Die Gründer von der Sandelmühle

FUSSBALL Wo einst Wolfgang Solz spielte, weht heute Gruppenliga-Luft / Folge 1
| Foto: Steinhaus

In der Hessenliga, einst dritthöchste Spielklasse Deutschlands, und in der Gruppen- beziehungsweise Landesliga, die in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach ihren Namen wechselten. Was ist aus den namhaften Vereinen von einst geworden? Wir haben für Sie in alten Zeitungsbänden und auf Internetportalen gestöbert sowie mit Zeitzeugen telefoniert.

Schön war die Zeit!

SpVgg. Bad Homburg

Der Club von der legendären Sandelmühle gehörte 1950 zu den Gründungsmitgliedern der 1. Amateurliga Hessen. Mit der dort erreichten Meisterschaft 1955 qualifizierten sich die Kurstädter für die deutsche Amateurmeisterschaft, deren Finale sie vor 15 000 Besuchern in Wetzlar gegen die Sportfreunde Siegen mit 0:5 verloren. 1973 schließlich glückte der Triumph vor 7000 Zuschauern in Offenbach mit einem 1:0-Erfolg über den 1. FC Kaiserslautern II.

4:5 nach Elfmeterschießen vor 5500 Fans im Trierer Moselstadion

Die erfolgreichste Phase überhaupt in der Oberliga hatte die Spielvereinigung zwischen 1987 und 1992 mit drei zweiten und einem dritten Platz. Damit verpasste Bad Homburg zwar dreimal knapp die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, qualifizierte sich aber noch drei Mal für die deutsche Amateurmeisterschaft. Sowohl 1989 als auch 1992 gelang dabei der Einzug ins Finale. Dramatisch war das Endspiel 1989 gegen Eintracht Trier vor 5500 Zuschauern im Moselstadion. Erst das Elfmeterschießen entschied das Spiel mit 4:5 gegen die von Herbert Dörenberg trainierten Homburger. Drei Jahre danach erreichte die Elf von den Ausläufern des Taunus unter Coach Wolfgang Strack erneut das Endspiel. Dieses ging an der Hafenstraße gegen Gastgeber Rot-Weiß Essen 2:3 verloren.

Die erfolgreiche Phase endete 1993 mit dem Absturz auf Abstiegsrang 16. Nach dem letzten Aufstieg 1998 geriet der Verein so sehr in finanzielle Schwierigkeiten, dass er Konkurs anmelden musste. Die SpVgg. Bad Homburg zog ihre Mannschaft während der Saison 1998/99 nach nur 16 Partien aus dem Spielbetrieb zurück. Der Verein wurde aufgelöst und unter dem Namen SC 99 Bad Homburg am 14. Mai 1999 neu gegründet. Heute rangieren die seit 2007 wieder Spielvereinigung heißenden Bad Homburger, bei denen einst Udo Klug, Wolfgang Solz, Ernst Abbe und Kölns Ex-Internationaler Herbert Zimmermann aktiv waren, auf Rang 14 der Gruppenliga Frankfurt West.

BC Sport Kassel

Der 1. Casseler Ballspiel-Club "Sport", 1894 gegründet, gehört zu den ältesten Vereinen unseres Bundeslandes. Vor dem 2. Weltkrieg bereits Endrundenteilnehmer um die Westdeutsche Meisterschaft, hatten die Nordhessen Mitte der 70er Jahre ihre Blütezeit, als ihnen im neunten Anlauf endlich der Aufstieg in die Oberliga Hessen gelang. Bis zu 3000 Zuschauer kamen an die Scharnhorststraße, um die Duelle mit den Zweitliga-Aspiranten FSV Frankfurt, Hessen Kassel, VfR Bürstadt und KSV Baunatal zu erleben. Zwei Jahre später stiegen die Nordhessen bereits wieder aus der Oberliga ab. Heute stehen sie in der Gruppenliga Kassel, Staffel 2, mit 17 Siegen aus 17 Partien und einem sagenhaften Torverhältnis von 52:4 an der Tabellenspitze. Die Zeit der Partien gegen Teams wie den TSV Rothwesten, den SV Hopfelde-Hollstein und die SG Schauenburg neigt sich dem Ende entgegen.

SV Bernbach

Der 1919 gegründete Club aus dem südhessischen Freigericht sorgte während seiner Oberliga-Zugehörigkeit zwischen 1995 und 2005 für das eine oder andere Skandälchen. Spektakuläre Trainerwechsel, Rückzugsgerüchte und finanzielle Horrormeldungen gehörten irgendwann zum Alltag an der Birkenhainer Straße. Ihre erfolgreichste Saison hatten die SVB-Kicker 1998, als sie als Liga-Zweiter hinter dem FSV Frankfurt an der Relegation zur Regionalliga Süd teilnehmen durften, dort jedoch am SC Pfullendorf scheiterten.

In der Folgezeit bekam der Verein wirtschaftliche Probleme und stand nach der Betriebsprüfung durch das Finanzamt und darauffolgender Steuerveranlagung vor dem Aus, konnte den Konkurs jedoch abwenden. 2001 wurde dem SV Bernbach die Oberliga-Lizenz im ersten Durchgang verweigert und erst nach Verhandlungen nachträglich erteilt. Trotz knapper Budgets gelang dennoch die Zugehörigkeit zur höchsten hessischen Fußballklasse.

Eine kleine Sensation gelang dem SV Bernbach, als er im Hessenpokal der Saison 2007/08 den zwei Klassen höher spielenden KSV Hessen Kassel mit 4:3 nach Verlängerung bezwang.

Heute gehören die Freigerichter, für die einst Ronny Borchers, Rainer Krieg und Norbert Nachtweih die Stiefel schnürten, der Kreisoberliga Gelnhausen an. Als Tabellenzweiter hinter der SG Altenhaßlau/Eidengesäß haben sie gute Chancen, in die Gruppenliga Frankfurt Ost aufzusteigen.

FSV Bergshausen

Die Fußballer aus dem 3300 Einwohner zählenden Ortsteil von Fuldabrück am Rande des Kaufunger Waldes spielten von 1978 bis 1982 in der Oberliga. Einmalig bleibt das Lokalderby am 20. Oktober 1979 gegen den großen KSV Hessen Kassel, das 9500 Besucher ins Baunataler Parkstadion lockte und eine Rekordeinnahme in die Vereinskasse des Fußball-Sportvereins spülte. Die von Heinz Brede trainierte Elf aus Bergshausen, in der Bernd Lichte, Winnie Döring, Torwart Lothar Guth und Jürgen Sievers standen, unterlag dem alten Rivalen mit 0:3, bot gegen Klaus Zaczyk, Gerhard Grau, Bernd Sturm und Co. jedoch lange Gegenwehr.

Heute in der A-Liga gegen Nieste, Zagreb Kroatien und Bettenhausen II

Heute heißen die Gegner des FSV Bergshausen in der Kreisliga A Kassel VfB Bettenhausen II, TuSpo Nieste und DJK Zagreb Kroatien. Die Männer aus Fuldabrück sind Vorletzter - sie stehen vor dem Absturz in die B-Liga.

SpVgg. Dietesheim

Im Mühlheimer Stadtteil im Kreis Offenbach bot die Sportvereinigung ihren Anhängern zwischen 1981 und 1988 Oberliga-Fußball. In der Winterpause der Saison 1986/87 lagen sie zwischenzeitlich sogar auf Platz drei des Tableaus hinter dem späteren Meister Kickers Offenbach, so dass ihnen der Deutsche Fußball-Bund die Lizenzierungsunterlagen für die 2. Bundesliga ins Haus schickte.

Was auf dem schmucken Sportgelände am Wingertsweg für viel Gelächter sorgte, denn an Profifußball dachte in Dietesheim kein Mensch. Als die meist ganz in Gelb gekleideten Dietesheimer schließlich in einem Entscheidungsspiel gegen den VfL Marburg 0:4 verloren, verschwanden sie wieder von der ganz großen hessischen Fußballbühne. Zurzeit liegt die Sportvereinigung auf Rang acht in der vom SSV Lindheim angeführten Gruppenliga Frankfurt, Staffel Ost.

Lesen Sie demnächst in Folge 2: SSV Dillenburg, SG Egelsbach, FC Erbach, CSC 03 Kassel und FV Bad Vilbel.

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Dokument erstellt am 10.01.2013 um 21:16:00 Uhr
Letzte Änderung am 16.01.2013 um 12:21:58 Uhr
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