Gutachterstreit: Atmosphäre bleibt vergiftet

WOOLREC Alle sehen sich durch Stellungnahme des Bundesamts für Risikomanagement bestätigt

Fühlt sich bestätigt: Gutachter Peter Gebhardt.

Die Firma Woolrec wittert ihre Chance, den Betrieb wieder aufzunehmen. Beim Regierungspräsidium (RP) Gießen ist man froh über die Bestätigung seiner Haltung durch das BfR als neutrale Instanz. Dennoch will die Behörde auf Nummer sicher gehen mit weiteren Obst- und Gemüsebeprobungen in der nächsten Vegetationsperiode.

Bestätigt sehen sich aber auch die IG Tiefenbach und der Privatgutachter Peter Gebhardt. Gebhardt nannte das BfR-Gutachten eine "Klatsche" für das RP Gießen und das Hessische Landeslabor, die Entwarnung für den Verzehr von Obst und Gemüse aus den Tiefenbacher Gärten gegeben hatten. Denn wie er zuvor sei nun auch das BfR zu dem Schluss gekommen, dass eine gesundheitliche Gefährdung durch den Verzehr nicht ausgeschlossen werden kann. Deshalb könne auch keinesfalls Entwarnung gegeben werden, das BfR tue dies auch nicht, sagte Gebhardt.

Vielmehr habe das BfR dieselbe Risikobewertung wie er auf Basis einer tolerierbaren täglichen Dioxin-Dosis vorgenommen. Diese Methodik sei zuvor vom Landeslabor noch abgelehnt worden, das sich allein auf Grenzwerte konzentriert habe. Eine abschließende Risikobewertung habe das BfR mit Verweis auf eine zu geringe Probenzahl nicht vornehmen können. Auch das spricht laut Gebhardt gegen eine Entwarnung.

Der Privatgutachter hatte stets eine Verzehrwarnung gefordert, um nicht auszuschließende Risiken einzudämmen.


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Kommentare (1)
Das Ganze ist im Prinzip wirklich „eine Klatsche“ für das LHL. Auf Deutsch hat das BfR geschrieben, dass die LHL-Daten für eine Bewertung eigentlich ungeeignet sind. Das BfR hat deshalb im Wesentlichen eine Bewertung mehr
der Daten verweigert. Und damit sind auch die Entwarnungsbehauptungen von LHL und RP hinfällig. Das BfR hat nämlich nicht gesagt, dass eine abschließende Bewertung NOCH NICHT möglich sei, wie das LHL behauptet. Es hat geschrieben, dass eine umfassende Risikocharakersierung aufgrund der unzureichenden Datenlage NICHT möglich ist. Kann man alles nachlesen in der BfR-Stellungnahme

Wurde das BfR vom LHL nur gefragt, ob es schädlich ist, wenn man EINMAL so einen Apfel isst? Die Antwort ist klar, EINMAL ist nicht so schlimm. Niemand hat je das Gegenteil behauptet.

Hat das LHL aber gefragt, was denn wäre, wenn man solche belasteten Äpfel, Tomaten (und überhaupt alles Obst und Gemüse aus Tiefenbach) über 10 JAHRE hinweg essen würde? Da wäre die Antwort mit Sicherheit eine Andere gewesen.

Wie schreibt das BfR: Generell sind unnötige und vermeidbare zusätzliche Dioxinbelastungen nicht zu tolerieren. In Tiefenbach gibt es eine solche unnötige und vermeidbare Belastung.
Vielleicht kapieren das irgendwann einmal auch die zuständigen Behörden. Da habe ich jedoch meine Zweifel.
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