Staatsanwaltschaft klagt Verdächtigen in Mordfall Johanna an

Landgericht Gießen
Ein Auto fährt in Gießen am Gebäude des Landgerichts vorbei. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv

Eine aufwendige Tatrekonstruktion mit Videoaufnahme, zahlreiche rechtsmedizinische und fachärztliche Gutachten, Faserspurenuntersuchungen beim Landeskriminalamt (LKA), die Auswertung von Millionen von Datenträgern und die Vernehmung von insgesamt 110 Zeugen begründeten einen entsprechenden dringenden Verdacht, erklärte die Behörde.

Der Mann aus Friedrichsdorf habe sich in den bisherigen Vernehmungen zwar verantwortlich für den Tod des Mädchens gezeigt, eine vorsätzliche Tat aber bestritten, sagte Staatsanwalt Thomas Hauburger. So habe er die Entführung der Achtjährigen zugegeben. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann das Mädchen umbrachte, um den Missbrauch zu verdecken. Damit wäre ein Mordmerkmal erfüllt.

210 Bände zählten die Akten inzwischen - Material, das die Staatsanwaltschaft und eine rund 30-köpfige Sonderkommision «Johanna» zusammentrugen. Nun müsse die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Gießen über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Hauburger sagte, er gehe davon aus, dass der Prozess noch im ersten Halbjahr 2018 beginnen könne.

Die Staatsanwaltschaft überprüfte auch, ob der 41-Jährige aus Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) noch weitere schwere Sexual- oder Tötungsdelikte beging. Dies habe bisher nicht nachgewiesen können. Ähnliche unaufgeklärte Fälle in ganz Deutschland waren überprüft worden, auch zwei aus der Region.

Der Mann sitzt nach seiner Festnahme Ende Oktober 2017 weiter in Untersuchungshaft. Ermittlungen in einem anderen Missbrauchsfall sowie neue Spurenauswertungen hatten die Fahnder auf seine Spur gebracht. Angeklagt worden sei er nun wegen des dringenden Verdachts des Mordes, des sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes von kinder- und jugendpornografischer Schriften.

Pressemitteilung


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