Marburg ist nicht Miami

Teil 4: Was macht eigentlich ein Drogenfahnder im Landkreis?
Auf Drogen und Waffen spezialisiert ist dieser Hund, der an der deutsch-dänischen Grenze Dienst tut. Wer Drogen über die Grenze nach Deutschland bringt, macht sich auf jeden Fall strafbar. Selbst wenn jemand nur geringe Mengen für den Eigenbedarf an den Behörden vorbei "importiert", fällt das unter Einfuhrkriminalität. (Foto: Marks/dpa)

Drogen werden beschlagnahmt und gehen nach Wiesbaden ins LKA-Labor

Alle Drogen, die die Polizei im Landkreis findet, werden stattdessen beschlagnahmt und zum Landeskriminalamt nach Wiesbaden geschickt. Das dortige Labor untersucht die Substanz. Vom Ergebnis hängen die Konsequenzen für denjenigen ab, dem die Polizei den Stoff abgenommen hat.

Ausschlaggebend dafür, ob es bei einer Ordnungswidrigkeit bleibt oder ob die Polizei weiter ermittelt und der Fall beim Staatsanwalt landet, ist die Wirkstoff-Art und Konzentration in der Droge – und die ist von Stoff zu Stoff unterschiedlich. "Wenn wir zum Beispiel zwei gleich große Beutel mit Haschisch finden, kann der eine eine nicht geringe Menge enthalten, weil der Stoff von schlechter Qualität und gestreckt ist", erklärt der Marburger Hauptkommissar, "im anderen Beutel kann die Qualität besser sein und die geringe Menge überschreiten".

Ist das der Fall, geht er als Drogendelikt in die Kriminalstatistik ein. Knapp 600 solcher Delikte (rund fünf Prozent aller Straftaten im Kreis) landeten 2011 auf den Schreibtischen des Kommissariats 34. Dort verbringen die Sachbearbeiter ihre meiste Zeit.

An manchen Fällen arbeiten zehn Beamte ein ganzes Jahr lang

"Ein Ermittlungsverfahren ist ein überwiegend schriftliches Verfahren", erklärt Rainer Emmerich den Büro-Teil des Jobs, alle Ermittlungsschritte und -ergebnisse müssen schriftlich festgehalten werden. Und: Jeder Fall ist anders, die Statistik spiegelt nicht das Arbeitsaufkommen wieder. "Manche Akten haben drei Seiten und die Ermittlungen sind schnell erledigt, an anderen arbeiten zehn Leute ein ganzes Jahr, und die Akte ist zehn Leitz-Ordner dick".

Natürlich gibt es auch für die Marburger die Arbeit außerhalb des Büros, operative Maßnahmen, Kontrollen, Ermittlungen, offen und verdeckt – auch wenn es im Landkreis keine harte Drogenszene gibt, "es gibt Dealer und es gibt Konsumenten, aber nicht genug, um so viel verkaufen zu können, dass ein Brennpunkt entsteht", sagt Emmerich, "dafür sind wir hier auf dem Land".

Das K34 in Marburg hat hauptsächlich mit Haschisch und Marihuana zu tun. Dazu kommen Heroin und Kokain, auch Ecstasy, hierher gebracht aus deutschen Großstädten oder aus Holland. Aktuell beschäftigen die Ermittler auch die so genannten Kräutermischungen. Weil sie juristisch grenzwertig sind – nicht alle Substanzen sind vom Gesetz erfasst und verboten – fallen sie nicht immer in die Zuständigkeit der Kripo. Gefährlich sind sie trotzdem, "wir hatten schon Jugendliche, die deshalb auf der Intensivstation behandelt werden mussten", sagt Emmerich. Die Mischungen gibt es im Internet oder auch in Marburger Läden. Kriegt die Polizei Wind davon, macht sie auf jeden Fall Meldung bei der Gewerbeaufsicht. Die Behörde kann dem Ladenbesitzer die Gewerbeerlaubnis entziehen, auch wenn er keine illegalen Drogen, sondern Substanzen frei verkauft, die "nur" unter das Arzneimittelgesetz fallen. "Das ist auch in Marburg schon passiert."

Natürlich habe die Polizei keine Absicht, jemanden zu kriminalisieren. "Wir wissen auch, dass ein Junkie nicht Gegner der Polizei, sondern ein armer Kerl ist, der krank ist", sagt Rainer Emmerich. So jemand verkaufe Drogen, um seine Sucht zu finanzieren. "Da sind wir auch Sozialarbeiter, vermitteln Heroinabhängige, die aufhören wollen, weiter, an Stellen, an denen ihnen geholfen wird." Das sei im ureigensten Interesse der Polizei, sagt Emmerich: "Weniger Süchtige bedeutet weniger Kriminelle und weniger Arbeit für uns."

Kein Verständnis haben die Marburger Kommissare für Dealer, die selbst nicht konsumieren und nicht süchtig, stattdessen aber "geschäftstüchtig" sind. Emmerich: "Es kann ja nicht sein, dass einer mit Drogen handelt, an denen Menschen zu Grunde gehen, nur um Geld zu verdienen."


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