Gießen: Irritierende Schilder am Hochwasserdamm in Allendorf

Eindeutiges Stoppsignal: Die neuen Hinweise am Hochwasserdamm sorgen für Verwirrung. Foto: Jung

Wer ist befugt und wer nicht? Diese Frage stellte sich vor einigen Tagen am Hochwasserdamm in Allendorf, nachdem über Nacht Schilder aufgestellt worden waren.

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. GIESSEN-ALLENDORF. Wer ist befugt und wer nicht? Diese Frage stellte sich vor einigen Tagen am Hochwasserdamm in Allendorf, nachdem dort über Nacht Schilder aufgestellt worden waren. Und die wiesen darauf hin, dass es sich um einen Betriebsweg handelt, der ausschließlich von Befugten benutzt werden darf.

"Darf ich mit meiner Amy nicht mehr drüber laufen?", fragte eine Allendorferin etwas verzweifelt in Facebook nach. Nicht nur sie nutzt den Weg auf der Dammkrone gerne zu Spaziergängen, der beliebte Weg ist auch Teil des Allendorfer Rundwanderwegs. Diese Zeitung fragte beim Betreiber des Hochwasserdamms, dem Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) nach. Der ZMW führt die Betriebs- und Geschäftsführung für den Wasserverband Kleebach aus. Vor fast zwei Jahrzehnten wurde der Hochwasserdamm am Kleebachdorf gebaut, zum Schutz vor Hochwasser der Anwohner.

"Bei dem Damm handelt es sich nicht um einen mit den Schutzbauwerken an den Meeren vergleichbaren Dämmen", teilt dazu ZMW-Geschäftsführer Karl-Heinz Schäfer mit. Es sei ein Betriebsbauwerk, dessen Nutzung grundsätzlich nur Befugten gestattet ist. Diese Regelung gilt bei allen Betriebsbauwerken und Betriebswegen, wie sie sich häufig neben Autobahnen und sonstigen Straßen befinden.

Aufgrund des Planfeststellungsbeschlusses handelt es sich um einen nichtöffentlichen Raum. Der Betreiber der Anlage verfügt über das Hausrecht. Dieses ist wie bei jedem anderen Grundstückseigentümer ausgestattet. Aufgrund des behördlichen Erlasses musste nun zwingend ein unmissverständlicher Hinweis erfolgen, dass kein öffentlicher Verkehrsraum vorliegt. Und deshalb wurden jüngst die Schilder angebracht. Der Geschäftsführer stellt klar: "Befugte sind Mitarbeiter des Wasserverbandes Kleebach und von diesem Beauftragte". Andere grundsätzlich nicht.

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In den vergangenen Jahren hätten sorgsame Spaziergänger keinen Anlass dazu gegeben, Platzverweise - die Möglichkeit dazu bestand - zu erteilen. "Ganz im Gegenteil, wir haben sie eher als "ehrenamtliche" Dammbeobachter und -schützer ansehen dürfen, die Fehlverhalten anderer oder Mängel gemeldet haben", freut sich Karl-Heinz Schäfer rückblickend. Und so soll diese Bewertung "auch bis zum Beweis des Gegenteils" aufrechterhalten bleiben. Andere Nutzungen mit Fahrzeugen jeglicher Art lässt die Beschaffenheit des Damms nicht zu, stellt er aber klar. Rot-weiß markierte Umlaufsperren und die neue Beschilderung sind die minimalinvasiven Möglichkeiten zum Schutz des Dammes. Andernfalls müsste mit hohem Aufwand eine Einzäunung des gesamten Dammverlaufes errichtet werden. Dazu Schäfer: "Dies kann niemand ernsthaft wollen".

"Zu hart, zu abschreckend"

Die Neuregelung leitete die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Gießen ein. Allendorfs Ortsvorsteher Thomas Euler äußerte sich nach den Einträgen bei Facebook und verweist auf den zwingenden unmissverständlichen Hinweis, dass der Weg über den Hochwasserdamm kein öffentlicher Verkehrsraum ist. "Das tun die Schilder zweifelsohne. Mir persönlich ist das aber zu hart und zu abschreckend!", schreibt er im sozialen Netzwerk.

Zum Verfahren merkt er an: "Es wäre schön gewesen, wenn das städtische Ordnungsamt den Allendorfer (von mir aus auch den Lützellindener) Ortsbeirat hier um eine Stellungnahme gebeten hätte. Dafür sind wir doch mit Ortskenntnis und klarem Menschenverstand da". Am Ende steht ein gutes Ergebnis: Die Spaziergänger dürfen weiterhin auf dem Dammkronenweg unterwegs sein und auch Amy und ihr Frauchen müssen sich keine andere Route suchen.