Arbeit für 14.000 Menschen

HANDWERK Umsatz liegt im Landkreis bei 1,1 Milliarden Euro

Seit 2010 wirbt das Handwerk mit dem Slogan "Die Wirtschaftsmacht von nebenan" und einprägsamen Botschaften. (Repro: Bünger)

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Das verarbeitende Gewerbe, sprich die Industrie, kam hier zur gleichen Zeit auf 137 Betriebe und 25 066 Beschäftigte. Die 1,116 Milliarden Euro Umsatz, die die Handwerksbetriebe meldeten, entsprechen dabei 19,1 Prozent des industriellen Umsatzes.

20 Prozent des Arbeitslohns lassen sich bis 6000 Euro absetzen

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"Handwerk hat goldenen Boden", hieß es vor dem Wirtschaftsmacht-Slogan. Aber die Zeiten ändern sich. Einen Handwerker zu bezahlen, können sich nicht mehr alle leisten. Aber die, die es sich leisten können, bekommen vom Staat noch was dazu: Wer beispielsweise von Handwerkern seine Fenster putzen, das Parkett abschleifen, die Waschmaschine reparieren oder einen Carport ans Haus bauen lässt, kann 20 Prozent vom Arbeitslohn im Wert von bis zu 6000 Euro absetzen.

Absetzbar sind jeweils die Arbeitsleistung sowie ­Kosten für Anfahrt und Maschinenmiete. Wichtig: Die Handwerkerrechnung muss per Überweisung bezahlt werden, niemals bar gegen Quittung. Sonst ist's vorbei mit dem Steuerabzug, das ist gerichtlich vom BFH bestätigt.

Hat eine Wirtschaftsmacht das nötig? Fürs "Ja" gibt es drei Gründe: die Umsätze, die Schwarzarbeit und die Zahl der Beteiligten. Handwerker und ihre Beschäftigten sind Wähler und auf der Basis der letzten Handwerkszählung sind es im Kreis Marburg-Biedenkopf 13 900 "tätige Personen", mit denen es sich die Politik verscherzen könnte.

Unter "tätigen Personen" zählen im Handwerk alle mit: Arbeitnehmer, Chef, Familienangehörige. Werden nur die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für sich genommen, dann liegt deren Zahl bei 10 116. Schwarzarbeit gefährdet vor allem deren Jobs, deswegen das Lockmittel Steuerersparnis - denn damit sind ordentliche Rechnungen gesichert.

Die Betriebe im Landkreis melden für 2011 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro

Die Zahlen dazu: Der Umsatz, den die Handwerksbetriebe im Kreis Marburg-Biedenkopf zuletzt meldeten (und versteuerten), lag bei 1,116 Milliarden Euro. Im Jahr davor waren es noch 1,048 Milliarden Euro gewesen. Im Schnitt steht ein Beschäftigter derzeit für 80 261 Euro Umsatz (Vorjahr: 77 837 Euro).

Wo es um viel Geld geht, werden auch Begehrlichkeiten geweckt. Eine besteht bei der Europäischen Union. Die Frage ist, ob's den deutschen Meister braucht, sprich, ob Handwerker europaweit auch ohne Meisterbrief handwerken dürfen. Solche ''zulassungsfreien'' Gewerke gibt es inzwischen. Im Kreis Marburg-Biedenkopf arbeiten in ihnen derzeit 208 Betriebe. Die weit größere Zahl, nämlich 1239 Handwerksbetriebe, haben einen oder mehrere Meister.

Und in der Qualität liegt für die Verfechter des Modells Meister die Zukunft. Denn die alte Kommission, die den Meister kippen wollte, ist nicht mehr im Amt. Und die neue Kommission solle sich mal Gedanken machen, ob es nicht besser wäre, aus dem deutschen Meister einen Europameister zu machen, sagt Harry Brambach, Mitglied im Vorstand des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), vor allem aber Präsident des baden-württembergischen Kraftfahrzeuggewerbes und Vizepräsident des Baden-württembergischen Handwerkstages (BWHT).

"Deutschland liefert ein gutes Vorbild, wie ein florierender, qualitätsorientierter Wirtschaftszweig aufgebaut werden kann, der dazu noch eines der Kernprobleme anderer EU-Mitglieder verhindert: Jugendarbeitslosigkeit." Die deutsche Meisterprüfung werde weltweit als Bachelor anerkannt. "Das beweist doch unsere Qualität."

Handwerkstag will europaweit Bewusstsein für Verantwortung der Handwerker

Europaweit müsse das "Bewusstsein dafür ausgebaut werden, dass der Handwerker meistens eine Riesenverantwortung trägt", sagt Brambach und greift zur Verdeutlichung zum Beispiel Auto: "Bei Handwerkern macht es genau so viel Sinn, einen Kenntnisnachweis zu verlangen, wie bei Autofahrern, da sie mindestens genau so viel Verantwortung tragen.

Wenn Autofahrer europaweit erst nach der Führerscheinprüfung ans Lenkrad dürfen, dann ist eine Gesellen- oder Meisterprüfung bei Bauhandwerkern, Elektrikern, Installateuren oder im Kraftfahrzeug-Gewerbe sicher auch sinnvoll. Alles andere wäre lebensgefährlich. Bei mangelndem Fachwissen kann ein Airbag beispielsweise leicht zur Bombe werden."

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