Bewährungsstrafe für MS-Kranken nach tödlichem Autounfall

Der heute 53-jährige Ingenieur, der wegen seiner Krankheit seit 2013 Frührentner ist, hatte während der Fahrt einen Streckkrampf im rechten Bein bekommen und dabei das Gaspedal voll durchgetreten. Das linke Bein war laut Angeklagten ohne Krampf, aber kurzzeitig gelähmt. Vor dem Landgericht hatte er, anders als noch in der ersten Instanz vor dem Amtsgericht Offenbach, eingeräumt, dass er schon vor dem Unfall an seiner Fahrtauglichkeit gezweifelt habe. Der Angeklagte, der 2015 noch zehn Meter mit Stock gehen konnte, sitzt inzwischen im Rollstuhl und hat den Führerschein abgegeben.

Das Landgericht hob damit ein erstinstanzliches Urteil des Amtsgerichts Offenbach auf. Das Schöffengericht hatte die Unfallfahrt wie das Landgericht als fahrlässige Tötung und fahrlässigen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr gesehen, aber auf 9000 Euro Bußgeld entschieden. Mit dem Urteil folgte das Landgericht der Staatsanwaltschaft, die in Berufung gegangen war, weil sie meinte, dass wegen des tödlichen Unfalls eine Haftstrafe angemessener sei als eine Geldbuße.

«Für jemanden wie den Angeklagten hatte das Autofahren noch einen ganz anderen Wert», sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Bunk in der Urteilsbegründung. Ihm sei es um seine Mobilität gegangen. Da verschließe man schon einmal die Augen vor der Einsicht, fahruntüchtig zu sein. Das Urteil ist rechtskräftig, Angeklagter und Staatsanwaltschaft verzichteten auf Rechtsmittel.


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