NSA-Debatte ist zu hysterisch

Von Mika Beuster

Sicher - eine provokante Frage. Aber ist sie weit von der Wirklichkeit entfernt? Was dürfen Geheimdienste und Polizei? Diese Regeln werden zurzeit politisch verhandelt. Das Spannungsfeld zwischen den beiden Polen Freiheit und Sicherheit ist mit der Debatte um den ehemaligen NSA-Spion Edward Snowden wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Viele Menschen fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, dass Geheimdienste weltweit - bestimmt nicht nur die amerikanischen - automatisiert Daten abgreifen. Womöglich sind auch die eigenen dabei?

Überraschend ist aber bei all der Aufregung um die NSA-Affäre, wie unsensibel viele Verbraucher mit ihren persönlichen Daten umgehen. Viele Menschen treibt zwar eine diffuse Angst um, ganze Heerscharen von Spionen in den USA würden den ganzen Tag nichts anderes machen, als private E-Mails aus Hessen zu lesen. Denselben Menschen macht es aber offensichtlich nichts aus, für ein paar Cent Rabatt privaten Firmen ihren ganzen persönlichen Datenschatz preiszugeben, in dem sie überall Kundenkarten einsetzen. Was mit diesen Daten geschieht, ist derweil völlig intransparent - es gibt kein parlamentarisches Kontrollgremium, keinen Edward Snowden, noch nicht einmal eine Ahnung, wofür diese Daten verwendet werden und wo sie lagern. Zur Terrorabwehr, zum Schutz von Unschuldigen werden Rabattkarten wohl sicher nicht genutzt, dennoch trauen viele diesen Firmen mehr als ihren gewählten Regierungen.

Was aber, wenn sich die Krankenkasse dafür interessiert, dass Herr Müller viel Alkohol kauft in letzter Zeit? Oder eine Kfz-Haftpflicht dafür, dass Frau Schmidt viel mehr Benzin tankt, als es den 10 000 Kilometern entspricht, die sie in ihrem Vertrag als Jahresleistung angegeben hat?

Während viele Verbraucher im privaten Bereich sorglos mit den Daten umgehen, werfen sie dem Staat Missbrauch vor. Anders als private Firmen, die mit den gesammelten Daten vor allem Profit machen wollen, hat der Staat eine Schutzpflicht. Auch eine Demokratie braucht Geheimdienste. Die Gegner der Freiheit arbeiten im Verborgenen, sie halten sich nicht an Datenschutzregeln. Anstatt eine hysterische Debatte zu führen, die Geheimdienstarbeit pauschal verteufelt, wäre eine nüchterne Analyse nötig: Wie kontrollieren wir die Dienste, die zwangsläufig im Geheimen arbeiten müssen? Wie überwachen wir die, die gegen die Freiheit sind, ohne unsere eigenen Freiheiten aufzugeben oder zu verraten? Anders gesagt: Wo liegt für uns Deutsche der Kompromiss zwischen den beiden Polen Freiheit und Sicherheit? Eine wichtige Frage. Denn das eine ist ohne das andere nichts wert.


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Kommentare (1)
Sehr geehrter Herr Beuster,

es ist zweifellos richtig, dass viele Menschen ihre persönlichen Daten sorglos bei facebook oder für Kundenkarten hergeben. Aber: bei sowas habe ich als Bürger die Möglichkeit zu mehr
entscheiden, welche Daten von mir ich wem offenbaren will. Und genau diese Möglichkeit habe ich bei der NSA-Spionage nicht.

Und es fragt ja auch zurecht keiner danach, wieviele Terroranschläge die Stasi verhindert hat...
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