Eine Erfolgsstory aus dem Nichts

JUBILÄUM Pfeiffer Vacuum lässt seit 125 Jahren die Luft raus

Zum 125-jährigen Firmenjubiläum hat Pfeiffer Vacuum ein topmodernes Gebäude in Aßlar.

Das 75-jährige Firmenjubiläum feierte Pfeiffer Vacuum noch im alten Werk in der Bergstraße in Wetzlar . (Fotos: Pfeiffer Vacuum)

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Ohne Vakuumtechnik gäbe es kein elektrisches Licht, kein Radio, kein Fernsehen, keine Computer oder Handys. Der Mensch wäre nie auf dem Mond gelandet, hätte weder Viren noch Moleküle oder Atome sichtbar gemacht. In Krankenhäusern gäbe es keine Blutkonserven, keine Röntgengeräte, in der Industrie keine automatisierte Produktion. Die Liste der Dinge des täglichen Lebens, die allein dem Vakuum zu verdanken sind, ließe sich schier endlos fortsetzen.

Arthur Pfeiffer gründete am 7. April 1890 mit einer Drehbank seine Werkstatt

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Arthur Pfeiffer (Foto) bliebe heute höchstwahrscheinlich vor Staunen die Luft weg, könnte er sehen, was aus seiner feinmechanischen Werkstatt geworden ist, die er 1890 als 23-Jähriger mit 300 Mark Startkapital und einer Drehbank in Wetzlar gegründet hat. Frühen durchschlagenden Erfolg hatte der Jungunternehmer mit seinem ersten Patent, einem Gasfernzünder zum "Anknipsen" von Gaslaternen. Die Legende will es so, dass der junge Pfeiffer beim Anblick des elektrisch illuminierten Eiffelturms auf der Pariser Weltausstellung 1900 erkannte, dass der Siegeszug der Glühlampe bevorsteht und die Gaslaterne ein für allemal erlischt. Er sattelte um und begann, Geräte für die Glühlampenindustrie zu bauen. Deren Hauptproblem bei der Fertigung war das Entfernen des Sauerstoffs aus dem Glaskolben, damit der Metallfaden nicht sofort oxidiert. Pfeiffer nahm sich des Problems an und stellte 1903 eine Kolbenpumpe vor. Und so nahm die Geschichte der Vakuumtechnik im Hause Pfeiffer ihren Lauf.

In den folgenden Jahrzehnten prägte Pfeiffer Vacuum die Vakuumtechnik entscheidend. Bedeutendster Meilenstein war 1958 die Erfindung der Turbomolekularpumpe, noch heute Star und Hauptumsatzbringer (31 Prozent) des Konzerns. Sie revolutionierte die Branche, weil sie als erste Pumpe überhaupt ölfreies Vakuum erzeugte - damals die Grundlage für eine Vielzahl neuer Anwendungsgebiete.

Das Unternehmen wuchs fortan stetig, zog 1974 von Wetzlar nach Aßlar um und stellte sich mit den vielfältiger werdenden Vakuumanwendungen immer breiter auf. An Innovation mangelte es nie. Pfeiffer Vacuums Märkte sind heute Analytik, Vakuumbeschichtung, Forschung und Entwicklung, Halbleiter, Industrie sowie Chemie- und Verfahrenstechnik. Das Lieferprogramm reicht von Vakuumpumpen über Mess- und Analysegeräte bis zu komplexen Vakuumsystemen. "Nichts ist besser" heißt der Werbeslogan des Unternehmens im Jubiläumsjahr.

Durch die Übernahme der Trinos Vakuum-Systeme GmbH (Göttingen) und des weit größeren Geschäftsbereichs Vakuumtechnologie "Adixen" von Alcatel-Lucent katapultierte sich Pfeiffer Vacuum 2010 selbst endgültig in die Konzernklasse. 2258 Menschen beschäftigt der Vakuumspezialist nun weltweit. Fünf Produktionsstandorte gibt es. Dazu 20 Tochtergesellschaften und eine Vielzahl Vertretungen rund um den Globus.

Auch bei Aktionären sind die ertragsstarken Aßlarer beliebt. 1996 ging Pfeiffer Vacuum als erstes deutsches mittelständisches Unternehmen an die New York Stock Exchange. Die Episode währte knapp elf Jahre, dann zogen sich die Mittelhessen wieder zurück - wegen des geringen Handelsvolumens und der aufwendigen Berichtspflichten an der US-Leitbörse. Weit erfolgreicher verläuft seit 1998 die Listung an der Deutschen Börse, zunächst am neuen Markt, inzwischen TecDAX.

Obwohl längst Player in der Konzernliga, pflegt Pfeiffer Vacuum noch immer das Image des bodenständigen Maschinenbauers. Spektakuläre Personalwechsel bleiben aus. Das Vorstandsduo Manfred Bender und Matthias Wiemer steht seit bald zehn Jahren an der Spitze.

Auch ausschweifende Jubiläumsfeiern sind nicht geplant. Stattdessen präsentiert Pfeiffer Vacuum pünktlich zum Jubiläumsjahr neben einer neuen Online-Erlebniswelt seiner Vakuumlösungen (www.pfeiffer-vacuum-solutions.de) eine Reihe neuer Produkte auf der ComVac, der internationalen Leitmesse der Druckluft- und Vakuumtechnik, im Rahmen der Hannover Messe vom 13. bis 17. April.


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