"Es ist in allen Stellwerken so wie in Mainz"

BAHN Ein Fahrdienstleiter berichtet von fehlendem Urlaub, Überstunden und Mammutschichten

Fahrdienstleiter sind bei der Bahn das, was die Fluglotsen im Luftverkehr sind. Machen sie Fehler, können Menschen sterben. Und doch: Auch in den Stellwerken spart die Bahn offenbar Geld, besetzt freie Stellen nicht nach und bildet nicht genug aus. Dafür häufen sich die Überstunden. Unser Foto zeigt einen Blick ins alte Stellwerk am Hauptbahnhof Frankfurt.

Was haben Sie gedacht, als Sie zum ersten Mal Berichte über die Zustände am Mainzer Hauptbahnhof gesehen haben?

Dass das nichts Neues ist. Das ist in allen Stellwerken in Deutschland so. Das Problem ist hausgemacht, es ist selbstverschuldet und es ist von der Bahn so gewollt. Ich weiß von einer Mail an meinen Chef. Darin heißt es: "Deckt so viele Schichten mit so wenig Personal wie möglich ab." Dafür gibt es am Ende des Jahres einen Bonus.

Mit wenig Personal viel leisten - wie sieht das in Ihrem Job aus?

In den letzten Jahren sind bei uns an der Strecke fast zehn Kollegen weggefallen und keiner ist nachgekommen. Ausgebildet wird jetzt erst. Ich habe im gesamten letzten Jahr unter zehn freie Wochenenden gehabt. Ich habe voriges Jahr mal über 20 Schichten in Folge gehabt. Das ist überhaupt nicht zulässig. Da stand ich mit einem Bein im Knast, denn so was darf ich nicht. Aber es wird angeordnet und dann muss ich es machen. Wir werden komplett verheizt. Wir müssten Ruhephasen einhalten, dadurch, dass wir im Schichtdienst sind. Die werden ja angeordnet, weil der Körper Ruhe braucht. Das ist bei uns nicht mehr gegeben. Die Ruhephasen werden kürzer, die Leute müssen an ihren Ruhetagen arbeiten.

Können Sie sich dagegen in irgendeiner Art zur Wehr setzen?

Ein Kollege von mir hat das mal gemacht und gesagt: Ich mache diese Schicht nicht. Dann ist der Chef nach Hause gekommen und hat gesagt: Du musst.

Das vollständige Interview und weitere Informationen zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe Ihrer Heimatzeitung (Samstag, 17. August).


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Kommentare (1)
Ähnlich ist auch der Tenor dieses Artikels, indem ein Fahrdienstleister anonym berichtet: http://www.zeit.de/reisen/2013-08/beruf-fahrdienstleiter
Bei Lokführern haben Streiks ja geholfen. Es wird wohl Zeit, dass auch mehr
die Fahrdienstleister etwas tun!
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