Kein Opium fürs Volk seit 90 Jahren

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Bis Mitte der 60er Jahre. Dann führt die USA Krieg in Vietnam (Foto), die Jugend der westlichen Welt protestiert, deutsche Nachkriegskinder rebellieren gegen die Eltern und Studenten gegen den "Muff von 1000 Jahren unter den Talaren". Mit Flower-Power und Rock-Musik kommen die Hippie-Drogen aus Amerika nach Europa. Die Zahl der Verstöße gegen das Opiumgesetz in Deutschland explodiert.

15 Jahre ins Gefängnis

Der Staat reagiert, aus dem alten Opium- wird 1972 das neue Betäubungsmittelgesetz (BtMG), das den legalen Handel (für Forschung und Medizin) kontrollieren und den illegalen unterdrücken soll. Die Höchststrafe bei Verstoß beträgt zehn Jahre.

Trotzdem: Die Zahl der Verurteilten und Drogentoten steigt rasant, neue (gesetzliche) Ideen müssen her. Eine heißt "Therapie statt Strafe", um Süchtige zu entkriminalisieren. Gleichzeitig wird die Höchststrafe für schwere Rauschgiftkriminalität auf 15 Jahre angehoben und der Katalog verbotener Substanzen neu aufgelegt (1982). Die Zahl der Drogendelikte steigt weiter, auf dem Höhepunkt der Techno-Welle (Foto: Ecstasy als Aufputschmittel) Ende der 90er Jahren sind es erstmals über 200 000 im Jahr.

Derweil erklärt das Bundesverfassungsgericht 1994, dass der Kauf geringer Mengen Cannabis für den Eigenbedarf nicht angeklagt werden muss. 1998 wird das Fahren unter dem Einfluss berauschender Mittel zur Ordnungswidrigkeit.

In den Folgejahren werden ständig neue Regeln ins BtMG aufgenommen, zu Geldwäsche, Bandenkriminalität, Kronzeugen, Methadon, den "Fixerstuben", in denen sich Süchtige mitgebrachte harte Drogen spritzen können, und vielem mehr. Und die Listen mit den verbotenen Substanzen werden immer länger, weil ständig neue Drogen in Umlauf kommen. Der Staat versucht, Schritt zu halten. Ob und wie ihm das per Gesetz gelingen kann, wird zur Zeit noch diskutiert (siehe Interview). (Fotos: Archiv)


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