Investor für Krofdorfer Pflegeheim kann weiterplanen

VERTRAUENSVORSCHUSS Gemeindevertretung ändert Bebauungsplan für die obere Hauptstraße

Im Beisein der meisten betoffenen Anlieger stimmten lediglich die vier Vertreter der Freien Wähler (FW) gegen die Änderung des Bebauungsplans Obere Hauptstraße.

Vorausgegangen war dem Beschluss eine intensive Diskussion um das Für und Wider des Projekts. FW-Gemeindevertreter Karl Fiedler schlug sich für seine Fraktion auf die Seite der Anlieger. Die auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Moos geplante private Einrichtung passe nicht in die Umgebung und sei zu groß dimensioniert. Der Bedarf an zusätzlichen Pflegebetten in Wettenberg werde "schöngerechnet" und die Gemeinde befriedige mit ihren Planungen ausschließlich die Gewinnmaximierungs-Interessen des Grundstücksbesitzers. Zudem habe Bürgermeister Thomas Brunner (SPD) das Parlament faktisch vor vollendete Tatsachen gestellt.

Dem widersprach Brunner energisch. Es gebe schon jetzt in der Gemeinde einen Bedarf von - je nach Berechnungsgrundlage - 52 bis 93 zusätzlichen Pflegebetten. Angesichts der Überalterung der Gesellschaft werde er weiter steigen. Das geplante Haus soll 95 Plätze haben. Hinzu kommt ein zweiter Baukörper im hinteren Grundstücksteil mit 11 bis 14 seniorengerechten Wohnungen.

n "Sonderopfer der Anlieger"

Redner von SPD, CDU und Grünen unterstützten die Ausführungen des Bürgermeisters. Der Sozialdemokrat Ulrich Ellinghaus sprach von einem "Sonderopfer der Anlieger". Dieses werde allerdings durch den "Glücksfall" mehr als aufgewogen, dass die im künftigen Pflegeheim untergebrachten Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben könnten. Heide Simonis (SPD), als Physiotherapeutin ganz nah dran an den Betroffenen, berichtete, dass viele Senioren dringend auf das Pflegeheim warteten. "In ihren Köpfen ist es schon fast gebaut", sagte sie. Zudem biete es auch jungen Familien in den rasch wachsenden Neubaugebieten eine Perspektive. Denn die könnten so  später einmal ihre Eltern in ihre Nähe holen.

Grünen-Vertreterin Hannelore Weise nannte die geplante Einrichtung einen "Mehr-Wert" und fügte hinzu: "Wir tun in dieser Gemeinde viel für die Kinder. Aber wir müssen uns auch um die Senioren kümmern."

CDU-Fraktionschef Gerhard Noeske  betonte, er habe in der Angelegenheit ein "zwiespältiges Gefühl". Einerseits unterstützten die Christdemokraten ein Pflegeheim mitten im Dorf und nicht auf der grünen Wiese. Andererseits sähen sie die Bedenken der Anlieger und hofften, dass der Baukörper kleinteilig werde und so in die dörfliche Struktur der Umgebung passe. In diesem Sinne gebe das Parlament  dem Investor einen Vertrauensvorschuss.


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