den FV Binsförth, die SG Dillich/Nassenerfurth/Trockener Furth und den TSV Altmorschen noch hinter sich weiß, nur vier Zähler von einem direkten Abstiegsplatz.







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