"Allround-Hotel wird den Kundenwünschen nicht mehr gerecht"

INDIVIDUALITÄT Veranstalter bieten für jeden Reisetyp das passende Konzept / Das Suchen nach Bewertungen im Internet ersparen

Die Familie im Mittelpunkt: Reiseveranstalter bieten verstärkt Ressorts an, die auf die jeweiligen Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnitten sind . (Foto: Thomas Cook/Mats Högberg)

Modern, hip, vernetzt: Der Trend zu durchgestylten Motivhotels ist ungebrochen. So wie auf diesem Bild kann das Design beispielhaft aussehen. (Animation: DER Touristik)

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Es geht um Kundenbindung in einem hart umkämpften Markt, erklärt Professor Volker Böttcher von der Hochschule Harz in Wernigerode. "Jeder behauptet, er kann das Gleiche wie der andere, nur noch ein bisschen besser", sagt der Tourismusexperte.

Hier erklären die wichtigsten Veranstalter, was Konzepthotels ihrer Meinung nach bringen:

- Tui: Sensimar, Puravida, Viverde oder Best Family heißen die Marken bei Deutschlands größtem Veranstalter. Die Zahl der Konzepthotels soll im Sommer auf mehr als 100 wachsen. Insgesamt gibt es in der Tui-Welt 21 Marken, doch auf lange Sicht sollen nur noch 8 übrig bleiben. "Wir versuchen, für die wichtigsten Zielgruppen Konzepte zu finden, die genau auf ihre Wünsche zugeschnitten sind", sagt Stefanie Schulze zur Wiesch, Marketing-Chefin bei Tui Deutschland. "Ein Allround-Hotel wird den Kundenwünschen nicht mehr gerecht."

Sensimar etwa ist auf Paare ohne Kinder ausgerichtet. Lärmenden Nachwuchs gibt es in diesen Hotels nicht, das Unterhaltungsprogramm ist dezent. Und bei Puravida ist vorgeschrieben, dass es einen ruhigeren und einen lebhafteren Pool geben muss.

"Früher dachten Hoteliers oft: Viel hilft viel. Das ist ein Trugschluss. So hat man von allem ein bisschen, aber nichts richtig", erläutert die Marketing-Expertin.

Nach Angaben von Schulze zur Wiesch liegt in den Konzepthotels des Veranstalters die Zahl der Wiederholer deutlich über dem Tui-Schnitt. Und die Häuser würden im Schnitt besser bewertet.

- Thomas Cook: Eine ähnlich hohe Wichtigkeit räumt Deutschlands zweitgrößter Veranstalter den Konzepthotels ein. 157 sind auf dem deutschen Markt buchbar. Bislang gibt es fünf Marken, von denen Sentido am längsten auf dem Markt und damit am erfolgreichsten ist. Die Hotels richten sich an "anspruchsvolle Paare", Alleinreisende oder kleine Familien. Sport-, Unterhaltungs- und Wellnessangebote sind wichtige Merkmale. Die anderen Marken heißen Smartline (Neckermann), Sunconnect, Sunprime und Sunwing.

Unterschiede von Hotel zu Hotel

"Wir bauen die Marken auf, damit der Kunde sie einmal kennenlernt und im nächsten Jahr wieder bucht", erklärt Andre Mühlemann, der bei Thomas Cook den Bereich Hotels & Resorts verantwortet. Dem Urlauber sollen durch die Marken übergreifende Qualitätsstandards garantiert werden.

Dass die Häuser angesichts des Massenmarktes, in dem sich nicht nur Thomas Cook bewegt, nicht zu individuell sein können, räumt auch Mühlemann indirekt ein: "Wir schicken immer sehr viele Menschen in den Urlaub." Trotzdem werden auch die Sentido-Hotels immer spezifischer. Hinter dem Label Sentido Adults zum Beispiel verbergen sich kleine Hotels mit maximal 79 Zimmern. Das Versprechen an die Gäste: Ruhe und eine "romantische Zeit zu zweit".

- Alltours: Vier Konzeptmarken bietet der Veranstalter aus Düsseldorf seinen Kunden: Die 22 Allsun-Hotels richten sich an Erwachsene, Familien sowie Sport- und Wellnessbegeisterte. "Wie sich diese Gruppen zusammensetzen, ist von Hotel zu Hotel sehr unterschiedlich", sagt Markus Daldrup, Geschäftsführer Touristik bei Alltours. "Wir haben Familien- aber auch Designhotels unter dieser Marke." Die Allsun-Häuser betreibt Alltours selbst.

Daneben gibt es noch die Marke Alltoura, die sich an junge Familien und "junggebliebene Gäste" richtet, sowie die Marke Holiday für Familien. Neu in diesem Sommer ist die Linie Sunline. "Mit diesem Konzept wollen wir höchsten Komfort zu günstigsten Preisen anbieten", verspricht Daldrup. "Mit einer Marke geben wir ein Qualitätsversprechen, das der Kunde einfordern kann, egal, ob er auf Mallorca oder Teneriffa Urlaub macht."

- DER Touristik: Beim drittgrößten Veranstalter Deutschlands betont man ebenso die Signalfunktion der Konzeptmarken: "Das gibt dem Kunden Sicherheit", sagt Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer bei der DER Touristik Köln. Dass dies vor allem eine Marketing-Maßnahme ist, räumt der Touristiker ein: "Wir bündeln Hotels, die ähnliche Leistungen anbieten, und geben ihnen eine begriffliche Klammer." Die Marke Lti bietet Gästen "Häuser mit gehobenem Standard", Primasol klassischen All-Inclusive-Urlaub für Familien, und Club Calimera typischen Cluburlaub. Sunshine Kids von ITS hat Familien Cluburlaub speziell für Kinder im Angebot. Mit Cooee ist nun ein neues und exklusives Motivhotel geplant, das die Bedürfnisse "Genießen und Entspannen" bedient und über kostenloses WiFi den Kontakt mit der Heimat sicherstellen soll.

Mit der neuen Konkurrenz durch Hotelportale im Internet ist die Strahlkraft der Hotelmarken womöglich sogar noch wichtiger geworden. Der Urlauber hole sich Tipps im Netz, sagt Rolf-Dieter Maltzahn. "Er sucht nach den goldenen Bewertungssternchen." Drei Stunden, vier Stunden. Das könne frustrieren. Mit den Konzepthotels hoffen die Veranstalter, den Gästen eine Einordnung zu geben. (dpa)


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