Mehr engagieren oder die Reißleine ziehen

Standpunkt

VON CHRISTIAN RÖDER

Natürlich macht das was! Wenn Person X noch nicht einmal den Namen von Vereinsmitglied Y weiß und denjenigen dennoch - nur aus der Not heraus - sogar zum Vorsitzenden vorschlägt, dann läuft wirklich etwas grundlegend falsch.

Landrat Wolfgang Schuster bricht in vielen seiner Reden eine Lanze für das Ehrenamt, etwa im Vorstand eines Vereins. Schuster weist dann darauf hin, dass in Deutschland überdurchschnittlich viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit erbracht würden. Sicherlich ist das richtig und wichtig, allerdings sind es zumeist dieselben handelnden Personen. Als sich ein ähnliches Dilemma beim Herborner ADFC-Ortsverband anbahnte, war es Gerd Ortmann, der in die Bresche sprang - sogar zweimal. Man sah ihm am Dienstag an, dass er wirklich mit sich rang, den Posten des Vorsitzenden auch nur kommissarisch weiterzuführen. Mehrmals verlies er den Raum, während die anderen Mitglieder mal hoffnungsvollen, mal vorwurfsvollen Blickes einen "Neuen" suchten - und ihn nicht fanden.

In den letzten Minuten der Versammlung war es dann einmal mehr Ortmann, der nach den passenden Schlussworten suchte - und sie auch fand: "Ich lasse niemanden im Regen stehen."

Ich habe innerhalb von zwei Jahren drei Beinahe-Auflösungen von gar nicht mal kleinen Vereinen miterleben "müssen". Immer waren es die "alten Hasen", die letztendlich doch dafür sorgten, dass es irgendwie weiterging. Das ist kein Vorwurf an die "Jungen", als vielmehr ein Appell an die wirklich effektiven Mitglieder eines Vereins, sich mehr zu engagieren - aber auch manchmal, wenn es wirklich nicht anders geht und die Vereinsarbeit nur noch ein Krampf zu sein scheint, konsequent die Reißleine zu ziehen.


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