28.000 Mittelhessen horten über 125.000 Waffen

WAFFENRECHT Neues nationales Register führt 125 519 Pistolen und Gewehre

125 519 legale Schusswaffen sind auf 28 000 Mittelhessen registriert. Nach den Amokläufen von Erfurt und Winnenden soll das neue computergestützte nationale Waffenregister für mehr Sicherheit in Deutschland sorgen. (Foto: Försterling/dpa)

Mit den Daten von 28 000 Waffenbesitzkarteninhabern aus den fünf mittelhessischen Waffenbehörden wurde das nationale Waffenregister jetzt durch das Regierungspräsidium (RP) Gießen gefüttert. Von der "erfolgreichen Erfüllung einer Jahrhundertaufgabe" sprach Regierungsvizepräsident Hans-Otto Kneip.

Landkreis Marburg-Biedenkopf am stärksten "bewaffnet"

Die legalen 125 519 Schusswaffen befänden sich vor allem im Besitz von Sportschützen (41 553), Jägern (41 000) Sammlern (9200) und Unternehmern (107), zum Beispiel Objektschützern. Im Durchschnitt nennt jeder mittelhessische Waffenbesitzer vier bis fünf (4,6) Schusswaffen sein Eigen.

Mit 35 289 registrierten Waffen auf 6548 Besitzer ist der Landkreis Marburg-Biedenkopf am stärksten "bewaffnet". 5,4 Schusswaffen kommen dort auf einen Besitzer. Im Vogelsbergkreis sind es 4,8, in Limburg-Weilburg 4,5, im Kreis Gießen 4,2 und im Lahn-Dill-Kreis 4,1. In den USA befinden sich Studien zufolge bis zu 300 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz - das sind weltweit die meisten und entspricht fast einer Waffe pro Einwohner.

"Von der kleinsten Pistole bis zum größten Jagdgewehr" ist in Mittelhessen nach RP-Angaben das gesamte Spektrum der in Deutschland zugelassenen Waffen vorhanden. Nicht erlaubt ist der Besitz automatischer Waffen, also Maschinengewehre und Maschinenpistolen.

Bislang wurden in Deutschland waffenrelevante Daten von 600 lokalen Waffenbehörden zum Teil noch auf Karteikarten geführt. Bis Jahresende sollen sie in einem zentralen computergestützten Waffenregister beim Bundesverwaltungsamt zusammengefasst werden.

Die europäische Waffenrichtlinie verpflichtet alle Mitgliedstaaten, bis Ende 2014 ein solches Register auf nationaler Ebene zu schaffen. Der deutsche Gesetzgeber hatte diesen Termin auch aufgrund der Amokläufe von Erfurt im April 2002 und Winnenden im März 2009 vorgezogen und geregelt, dass das Waffenregister bereits Ende 2012 aufgebaut werden soll. Im Oktober wurde laut Bundesinnenministerium bereits erfolgreich ein Probebetrieb mit zehn Waffenbehörden absolviert.

Über das System haben die örtlichen Waffenbehörden jederzeit Zugriff auf jede erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Angaben zu deren Besitzer, seit wann er die Waffe hat und von wem sie erworben wurde. Wertvolle Informationen für die Beurteilung und Bewältigung von Einsatzlagen, etwa bei Amokläufen oder Geiselnahmen, erhoffen sich die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern.

Für eine weitere Verschärfung der deutschen Waffengesetze sieht die Bundesregierung keine Notwendigkeit. Das deutsche Recht sei wesentlich schärfer als das der USA, so Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Rechtliche Konsequenzen waren bereits nach Erfurt und Winnenden gezogen worden. Personen unter 25 Jahren, die erstmals eine Waffe legal erwerben, müssen seitdem ein ärztliches oder psychologisches Attest vorlegen, das ihnen geistige Reife bescheinigt. Strengere Vorschriften und Kontrollen für die Waffenaufbewahrung in Privatwohnungen wurden außerdem festgelegt.

Mit einer bundesweiten Amnestieregelung waren die Deutschen 2009 aufgerufen worden, illegale Waffen und Munition straffrei abzugeben. Hessens Waffenbesitzer lieferten daraufhin laut Innenministerium 9185 Waffen und zwei Tonnen Munition freiwillig bei der Polizei und anderen Behörden ab.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (1)
Die Gefahren- & Gifttierhaltung ist in Hessen zum Schutze der Bürger verboten worden. Es gab keinen einzigen Todesfall!
Doch jeder Hinz und Kunz der ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis und 2500/3000€ hat kann den mehr
Waffen /Jagdschein machen. Ein Waffenregister soll da nun ausreichen.
Gebt mal das bei Gogle ein und schaut euch an was alleine durch die Waffennarren in den Wäldern alles pasiert:
Jagdunfälle und Straftaten 2012
Mehr aus Hessen aus dem Red-System