Nach Attacke auf Muslime Täter identifiziert

Psychische Probleme
Khan am Tatort
Sadiq Khan und Labourchef Jeremy Corbyn nahmen am Fastenbrechen in der Gemeinde teil. Foto: Victoria Jones
Verladung
Forensiker verladen den Minivan, mit dem ein Mann in die Menschenmenge nahe einer Moschee gerast war. Foto: Frank Augstein
Betende Anwohner
Anwohner beten nach dem Anschlag im Londoner Stadtteil Finsbury Park. Foto: Yui Mok
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Der vierfache Familienvater soll nach Angaben seiner Mutter unter psychischen Problemen gelitten haben. Scotland Yard wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

Der Mann war in der Nacht zum Montag mit einem gemieteten Lieferwagen in eine Menschenmenge nahe einer Moschee in Finsbury Park im Norden der Hauptstadt gerast. Sieben Verletzte lagen am Dienstag noch in Krankenhäusern, drei von ihnen im kritischen Zustand.

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Seine Mutter sagte dem britischen Fernsehsender ITV: «Mein Sohn ist kein Terrorist.» Er sei wegen psychischer Probleme in medizinischer Behandlung gewesen. Sie bezeichnete ihren Sohn als «komplexe Person». In einer Stellungnahme der Familie sagte ein Neffe: «Er ist offenbar einfach verrückt.» Einige Nachbarn bezeichneten ihn als freundlichen Familienvater, anderen Schilderungen zufolge lebte er zuletzt getrennt von seiner Familie in einem Zelt.

Nach einem Bericht des «Telegraph» soll sich der Mann seit einigen Wochen zunehmend negativ über Muslime geäußert haben. So habe er einen zwölfjährigen Asiaten aus der Nachbarschaft beleidigt und sei am Tag vor der Attacke wegen ausländerfeindlicher Äußerungen aus einer Kneipe geflogen. «Er ist laut und aggressiv», zitierte die Zeitung einen Besucher des Pubs in Cardiff, der Hauptstadt von Wales.

Londons Bürgermeister Sadiq Khan setzte in der Nacht zum Dienstag beim abendlichen Fastenbrechen mit Muslimen ein demonstratives Zeichen gegen Hass und Gewalt. «London steht weiterhin zusammen», schrieb Khan nach dem Treffen mit Mitgliedern der betroffenen Moschee-Gemeinde auf Twitter. Es habe ihn bewegt, wie Londoner unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Herkunft zusammengekommen seien, «um geeint zu stehen gegen jene, die uns spalten wollen».

Auf Fotos war Khan zusammen mit dem Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn und Mitgliedern der muslimischen Gemeinde beim Iftar zu sehen - dem festlichen Fastenbrechen. Die Moschee liegt in Corbyns Wahlkreis.

Bei der Attacke waren mehrere Mitglieder der Gemeinde verletzt worden. Der Fahrer steht nach Polizeiangaben unter Terrorverdacht. Die Bluttat sei «ganz klar eine Attacke auf Muslime» gewesen, sagte Polizeichefin Cressida Dick. Premierministerin Theresa May sagte, die «Terrorattacke» habe das Ziel verfolgt, die Gesellschaft zu spalten.

Die Muslime waren während des Fastenmonats Ramadan nach dem Ende eines Gebets auf die Straße getreten. Augenzeugen zufolge rief der 47-Jährige: «Ich will Muslime töten.» Ob ein Mann als Folge des Angriffs umkam, war nach Angaben der Polizei zunächst unklar - er hatte demnach schon vor der Tat Erste Hilfe erhalten. Augenzeugenberichten zufolge wurde der Mann dagegen von dem Fahrzeug erfasst. Acht Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht.


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