Dioxin-Fund: Puttrich soll einschreiten

WOOLREC Gift unter Grenzwert

Das Regierungspräsidium (RP) Gießen versuchte am Donnerstag mit E-Mails die aufgebrachte Bevölkerung im Braunfelser Stadtteil Tiefenbach zu beruhigen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, waren Gutachter im Auftrag der Staatsanwaltschaft Limburg in der Werkshalle und der Filteranlage der Recycling-Firma auf erhebliche Schadstoffe gestoßen, allen voran auf das hochgefährliche Seveso-Gift Dioxin. Wie viel davon nach außen gelangt ist, ist weiter offen.

Am Donnerstag aus dem RP der Versuch einer Entwarnung: Die Schadstoffwerte lägen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten.

Die Staatsanwaltschaft beeindruckt das wenig, sie hat weitere Bodenuntersuchungen rund um die Firmenhalle veranlasst. "Wir können erst dann fundiert über Grenzwerte reden, wenn wir wissen, was die Bodenproben ergeben", sagte Staatsanwalt Joachim Herrchen. Nicht auszuschließen sei, dass die Schadstoffbelastung außerhalb des Gebäudes durch Umwelteinflüsse höher ausfällt. Für die Ermittler stehe weiter der Straftatbestand der Luft- und Bodenverunreinigung im Raum.

Nachdem Anwohner sowie Politiker von SPD und Grünen Untersuchungen auf Dioxine im angrenzenden Wohngebiet gefordert hatten, ordnete das RP am Donnerstag Proben-Entnahmen in Nutzgärten an, die im Hessischen Landeslabor untersucht werden. Erste Ergebnisse sollen nächste Woche vorliegen. Weitere Bodenproben sollen folgen. Die Bürger würden über jeden Schritt informiert, kündigte Regierungspräsident Witteck an.

SPD-Politiker will "personelle Verwebungen" der Aufsicht ausschließen

Für den Fachsprecher der SPD-Landtagsfraktion, Tobias Eckert, wie auch für die Wetzlarer Grünen-Landtagsabgeordnete Mürvet Öztürk ist es an Umweltministerin Puttrich, Klarheit zu schaffen. Eckert: "Die Ministerin muss das Thema zur Chefsache machen, um personelle Verwebungen zwischen Aufsicht und Woolrec auszuschließen." Öztürk forderte schleunigst eine Informationsveranstaltung für die Bürger, "in der das Ministerium deutliche Aussagen zu den Gefahren macht".

Dass Puttrich den Fall Woolrec an sich zieht, schloss ein Ministeriumssprecher aus. RP Gießen bleibe zuständig, das Ministerium behalte die Fachaufsicht.


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Kommentare (7)
Was muss eigentlich noch passieren bis dem Geschäftsführer die Zuverlässigkeit zum Führen eine genehmigungsbedürftigen BImSchG-Betriebes aberkannt wird? Gefälschte Produktionsbedingungen, gefälschte Gutachten, mehr
Vertuschung von Bauschäden, Weigerung die von ihm verursachte Schäden zu regulieren, Verursachung eines Dioxinskandals...

Ich glaub ich mach jetzt eine Umschulung zum Recycler, dann kann ich tun und lassen was ich will und der Behörde eine lange Nase zeigen. Das wird ein Spaß!

§ 20 BImSchG: Die zuständige Behörde kann den weiteren Betrieb einer genehmigungsbedürftigen Anlage durch den Betreiber oder einen mit der Leitung des Betriebs Beauftragten untersagen, wenn Tatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigkeit dieser Personen in Bezug auf die Einhaltung von Rechtsvorschriften zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen dartun, und die Untersagung zum Wohl der Allgemeinheit geboten ist.
Wir haben schon vor Jahren das RP Gießen gebeten, bei Woolrec auf weitere Giftstoffe zu untersuchen. Was haben wir für arrogante Antworten bekommen!
Da wurde dann gesagt, das seien doch "nur" Fasern, sonst nichts. mehr
Haben die die ekligen Müllberge bei Woolrec nicht sehen wollen?
Es macht mich wütend, wenn ich daran denke, daß wir über 10 Jahre dieser Gift-Anlage ausgesetzt waren und die Behörde hat so getan, als wäre alles in Ordnung.
Die Grenzwerte gelten nicht für Rasen oder ein Betrieb...es ist leider viel komplizierter.
Jeder Raucher produziert Dioxin, durchaus in kritischen Bereichen.

Da dort nichts verbrannt wird, ist die Wahrscheinlichkeit , mehr
daß in der Produktion Dioxin entsteht sehr gering...
Was fantasiert denn RP Gießen schon wieder? Dioxinwerte seien unter dem Grenzwert? Na klar, wenn man einen unpassenden von den vielen Grenzwerten nimmt, dann scheint alles harmlos. Wir vertrauen dem RP Gießen nicht mehr
mehr, wir wollen UNABHÄNGIGE Untersuchungen und Bewertungen!
Lieber Herr Witteck,

Sie versprechen jetzt in einer email an die "lieben Bürger von Tiefenbach" "schonungslose Transparenz". Wie witzig.

Ich persönlich fände "brutalstmögliche Aufklärung" noch besser, das ist ja in mehr
Hessen seit einem Jahrzeht sozusagen ein feststehender Begriff.

Aber warum beim Superlativ bleiben wenn es auch den Hyperlativ gibt. Wie wäre es künftig mit Begriffen wie:

"selbstzerfleischende Bußfertigkeit"
"maximale Rücktrittsintensivität"
"übermenschlich ehrlichstes Geständnis"
"auspeitschendste Reue"

Nur so als Vorschlag.
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