Erster Weltkrieg in Solms

HEIMATMUSEUM Ausstellung an den Adventssonntagen

Museumsleiter Liesendahl (Zweiter von rechts) erläutert eine Weltkriegs-Bilder-Montage und einen Gefallenen-Friedhof. (Foto: F. Müller)

Auf rund 50 Bildtafeln an den Wänden im Flur und in einem der Museumszimmer wird das Geschehen rund um den Ersten Weltkrieg dargestellt. Die Basis dafür lieferte die alte Schulchronik von Burgsolms und hier wieder der Zeitzeuge Rektor Karl Höchst, der das Geschehen für die Nachwelt festhielt.

Wie Museumsleiter Walter Liesendahl erläuterte, haben sich bisher rund 100 Besucher die Ausstellung angeschaut. Er weist auch darauf hin, dass die auf gelbem Papier in den Schaubildern wiedergegebenen Texte der Schulchronik entnommen worden seien und sich direkt auf Burgsolms beziehen. Der Erste Weltkrieg begann mit der Mobilmachung, die der Post damals per Telegramm mitgeteilt wurde. Aber auch der Kreis Wetzlar habe durch Radfahrer die Gemeinde benachrichtigt, die über die Ortsdiener den Kriegsbeginn per Ausschellen an die Bürgerschaft weitergaben.

Kurse zum Verbinden von Verwundeten werden angeboten

Man habe damals große Angst vor Spionen gehabt und die Bahnlinien durch Landwehrmänner geschützt. Zudem wurde der gesamte Eisenbahnfahrplan geändert, weil Truppentransporte Vorrang hatten und die auf die Bahn angewiesenen Menschen Einschränkungen hinnehmen mussten. Es wurden Straßensperren mit Leiterwagen - in Burgsolms bei der damaligen Solmser Bank - aufgestellt. In Braunfels seien durch die Ärzte Dr. Gerster und Dr. Bode Kurse zum Verbinden von Verwundeten angeboten worden, in Burgsolms durch Dr. Meyer-Westfeld. Der damalige Pfarrer Fuchs habe als Ortsgeistlicher zur Bildung von Hilfevereinigungen aufgerufen und vor allem die Honorationen des Ortes um Spenden gebeten. Es ist aber auch eine etwas humorvolle Geschichte überliefert. So ist einem Kriegsveteranen aus 1870/71 in einem Dorf im Weilburger Raum bei der Kontrolle des Fabrikanten Karl Hollmann aus Burgsolms ein Schuss aus dem Vorderlader losgegangen, glücklicherweise richtete er keinen Schaden an. Weiter wird berichtet, dass es verboten war, eigenes geerntetes Getreide zu verarbeiten und zu verzehren. Es gab auf dem Altenberg Saatgetreide für die Bauern. "Gold gab ich für Eisen" war ein weithin gepflegter Spruch. Frauenhaare, Bucheckern, Obstkerne und Sonnenblumenkerne wurden gesammelt und Kriegsanleihen gefordert. Den Bauern wurden Pferde abgenommen, dafür gab es zwischen 800 und 1500 Mark.

In der Georgshütte in Burgsolms waren von 147 Arbeitern 52 Gefangene, bei Hollmann waren es von 240 Betriebsangehörigen 30 Kriegsgefangene. Oberndorf beklagte 39 Kriegstote, Albshausen 17, Niederbiel 25, Oberbiel 34 und Burgsolms 60. Auch werden Todesanzeigen aus dieser Zeit gezeigt, ebenso aber auch Spielzeug für die Kinder des Dorfes Burgsolms, das die Franzosen mit ihren roten Hosen als Feinde veranschaulicht.

Weiter wird ein Stahlhelm ausgestellt, ein Tornister und ein Uniformrock von 1906, ebenso ein Essgeschirr, ein Seitengewehr sowie ein Soldbuch. Außer den Aufzeichnungen der Schulchronik gibt es aber auch noch ein größeres Buch mit Weltkriegsdaten sowie Kinder-Bilderbücher.

Die Ausstellung ist noch an den nächsten drei Adventssonntagen jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen sind auch zu anderen Zeiten willkommen, allerdings wird für sie um Anmeldung bei Walter Liesendahl unter Telefon: (0 64 42) 13 57 gebeten.


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