"Santiano" nimmt volle Fahrt auf

KONZERT Seefahrer-Band begeistert 900 in Wetzlar mit Shantys und Irish Folk

Stimmungsvolles Santiano-Konzert in der Wetzlarer Stadthalle. (Foto: Lademann)

Das Konzert war aus tourneetechnischen Gründen kurzfristig von der Rittal-Arena in die Stadthalle verlegt worden. So gab es einiges Murren, weil nicht jeder über den Ortswechsel informiert war. Doch schließlich wurden "Alle die mit uns auf Kaperfahrt fahren" - so der an die Titelmusik aus "Fluch der Karibik" angelehnte Eröffnungstitel - auf dem gut zweistündigen musikalischen Törn in Stimmung gebracht. Bereitwillig ließ sich das Publikum die beschwingten auf Popmusik getrimmten Seemannslieder und Irish-Folk-Songs um die Ohren peitschen. Die fast unentwegte Mitklatsch-Begeisterung steuerte die nötige steife Brise bei.

n Frontmann Both stand mit kräftiger und derber Stimme im Mittelpunkt

Begleitet von Nebelhorn, Sturmgeräuschen, Möwengekreische und immer wieder antreibenden Trommel- und Paukenwirbeln besang die "Santiano"-Besatzung vor großer Segelkulisse klassische Seefahrtmotive wie Fernweh, Freiheit, das Streben nach Glück und die Suche nach dem Eldorado oder der Pulle Rum. Im Bereich zwischen Schlager, Country und Folkrock erklangen teils poppige, zuweilen rockige Coverversionen, vom zünftigen "Whiskey in the Jar", die eingedeutschte Fassung des "Hooters"-Hits "500 Miles"  oder das schmissige "Frei wie der Wind". Das Mitsingen fiel den Fans, die mitunter an den Saalrändern auch eifrig mittanzen, nicht schwer.

Mit sonorer, kräftiger und derber Stimme stand Frontmann Björn Both zumeist im Mittelpunkt des Geschehens. Zumal er mit kleinen Anekdoten die Seefahrerromantik anfütterte und stets die passenden Überleitungen zu folgenden Lied fand.

Unterstützt wurde Both von den festen "Santiano"-Mitgliedern Pete Sage (Geige), Axel Stosberg und Hans-Timm Hinrichsen, vom Gitarristen Dirk Schlag, der den gesundheitlich verhinderten Andreas Fahnert ersetzte, sowie von den Livemusikern Olga "Leandra" Telnowa (Keyboard) und Timon Fenner (Schlagzeug). Als zusätzliche Piratenbraut holte der Bandleader für ein Duett eine junge blonde Sängerin auf die Bühne: Mit "Weit übers Meer" interpretieren sie lieblich und verträumt den Titelsong "Die Abenteuer des David Balfour" (David's Song), den auch schon die "Kelly Family" im Repertoire hatte.

Die Sologesangparts - bei Stosberg mehr als bei Both - kamen stimmlich schwächer rüber als die mit voller Inbrunst, energisch und kraftvoll vorgetragenen Chorpassagen. Darüber hinaus spickte die Band ihren seemännischen Gesang mit virtuosen instrumentalen Einlagen - auf der Geige, auf dem Didgeridoo oder mit einem ausgedehnten Schlagzeugsolo.

Als sich nach eineinhalb Stunden das Schiff dem Hafen näherte, forderten die Zuhörer lautstark eine Extrarunde ein. Und so holte "Santiano" die halb herunter gelassenen Anker wieder ein und machte die Zwei-Stunden-Sause komplett. Stehende Ovationen und Feierei krönten den Abschluss.


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