Rente falsch berechnet

FINANZLÜCKE Monatlich fehlen 450 Euro/Anwalt eingeschaltet

Andreas M. wehrt sich gegen die Aufhebung seines Rentenbescheides: Seine Rente soll 450 Euro netto monatlich geringer ausfallen als ursprünglich in Aussicht gestellt. (Foto: Rieger)

Als er im November einen Brief von der Deutschen Rentenversicherung Bund erhält, ahnt er zunächst nichts Schlimmes. "Doch als ich ihn gelesen habe, war ich schockiert und bin richtig in ein Loch gefallen", erzählt der sportliche und jünger wirkende Mann aus dem Raum Langgöns, der seinen richtigen Namen nicht lesen möchte. Aus dem Schreiben ging hervor, dass sich die Behörde bei seinem Rentenbescheid verrechnet habe und er nur Anspruch auf 1200 Euro netto Rente statt der zuvor in Aussicht gestellten 1650 Euro habe.

Wie kam es zu dieser eklatanten Fehlberechnung? Im August vergangenen Jahres hatte der 63-Jährige seinen Rentenantrag gestellt, nachdem er sich bei der Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung in Gießen gemeinsam mit seiner Ehefrau bei zwei verschiedenen Mitarbeitern hatte ausführlich beraten lassen. "Die Sachbearbeiterin sagte mir damals zu, dass meine Rente bei rund 1650 Euro netto liegen würde", erinnert sich der gelernte Offset-Drucker, der 48 Jahre lang im Arbeitsleben stand, davon 41 Jahre bei derselben Firma.

Trotz ausführlicher Beratung folgte das böse Erwachen

Im September kam von der Rentenversicherung zunächst ein Schreiben, dass alle Unterlagen vorliegen und der Antrag entsprechend genehmigt sei. Später folgte der Bescheid über eine Rente in Höhe von 1650 Euro netto. Andreas M. informierte daraufhin seinen Arbeitgeber, dass er zum 1. November in Rente geht.

Zwei Wochen später die Hiobsbotschaft: "Man teilte mir mit, dass man sich vertan hätte. Es wären nur 1200 Euro netto!" Wenn er gewusst hätte, dass seine Rente so gering ausfallen würde, hätte er länger gearbeitet. Er fragte vergeblich bei seiner alten Firma nach, ob er dort wieder arbeiten könnte.

Die Rentenstelle wirft M. vor, dass er "infolge grober Fahrlässigkeit die Rechtswidrigkeit des Rentenbewilligungsbescheids nicht gekannt" habe. Der Fehler liegt elf Jahre zurück und hängt mit der Scheidung der ersten Ehe von M. und dem daraus resultierenden Versorgungsausgleich für seine Ex-Frau zusammen. "Die Ausführungen im Anhörungsschreiben, dass mein Mandant den Fehler als Laie hätte erkennen können, sind … absolut nicht haltbar", schreibt der von M. beauftragte Rechtsanwalt. Sein Mandant habe "bei der Rentenantragstellung alle Angaben vorgenommen, insbesondere auch die Angaben über einen durchgeführten Versorgungsausgleich". Ziel des Anwalts ist es, die Richtigkeit des Rentenbescheids in Höhe von 1650 Euro netto durchzusetzen.


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