Der erste Schritt auf einem langen Weg

VON BENJAMIN HOFMANN

Dass der ehemalige Stuttgarter und Wolfsburger erst sein Karriereende abwartete, ist richtig. Denn ein Fußballstadion ist im Endeffekt nichts anderes als ein Querschnitt der Gesellschaft. Und in dieser liegt nach wie vor eine latente Homophobie vor - dafür ist die Tatsache, dass sich bis heute kein einziger aktueller Profi geoutet hat, Beweis genug. Und das gewaltige Medienecho ebenso.

Hitzlspergers Schritt ist aus Sicht des neutralen Beobachters aber auch mehr als überfällig. Wir prangern gerne andere Kulturen dafür an, dass sie Homosexualität verurteilen. Islamisch-fundamentalistische Staaten zum Beispiel oder Russland, wo die anstehenden Olympischen Winterspiele in Sotschi eine Nagelprobe für Politik und Gesellschaft sein werden hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Toleranz. Ob nun die deutsche Gesellschaft respektive ein Bundesliga-Stadion rücksichtsvoll und vor allem intelligent genug sind, einen Aktiven, der sich outet, nicht anzufeinden? Ich weiß es nicht. Auch Farbige müssen sich - auch wenn es weniger geworden ist - heute noch dumme Sprüche anhören. Auf dem Sportplatz. In der U-Bahn. Überall.

Mut macht ein Teil der Anhängerschaft. Viele Vereine haben seit Jahren schwul-lesbische Fanclubs wie die Stuttgarter Junxx (VfB), die Hertha-Junxx (Berlin) oder die Wildpark-Junxx (Karlsruher SC).

Es ist gut, dass "Hitz" viele Schulterklopfer aus der Riege der Funktionäre, der Politik und von einstigen Weggefährten wie Lukas Podolski oder Arne Friedrich bekommt.

Doch der Kampf gegen Homophobie im Fußball ist erst gewonnen, wenn sich der erste Aktive outet und sich kein Stadionbesucher zu einer tumben Bemerkung hinreißen lässt. Wie lange dieser Weg sein kann, zeigt die Debatte um Rassismus im Fußball.


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Kommentare (1)
Auch ich zolle Thomas Hitzlsperger meinen Respekt.
Trotzdem stelle ich mir die Frage, was die sexuelle Ausrichtung eines Menschen mit seiner Teilnahme am Fußballsport zu tun hat.
Die Sexualität spielt ohnehin in mehr
unserer Gesellschaft eine viel zu große Rolle.
Mir als Fußballer war es völlig egal, wie mein Mitspieler sexuell ausgerichtet war, ob er auf Frauen oder auf Männer stand oder ob er vielleicht auch überhaupt kein Sexleben hatte. Ich habe mir auch nie Gedanken über das Geschlechtsleben des Teamkameraden gemacht, mir waren andere Dinge wichtig. Mir war wichtig, dass er mir ein guter Mitspieler war, dass er sich für einen gemeinsamen Erfolg engagiert hat.

Schorsch Horz
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