Ökomode kämpft um ihr Image

GERICHT HessNatur unterliegt Kunden

Imageverlust durch Kampf gegen den neuen Eigner: HessNatur-Gebäude in Butzbach. (Foto: HessNatur/Archiv)

In einem Eilverfahren hoben die Richter gestern eine einstweilige Verfügung gegen zwei HessNatur-Kunden auf. Sie hatten behauptet, der neue Eigentümer des Ökomode-Labels, die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis, sei in Rüstungsgeschäfte verstrickt. Ihr Vorwurf: Gewinne von HessNatur könnten in Waffen investiert werden. Das Gericht hob die Verfügung auf, die Begründung steht noch aus. Rechtskräftig ist die Entscheidung noch nicht, die Revision zum Oberlandesgericht ist zugelassen.

Die Gerichtsverhandlung war der vorläufige Höhepunkt in einem seit vielen Monaten andauenden Streit bei HessNatur. Auslöser der Auseinadersetzungen war ab 2011 der geplante Verkauf des Ökomode-Labels, das nach der Karstadt-Quelle-Pleite zuletzt der Primondo Specialty Group gehörte.

n Boykottaufrufe und Sammlungen

Als der Private Equity Fonds Capvis als möglicher Käufer ins Gespräch kam, gingen 200 Mitarbeiter und noch viel mehr Kunden auf die Barrikaden. Mit einer großangelegten Kampagne für saubere Kleidung gründeten sie eine Genossenschaft,die hnGeno, mit dem Ziel, HessNatur selbst zu übernehmen und fortzuführen.

Parallel zum Kampf gegen den Einstieg von Capvis und das damit befürchtete Trimmen auf Rendite starteten die Berliner Johannes Mosmann und Andreas Schurack die Webseite wir-sind-die-konsumenten.de, um den HessNatur-Kunden eine Plattform zu bieten. Beim bloßen Austausch aber blieb es nicht. Als das Angebot der Genossenschaft ausgeschlagen wurde und HessNatur schließlich an Capvis ging, riefen immer mehr aufgebrachte Kunden zum Boykott der Marke auf. Verbunden mit den schweren Vorwürfen durch Mosmann und Schurack.

Mit möglichen Rüstungsgeschäften in Verbindung gebracht zu werden, passte den Ökomode-Fans genauso wenig wie dem Butzbacher Unternehmen selbst, das seitdem um sein Image kämpft. Nach Unternehmensangaben ist der Absatz um 18 Prozent eingebrochen. Umgehend ließen die HessNatur-Anwälte im Spätsommer vergangenen Jahres die Behauptungen per einstweiliger Verfügung untersagen, genauso die Aufrufe zum Boykott.

Obwohl Mosmann und Schurack eine Schadenersatzforderung von 200 000 Euro droht, gaben sie nicht klein bei und legten Widerspruch ein. Andere HessNatur-Kunden sammelten Geld für den Rechtsstreit. Gestern erhielten Mosmann und Schurack von den Frankfurter Richtern Recht.


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