"Wir planen schon für das nächste Jahr"

SCHAUSTELLER Stellplätze auf Großveranstaltungen sind begehrt / Vorlauf von drei Jahren nötig

Andreas Walldorf (links) und Konrad Ruppert kommen seit Jahrzehnten mit ihren Schaustellerfamilien auf den Gladenbacher Kirschenmarkt. Sie planen schon jetzt ihre Standplätze für die Saison 2014. (Foto: Meistrell)

Dort wo gewachsene Feste sich stetig weiterentwickelt haben, sind sie qualitativ hochwertig geblieben und werden vom Publikum angenommen. Er nennt den Kirschenmarkt in einer Reihe mit dem Lullusfest in Bad Hersfeld, dem Frankenberger Pfingstmarkt und dem Bad Arolser Viehmarkt. Die haben zwar alle einen größeren Platz zu bieten, doch in Gladenbach stimme das Ambiente und die Aufteilung von Fahrgeschäften, "Fressgasse" und dem Zelt mit seinen publikumsträchtigen Veranstaltungen über vier Abende. Das alles mache es für die Schausteller bundesweit so interessant nach Gladenbach zu kommen. Zudem gilt das Städtchen im Hinterland auch als Garant für gute Geschäfte, denn während andernorts die Besucherzahlen rückläufig sind, bleiben die Hinterländer ihrem Volksfest treu.

Walldorf, dessen Familie seit sechs Generationen als Schausteller unterwegs ist, kennt Gladenbach und den Kirschenmarkt viel länger als der heutige Generalpächter Konrad Ruppert.

n Stadt muss langfristig denken

Im Februar 1963 wurde Andreas Walldorf geboren, im Sommer kam er mit nach Gladenbach. Er kennt den alten Platz noch, auf dem eine Tankstelle stand und "der Kirschenbaum, der zum Kirschenmarkt niemals Kirschen trug". Hier sei etwas stetig gewachsen. Und sich der Unterstützung eines Generalpächters zu bedienen, ist für ihn auch als Verbandsfunktionär eine gute Sache. "Die Schausteller pflegen ein enges Netzwerk", versucht er zu erklären, worauf es bei der ganzen Sache ankommt.

Er selber ist im Jahr zwischen März und November auf rund 45 Festen, dann kommt die Zeit der Weihnachtsmärkte. Walldorf ist derzeit für rund zehn Kirmesplätze selber als Organisator verantwortlich, kennt also das Geschäft. Es komme auf den richtigen Mix, die Spannung, für das Publikum an: "Die Stunden, die wir im Vorfeld eines solchen Festes dafür arbeiten, kann uns keine Kommune bezahlen". Und als Kommunalpolitiker und Vorsitzender des Gießener Bau- und Planungsausschusses weiß er auch, dass die Ausrichtung eines Volksfestes zu einer Freiwilligen Leistung gehört, für eine "Schutzschirm-Kommune" also immer schwieriger wird. 

Um die Qualität einer solchen Veranstaltung wie in Gladenbach zu halten, müsse langfristig gedacht und geplant werden. Große Fahrgeschäfte seien mindestens drei Jahre im Voraus zu buchen: "Angesichts der heutigen Spritpreise werden die Routen für das Jahr genau geplant."  Wer heute etwa ein Riesenrad für mehrere Millionen Euro anschaffe, der müsse zur langfristigen Finanzierung bei der Bank die jährliche Auslastung nachweisen. Somit kann sich der Schausteller von großen Attraktionen aussuchen, wo er in ein paar Jahren stehen will. Ist aber eine Festorganisation in der Schwebe, so wie derzeit in Gladenbach, dann "disponieren die Kollegen um, und du bekommst sie so schnell nicht wieder".

Er rät den Verantwortlichen in Gladenbach, möglichst schnell die Frage der künftigen Ausrichtung des Kirschenmarktes zu klären. "Wir brauchen Ruhe für ein solches Volksfest, in der Außenwirkung ebenso wie unter den Kollegen", wünscht sich Walldorf.

Auch er plant mit seiner Familie schon die Saison 2014. Die Fahrgeschäfte, Imbissbuden und Vergnügungsangebote sollen das ganze Jahr über unterwegs sein. Noch haben sie alle den Gladenbacher Kirschenmarkt auf ihrem Plan, doch wenn sich die Stadt zulange Zeit lasse, dann werde es eng, gerade bei den Kollegen, die von auswärts kommen.

n Vom Hinterland zum Bodensee

Nik Schultze reist etwa aus Bochum nach Gladenbach, war hier auch schon mal vor Jahren mit einem "Piratenschiff". Derzeit hat ist er mit einem Imbissstand vertreten und fährt aus dem Hinterland weiter nach Friedrichshafen an den Bodensee. Gerade wegen der langen Wege ist auch für ihn die langfristige Planung ganz wichtig, erklärt der Schausteller.     


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