
In der Hessenliga, einst dritthöchste Spielklasse Deutschlands, und in der Gruppen- bzw. Landesliga, die in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach ihren Namen wechselten. Was ist aus den namhaften Vereinen von einst geworden? Wir haben für Sie in alten Zeitungsbänden und auf Internetportalen gestöbert sowie mit Zeitzeugen telefoniert.

Schön war die Zeit!
Eintracht Haiger
Die nicht zuletzt ob ihrer Macher Heinz Becker und Konrad Fischbach im ganzen Land beliebte und geschätzte Elf vom Haarwasen spielte von 1980 bis 1997 ohne Unterbrechung in der Hessenliga und war damit der einst dienstälteste Vertreter der Liga. Von Peter Cestonaro trainiert wurde der Club aus dem nördlichen Dillkreis 1987 sogar Vizemeister hinter Kickers Offenbach und klopfte ans Tor zur 2. Bundesliga. Dreimal spielte Haiger im DFB-Pokal. Am erfolgreichsten im Jahre 1984, als sogar Bundesligist Karlsruher SC die Stärke der Eintracht anerkennen musste. Wolfgang Waldschmidt machte damals bundesweit Schlagzeilen, als ihm in der Verlängerung der 1:0-Siegtreffer gegen die Badener glückte. Auch 1990 (1:2 gegen Borussia Mönchengladbach), als Christoph Lang die Gastgeber früh in Führung geschossen hatte, Igor Belanow und Michael Klinkert das Team vom Bökelberg aber noch in Runde zwei schossen, sowie 1993, als die Eintracht zunächst den 1. FC Elmshorn mit 3:1 aus dem Weg räumte, danach aber vor 5000 Zuschauern der von Friedel Rausch gecoachte 1. FC Kaiserslautern nach Verlängerung und zwei Treffern von Martin Wagner mit 3:1 die Oberhand behielt, setzte Haiger im Pokal Duftmarken. Als Hauptsponsor Möbel Franz Ende der 90er Jahre pleite ging, begann der Abstieg der Eintracht, für die einst Harry Hartung und Carlo Ringsdorf stürmten, Peter Plonka, Carsten Busch und Stefan Born Regie führten, Ernst-Rudolf Meister, Detlef Lange, Jürgen Hendrich und Rainer Gottfried verteidigten, Peter Endrulat, Jörg Kässmann und Wilfried Brümmer im Tor standen sowie Niko Semlitsch, Dieter Mietz, Gerd vom Bruch und Paul Alhäuser auf der Bank saßen. Nach der Neugründung spielt der heutige FC Eintracht Haiger inzwischen in der A-Liga Dillenburg - als Rangdritter mit dem festen Willen, bald wieder der Kreisoberliga anzugehören.
Progres Frankfurt
Nur ein kurzes Gastspiel in Hessens höchster Liga gab jener Club, den 1971 in Frankfurt lebende Gastarbeiter aus dem ehemaligen Jugoslawien gründeten. 1994 aufgestiegen, wurde die von Serben dominierte Elf sensationell Dritte hinter dem SC Neukirchen und Eintracht Frankfurt II. Bereits im folgenden Spieljahr kam es jedoch zu internen Auseinandersetzungen, die finanziellen Unregelmäßigkeiten sowie einer fehlenden Heimspielstätte geschuldet waren. Progres genoss Gastrecht an der Hahnstraße in Niederrad bei der SKG Frankfurt, ward dort alsbald aber nicht mehr gerne gesehen. Zunächst stieg der Club in die Verbandsliga ab, ehe der Hessische Fußball-Verband beschloss, dass alle Vereine oberhalb der Bezirksoberliga mindestens zwei Jugendteams haben müssen. Dies bedeutete das endgültige Aus für jene Mannschaft, die Anfang der 80er sogar Dragoslav Stepanovic ("Lebbe gehd weida") gecoacht hatte.
Borussia Fulda
Einst sogar in der 2. Oberliga und der Regionalliga Süd beheimatet, spielten die Osthessen von 1964 bis 1976 in der Hessenliga. Nach eher tristeren Jahren stiegen die Domstädter 1990 wieder auf, 1995 glückte ihnen sogar erneut der Sprung in die Regionalliga Süd, inzwischen Deutschlands dritthöchste Klasse. In den Jahren danach pendelte der Verein aus der schmucken Johannisau zwischen Regional- und Oberliga, bis dem Verein 2004 die Lizenz für die Oberliga verweigert wurde und er erst 2006 wieder ins hessische Oberhaus zurückkehrte. Am Ende der Saison 2008/09 stieg Fulda als 17. der Tabelle aus der Hessenliga ab. Auch in der folgenden Runde in der Verbandsliga Nord ging die Talfahrt mit Rang 18 und dem abermaligen Abstieg weiter. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation stellte der Verein, aus dem Dortmunds Nationalspieler Sebastian Kehl, der 14 Jahre lang für Hannover 96 auflaufende Albaner Altin Lala, der langjährige Hoffenheimer Torwarttrainer Cesar Thier sowie der Kameruner Olivier Djappa, einst Zweitliga-Torschützenkönig des SSV Reutlingen, hervorgingen, schließlich einen Insolvenzantrag, der am 21. April 2010 allerdings zurückgezogen wurde. Zurzeit belegen die Domstädter Platz zehn in der Gruppenliga Fulda, nur drei Punkte entfernt von der Relegation in Richtung Kreisoberliga.
SC Gladenbach
Der aktuelle Tabellenführer der A-Liga Biedenkopf, dem allerdings der VfL Weidenhausen, die SG Dernbach/Wommelshausen, die SG Silberg/Eisenhausen und der SSV Bottenhorn im Nacken sitzen, vertrat Hessen 1977 sogar im DFB-Pokal. In Runde eins schlugen die Hinterländer den Spiel- und Sportverein Elpe, einen Club aus der Nähe von Brilon im Sauerland, mit 2:1, in Runde zwei unterlagen sie dem SV Sandhausen mit 1:5. Bis 1986 waren die Männer vom Blankenstein in der Landesliga Mitte aktiv, in die sie im Jahre ihres 75. Bestehens, also 1994, abermals zurückkehrten. Zahlreiche große Namen fanden einst den Weg zum GSC: Martin Szastkiw im Tor, Ex-Bayern-Profi Rainer Künkel als Libero und Trainer, Volker Bleich in der Abwehr, Jürgen Grünewald, Volker Nassauer, Christian Heicke, Peter Plonka und Volker Münn im Mittelfeld, Walter Beck und Jochen Michel in vorderster Front, Dieter Mietz und Reinhard Klante auf der Bank.
VfR Groß-Gerau
Der Club aus der Arena an der Geschwister-Scholl-Straße stieg 1972, trainiert vom ehemaligen Mainzer Regionalliga-Akteur Heinz Wassermann, erstmals in die damals noch drittklassige Oberliga Hessen auf. Wolfgang Kaniber, zuvor Profi beim VfL Osnabrück und bei Racing Straßburg, ergänzte das Team zur Rückrunde als spielender Co-Trainer, so dass der Club aus dem Norden des hessischen Rieds nach einem 3:0 im Entscheidungsspiel gegen den SV Hofheim die Liga halten konnte. Es folgten erfolgreiche Jahre in Liga drei, die der VfR erst 1979 wieder verlassen musste. 1976/77 übernahm sogar ein ehemaliger Deutscher Meister, Dieter Stinka von Eintracht Frankfurt, das Traineramt, 1982/83 hatte Werner Lorant auf der Bank das Sagen. Da er gleichzeitig Profi bei Eintracht Frankfurt war und vom FC Schalke 04 ein Angebot erhielt, musste er Groß-Gerau Hals über Kopf wieder verlassen. Aktuell spielt der 1916 gegründete Club in der Kreisoberliga Darmstadt/ Groß-Gerau. Nach sechs Siegen aus 17 Partien rangiert der VfR im Niemandsland der Tabelle auf Position neun.
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Lesen Sie demnächst in Folge 4: FC Hanau 93, Starkenburgia Heppenheim, FC 80 Herborn, FC Hochstadt und SG Höchst.







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