Moschee ohne Minarett und Kuppel

ISLAM Heute wird in Marburg Grundstein für Kulturzentrum mit Gotteshaus gelegt

Schlicht und funktional soll der neue Bau der Islamischen Gemeinde in Marburg werden. (Grafik: Gesamtplanungsbüro)

"Es gibt keine Ausreden mehr nicht anzufangen", sagt Dr. Bilal Farouk El-Zayat, der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Marburg. Nach einem jahrelangen "intensiven und konstruktiven Dialog" mit den Beteiligten des "Runden Tisches Integration" der Stadt Marburg könne das Vorhaben nun umgesetzt werden.

Seit 1986 befindet sich deren "Omar-Ibn-Al-Khattab"-Moschee in einem Fachwerkhaus im Marbacher Weg, das zu klein geworden ist und an dem vor allem die Parkplatzsituation Probleme bereitet. Menschen aus rund 40 Nationen treffen sich dort regelmäßig.

"Es ist uns ganz wichtig, dass islamische Mitbürgerinnen und Mitbürger ihre Religion in unserer Stadt ausüben können - unter anderen qualitativen Bedingungen, als es bisher möglich war", hatte Egon Vaupel (SPD) bei der Vorstellung der Pläne für eine neue Moschee im Juli 2010 erklärt. Das sehen offenbar nicht alle Marburger so: Der Oberbürgermeister wurde in den vergangenen Wochen von Moscheebaugegnern auf anonymen Flugblättern massiv diffamiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen übler Nachrede und Verleumdung.

Ansonsten sei der Rückhalt in Marburg aber groß, sagt Bilal El-Zayat: "Wir haben eine breite Akzeptanz." Die zeigt sich auch in der Gründung eines Fördervereins, in dem Angehörige aller Parteien vertreten sind.

Man habe viel geschafft in den letzten Jahren, so El-Zayat. Die Gemeinde ist bemüht, sich offen und transparent zu zeigen. Die Moschee ist an der Dialogarbeit mit anderen Religionen engagiert, Interessierte werden zum "Tee in der Moschee" oder zum bundesweiten "Tag der offenen Moschee" an jedem 3. Oktober eingeladen. Die Gelegenheit der Begegnung sei von immer mehr Menschen wahrgenommen worden, vor allem auch von immer mehr Älteren, erläutert der Vorsitzende der Gemeinde.

n 1,8 Millionen Euro Baukosten werden durch Spenden finanziert

Die neue Moschee soll nun ein "würdiges und ansprechendes Haus" zur Ausübung ihrer Religion werden, aber auch ein "Forum zum gegenseitigen Kennenlernen und zum fruchtbaren Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft", so die Islamische Gemeinde. Es wird kein Minarett geben und keine Kuppel - man wollte den Bau von Anfang an "schlicht, einladend und funktional" halten.

Auf den vier Geschossen wird sich künftig nicht nur die Moschee befinden, sondern unter anderem auch Räume für Vorträge, eine Bibliothek, eine Caféteria und einen Feinkostladen sowie Apartments - für Muslime ebenso wie für Nicht-Muslime. Das Ganze kostet rund 1,8 Millionen Euro. Der Bau wird durch Spenden finanziert - für rund ein Drittel der Summe liegen laut Bilal El-Zayat bislang Zusagen vor. Der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde rechnet mit einer Bauzeit von etwa zwei Jahren. Heute findet zunächst einmal die Grundsteinlegung für das Kultur- und Bildungszentrum mit Moschee statt. Um 15.30 Uhr lädt die Islamische Gemeinde dazu ein, im Anschluss gibt es einen Empfang.


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