Ärzte tauschen ihre Instrumente

PALETTE Herbstkonzert des Florestan Quartetts
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Das Florestan Quartett und Sängerin Johanna Krell verzauberten die Besucher beim Herbstkonzert des Kunst- und Kulturkreises "Palette". (Fotos: Piplies)

120 Klassikfreunde waren in die evangelische Kirche nach Wommelshausen gekommen und belohnten die Darbietungen und reichlich Applaus.

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Die ambitionierten Laien-Instrumentalisten und die Mezzosopranistin begeisterten mit einem Streichquartett von Ludwig van Beethoven sowie Liedern von Haydn, Brahms und Schumann. Eigentlich gehören Skalpell und Stethoskop zu den Alltagswerkzeugen der Hobbymusiker. Doch die Mitglieder des Florestan-Ensembles tauschen seit 1995 regelmäßig ihre medizinischen gegen musikalische Instrumente aus. Zum Quartett gehören der Bad Endbacher Rheumaspezialist Ulrich Storck (Violine), der Gießener Psychotherapeut Nils Schüle (Violine), die Kinderärztin Barbara Göttsche-Roßkopf (Viola) aus Hanau sowie Neurologin Juliane Glüer (Violoncello) aus Andernach.

Schüle agierte diesmal nicht nur als virtuoser Geiger, sondern gab dem Publikum zudem noch Nachhilfe in Musik- und Komponistengeschichte. Beethoven erlebte die französische Revolution von 1789 als 19-Jähriger, so Schüle. Diese bürgerliche Bewegung habe bleibende Eindrücke auf den jungen Mann und seine Werke gehabt. War die Musik bis dahin "aristokratisch" und streng hierarchisch strukturiert, habe Beethoven eine "neue Art von Musik erfunden", erklärte Schüle.

n Zuhörer erfahren viel über die Hintergründe von Musik und Komponisten

Das Streichquartett Opus 59. 2, das die Mediziner mit viel Gefühl und Engagement in der Wommelshäuser Kirche spielten, sei bürgerlich-demokratisch und mit einen "Durcheinander" von Stimmen und Melodien gekennzeichnet. Dem Florestan-Ensemble gelang es jedoch mühelos, dieses "Durcheinander" zu zähmen und bravourös in saubere Notenfolgen umzuwandeln. Der lautstarke Applaus bewies eindrucksvoll, dass sich die Laien-Musiker nicht zu verstecken brauchen. Schließlich haben sie sich auch erfolgreich an diversen Wettbewerben beteiligt und nehmen häufig an der Amateur Chamber Music Week (Verbier) und an Kursen des Leipziger Streichquartetts für Laien teil.

Nach einer Konzertpause, in der der Kunstkreis Palette den Gästen Sekt und Orangensaft einschenkte und die Klassikfreunde genügend Zeit für eine Konversation über Kulturthemen hatten, folgte mit Johanna Krell der zweite Höhepunkt des Herbstkonzertes.

Die Mezzosopranistin ist über die Grenzen von Hessen hinaus bekannt und als Oratorien-Sängerin gefragt. In diesem Palette-Herbst-Konzert brillierte sie mit Liedern der "Ariadne auf Naxos", Liedern der Ophelia und fünf "Gesängen" von Robert Schuhmann. Das Florestan-Ensemble begleitete Krell souverän bei allen Stücken.

Die Zuhören dankten mit langem Applaus und ließen die Musiker erst nach einer Zugabe gehen. So gab es noch einen Choral von Bach auf den herbstlich-nebligen Nachhauseweg.


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