Wege gestalten, Wissen vermitteln

SILEK-PROZESS Bürger entwickeln aus vielen Ideen 14 konkrete Projekte für Solms
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Die Abkürzung SILEK steht für "Schwerpunkt Integriertes Ländliches EntwicklungsKonzept". Und dazu haben Stadtverwaltung, Behördenvertreter, vor allem aber die Solmser Bürger selbst elf Monate lang Ideen gesammelt und Projekte entworfen, um die Stadt Solms weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse präsentierten sie nun bei der Abschlussveranstaltung in der Taunushalle vor rund 80 Gästen.

n Land fördert Verfahren zur Flurbereinigung mit bis zu 80 Prozent

"Natürlich Solms - Bürger reden mit" - diesen Titel hat die Stadt ihrem SILEK-Prozess gegeben. Von "einer neuen Form der Bürgerbeteiligung" sprach Bürgermeister Frank Inderthal. In den Arbeitsgruppen hätten sich viele Bürger mit Ideen eingebracht. Jetzt müsse man sehen, was von den Vorschlägen umsetzbar sei.

Mit Hilfe des Planungs- und Ingenieurbüros Grontmij entwickelten die Beteiligten im Lauf des Jahrs aus allen Ideen 14 konkrete Projekte. Diese sind den Bereichen "Agrarstruktur und Kulturlandschaft", "Tourismus und Kulturhistorie" sowie "Biotop- und Gewässerentwicklung/Hochwasserschutz" zugeordnet.

Vorgeschlagen wird beispielsweise im ersten Themenfeld die Schaffung wirtschaftlicher Schlaggrößen für landwirtschaftliche Nutzflächen durch Zusammenlegung von Flächen. Auch die Sanierung landwirtschaftlicher Wege schlägt die Gruppe unter Leitung von Frank Bauer, Reiner Menz, Norbert Paal und Friedhelm Haag vor.

Für die Flächenneuordnung wird ein räumlich begrenztes Flurbereinigungsverfahren nötig. Die Kosten, so teilte Karl-Heinrich Franz vom hessischen Wirtschaftsministerium mit, fördere das Land im SILEK-Prozess mit bis zu 80 Prozent. Bürgermeister Inderthal stellte in Aussicht, dass die Stadt den Restbetrag finanzieren würde.

Auf viel Interesse stießen die Vorschläge im Bereich Tourismus. Die Gruppensprecher Peter Fuess und Manfred Itz regten die Beschilderung von Wanderwegen und Verbesserungen im Radwegenetz an. Angedacht ist eine Umlegung des Radwegs R7, um eine Route ohne Autokontakt auszuweisen. Der Solmsbachradweg nach Brandoberndorf solle gestaltet werden. Außerdem solle die touristische Infrastruktur durch Rastmöglichkeiten und Infotafeln verbessert werden.

Unter dem Stichwort "Biotopvernetzung" regte die Gruppe um Sprecher Walter Veit die Ausweisung von Prozessschutzflächen im Wald und die Pflege von Streuobstbeständen an. Ein Vorschlag lautet, eine Streuobstreihe an der Straße zum Schwimmbad anzulegen.

Ein Projekt mit Pilotcharakter nannte Beatrix Ollig vom Büro Grontmij die Idee der Wasserrückhaltung im Wald zum Zweck des Hochwasserschutzes. Gruppensprecher Ernst-Ludwig Veit erklärte, die Maßnahme sei effektiv und koste nicht viel.

Ein besonderes Projekt stellt die "Bildungsinitiative Umwelt" dar. Es gehe darum, Wissen über Gewässer, Biotope und Landwirtschaft zu vermitteln, erklärte Initiator Ernst-Ludwig Veit. Das Projekt soll eine Kooperation von Naturschutzverbänden, Forstamt, Landwirtschaft, Kindergärten und Schulen sein. Es gebe 1600 Kinder in den Kitas und Schulen, viele engagierte Bürger und Verbände, sagte Veit. "Wir haben eine Struktur, aber mir fehlt die Vernetzung zu einem tollen Konzept." Bürgermeister Inderthal bot an, alle zu einer Veranstaltung ins Rathaus einzuladen, um den Prozess in Gang zu bringen.

Der Bürgermeister bezeichnete die Umsetzung der 14 Projekte als einen "Berg von Arbeit". Die Verwirklichung aller Ideen werde Jahre dauern. Erste Schritte - etwa die Sanierung einiger landwirtschaftlicher Wege oder das Anbringen neuer Schilder an Wanderwegen - könnten aber bereits bis Frühjahr 2013 erfolgen.

Zu den Gesamtkosten konnte Inderthal nichts sagen: "Man kann das nicht als Gesamtpaket beziffern." Eins sei aber sicher: Nur mit ehrenamtlichem Engagement seien die Ideen umsetzbar. Analog zum Motto "Bürger reden mit" müsse es nun heißen: Bürger machen mit!


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Kommentare (1)
Na, das ist schon ja ein Ding: heute wird über "Großes in Gang gebracht" geredet, wenn nur die Planung soweit ist.
Setzt erst mal die Planung in Realität um, dann ist es "was Großes in Gang" gebracht worden.
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