Auch mit Handicap dazugehören

Inklusives Leben fördern

UWE RÖNDIGS

Das Anliegen, das hinter diesem Begriff Inklusion steckt, ist wirklich neu: Ging es mit dem Gedanken der Integration darum, vom gesellschaftlichen Geschehen Ausgeschlossene in eine - wie auch immer geartete - Normalität zurückzuholen, so achtet die Inklusion jetzt darauf, dass jeder mit seiner Andersartigkeit einen Platz haben kann im unserer Gesellschaft. Inklusion beinhaltet die Vision einer Gesellschaft, in der alle Mitglieder in allen Bereichen selbstverständlich teilnehmen können und die Bedürfnisse aller Mitglieder ebenso selbstverständlich berücksichtigt werden. Inklusion bedeutet davon auszugehen, dass alle Menschen unterschiedlich sind und dass jede Person mitgestalten und mitbestimmen darf. Es soll nicht darum gehen, bestimmte Gruppen an die Gesellschaft anzupassen.

Das ist ein hoher Anspruch. In der Realität setzen sich Organisationen und Institutionen wie die Lebenshilfe, Diakonische Werke bis hin zu Schul- und Fördervereinen mit viel Engagement dafür ein, dass Inklusion kein spröder Begriff bleibt, sondern in den Alltag umgesetzt wird. Hier gibt es nach wie vor viel zu tun, auch in Mittelhessen!

Dieses Anliegen will die diesjährige "Helft-uns-helfen"-Aktion unterstützen. Bis zum Beginn der Weihnachtstage werden wir Sie in vielen Beiträgen mit Menschen bekannt machen, die über ihre Erfahrungen berichten, die ihren persönlichen Weg mit sehr unterschiedlichen Handicaps gefunden haben, die denen Mut machen, die noch um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen. Und wir werden von Menschen berichten, die dabei geholfen haben.

Mit der Aktion "Helft uns helfen", wenden wir uns wieder an Sie, liebe Leserinnen und Leser, einen kleinen oder größeren Beitrag zu diesem gemeinsamen Hilfsprojekt beizusteuern. Jeder von Ihnen kann dazu beitragen, dass der Gedanke und die Praxis der Inklusion in Mittelhessen einen richtigen Schritt vorankommen.

Ihr

Dr. Uwe Röndigs
(Chefredakteur)


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Kommentare (1)
Seit ein paar Tagen verfolge ich dieses Thema und es stößt mir jedes Mal etwas bitter auf, wenn ich lese, wie angeblich "sozial" einige Menschen, nebst Politiker eingestellt sind. Für mich sind das alles Lügenmärchen. mehr
Viel Gerede und nichts Wahres dran. Denn die Realität sieht anders aus. Beispiel: Unsere 20 jährige Tochter ist nicht so behindert, dass sie in einer Werkstatt arbeiten könnte,aber auch so behindert dass sie schwere Sachen nicht heben kann oder 8-9 Stunden am Stück stehen kann. Sie hat den Qualifizierten Hauptschulabschluss mit guter Note und ein Ausbildungsjahr als Kauffrau für Bürokommunikation, welches bei einer im Moment berühmten Firma aufgegeben musste, weiteren Kommentar erspare ich mir. Danach fand sich keine Firma die sie weiter ausbildete.
Der Versuch eine Ausbildungsstelle als Verkäuferin zu finden, scheitert wegen der Behinderung kläglich.
Als Bäckereifachverkäuferin kommt die Ausrede: Wenn sie die schweren Brotkörbe nicht tragen kann, geht das nicht.
Im Autoteilezubehörverkauf kommt die Ausrede: Ja wenn sie nicht die schweren Ölkanister tragen kann, geht das nicht.
Im Lebensmittelbereich: Wenn sie nicht die schweren Paletten heben kann, geht das nicht.
Da frage ich mich, was von den ach so sozial eingestellten Menschen denn noch übrig ist?
Die Ausbildungkosten wollte die Agentur für Arbeit sogar ganz bezahlen!
Kann man als Arbeitgeber einem behinderten Menschen nicht mal einen Brotkorb oder Paletten hinstellen, damit er die Sachen einräumen kann?
Muss ein behinderter Mensch denn unbedingt Ölkanister schleppen?
Kann man einem behinderten Menschen nicht mal mehr ein paar Sitzpausen eingestehen?
Selbst bei sozialen Einrichtungen, die Namen möchte ich nicht erwähnen, schlagen die Bewerbungen als Bürohilfe fehl.
Das soweit zum Thema Inklusion oder Integration! Wo sieht man denn im täglichen Leben behinderte Menschen arbeiten? Nur in Werkstätten oder bestimmten Einrichtungen.
Wegsperren finde ich das! Ich würde mich freuen, wenn ein behinderter Mensch mich bedienen würde. Ich wäre sogar stolz darauf und würde denken: Siehste, geht doch!
umal diese meist freundlicher sind als nicht Behinderte.
Aber davon sind wir noch weit,weit entfernt.
Schade.
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