"Amt ist schwer beschädigt"

Luxus-Reise ins Armenviertel: Reformbewegung kritisiert Bischof
Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Zu beanstanden sei diese Buchung nicht, da die Reiseregeln der deutschen Bischofskonferenz eingehalten worden seien, teilte das Bistum mit. Auf Nachfrage erklärte die deutsche Bischofskonferenz gestern gegenüber dieser Zeitung, dass das Bundesreisekostengesetz für Bischöfe maßgeblich sei.

Laut Paragraf 4 dieses Gesetzes werden bei Flugreisen "die Kosten der niedrigsten Flugklasse erstattet." Diese wäre im Fall der Indienreise des Bischofs ein Economy-Ticket der Lufthansa gewesen. Bei der Lufthansa war ein solches Ticket gestern bei einer Probe-Buchung dieser Zeitung für 781 Euro zu erwerben – das hätte für die umstrittene Reise pro Person eine Ersparnis von 3358,88 Euro bedeutet. Das Gesetz erlaubt in der Tat in Ausnahmefällen eine Buchung in der nächst höheren Klasse – also Business – "wenn dienstliche Gründe dies im Einzelfall oder allgemein erfordern".

Entspannen

"auf höchsten Niveau"

reichte den Reisenden nicht

Eine Reise in der First Class sieht das Gesetz nicht vor. Als Begründung für die Reise in der Luxus-Klasse sagte das Bistum gestern: Ein erholsamer Flug sei "in der Regel nur in der höchsten Flugklasse zielführend möglich". Dort könnten die Sitze zu Ruheliegen umgebaut werden.

Dem widersprechen allerdings die Angaben der Lufthansa. Der Sitz in der Business-Class biete diese Möglichkeit sehr wohl: "Intuitiv bedienbar lässt er sich in ein 1,98 Meter langes Bett verwandeln, das mit der waagerechten Liegefläche in jeder Lage für entspannten Schlaf sorgt." Ein Upgrade in die First-Class wäre so aus den vom Bistum angegebenen Gründen der Erholung nicht nötig gewesen.

"Es ist unverständlich, wie unsensibel Bischof Tebartz-van Elst mit den Gedanken und Gefühlen der Katholiken in seinem Bistum umgeht", sagte Karl-Josef Schäfer, Sprecher der Reformbewegung "Wir sind Kirche" für das Bistum Limburg gestern. Schäfer sagte weiter: "Es ist nicht einsehbar, warum ein Bischof nach Indien in der ersten Klasse fliegen muss. Dabei spielt es keine Rolle, wer schlussendlich für das Upgrade gezahlt hat. Wasser zu predigen und Champagner zu trinken – das lässt Vergleiche mit den US-amerikanischen TV-Predigern aufkommen."

 


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