Auf den Spuren der Vorfahren

GESCHICHTE Larry Jordan aus den USA besucht Elternhaus seines Vaters in Hochelheim

Larry und Liv Jordan vor den Stolpersteinen für Hedwig und Hermann Jordan in der ehemaligen Judengasse in Ebersgöns.

(Foto: Weil)

Bis vor wenigen Jahren wusste man in Hüttenberg nicht, dass noch Nachfahren der ehemals in Hochelheim ansässigen Familie Jordan in den USA leben. Die inzwischen verstorbene Archivarin Marianne Bill, die zusammen mit Christiane Schmidt intensiv die Geschichte der Hüttenberger Juden erforscht hat, konnte die Familie Jordan noch ausfindig machen. Seitdem hat sich ein intensiver Kontakt entwickelt. Zahlreiche Fotos aus der Familiengeschichte fanden den Weg nach Hüttenberg. Larry Jordan nahm eine Einladung nach Bruchsal zur Stolpersteinverlegung für seinen Großonkel Walter Jordan zum Anlass, nach Deutschland zu kommen. Für den Empfang in Bruchsal hatte er eine Rede auf Deutsch vorbereitet, die er auch im Hüttenberger Rathaus bei der Begrüßung durch Bürgermeister Christof Heller (CDU) und den Ersten Beigeordneten Reinhold Wiener (SPD) hielt. Darin bedankte er sich auch bei Gemeindearchivarin Christiane Schmidt: "Sie pflegt seit einigen Jahren den Kontakt und hat mir einen Teil der Familiengeschichte erschlossen." Bürgermeister Heller betonte, dass das Schicksal der jüdischen Familien aus Hüttenberg unvergessen sei: "Es ist unsere Aufgabe und Verantwortung, dafür zu sorgen, dass diese Erinnerung lebendig bleibt." Nach dem Empfang im Rathaus begleiteten Bürgermeister und Erster Beigeordnete die amerikanischen Besucher zu den Stationen in Hochelheim. Larry Jordans Vater Hans-Joachim wurde 1933 als der 1000. Einwohner Hochelheims geboren. So war Hüttenberg eine wichtige Station auf der Reise nach Deutschland. Die erste sichtbare Spur der Familie begegnete den beiden Besuchern auf dem jüdischen Friedhof in Hörnsheim. Es war für Larry Jordan wie das Eintauchen in eine andere Welt, als er dort am Grab seiner Urgroßmutter Franziska Jordan stand.

Lebhafte Erinnerungen der 93-jährigen Maria Hanke an den kleinen "Hansi"

Sein Großvater Ludwig Jordan, der 1938 mit seiner Frau Selma und seinem Sohn vor der nationalsozialistischen Verfolgung in die USA geflohen war, starb früh, sodass er ihn nicht mehr kennenlernte und sein Vater war bei der Flucht erst drei Jahre alt. So freute sich Larry Jordan sehr, als er in Hochelheim der 93-jährigen Maria Hanke begegnete, die noch eine lebhafte Erinnerung an seinen Vater, den kleinen "Hansi", und auch an seine Großeltern hatte. Als Kind war Frau Hanke oft im Geschäft der Kriegerwitwe Franziska Jordan und ihres Sohnes Ludwig gewesen. Auch an den Tag des Todes von Franziska Jordan und an die Trauer, die im Dorf herrschte, als die sehr beliebte Frau 1929 plötzlich starb, hatte sie noch eine exakte Erinnerung. Eine weitere Station war das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges vor der Kirche in Hochelheim. Dort ist noch der Name von Ignatz Jordan, dem Urgroßvater von Larry Jordan, sichtbar. Als er 1918 in englischer Kriegsgefangenschaft starb, blieb seine Frau Franziska mit drei kleinen Jungen alleine zurück. Hermann Jordan, der älteste, heiratete später Hedwig Mendel von Ebersgöns und wurde mit ihr 1942 nach Polen deportiert, wo beide in einem KZ umkamen. Die Stolpersteine in Ebersgöns für das Ehepaar waren eine weitere Station für Larry und Liv Jordan. Larry Jordan war von seinen Einblicken in die Vergangenheit seiner Familie tief berührt: "Es bewegt mich sehr, wie Deutschland sich bemüht, seine Geschichte aufzuarbeiten, damit dieser schreckliche Teil sich niemals wiederholt."


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