Theologen kritisieren Bischof scharf

BISTUM LIMBURG "Atmosphäre lähmender Furcht" / Tebartz-van Elst lässt Vorwürfe zurückweisen

Kam Kritik an dem umstrittenen Bischof bislang vor allem von der Kirchen-Basis und von Reform-Bewegungen wie "Wir sind Kirche", haben nun auch hochrangige Priester aus dem Bistum die Amtsführung des Bischofs kritisiert.

29 Priester haben einen Brief unterzeichnet, in dem eine "Atmosphäre lähmender Furcht", "intransparente Entscheidungsprozesse" und "wachsende Resignation" bei Priestern und pastoralen Mitarbeitern im Bistum beklagt werden.

Der fünfseitige Brief liegt dieser Zeitung vor.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, der Bezirksdekan im Hochtaunus, Paul Lawatsch, die Frankfurter Dekane Rolf Glaser und Werner Portugall sowie der Sprecher des Priesterrats, Reinhold Kalteier; insgesamt 29 Theologen - 21 davon im aktiven Dienst.

Erst jetzt gelangt der Inhalt des Schreibens an die Öffentlichkeit.

Das Bistum reagierte gestern umgehend auf die nun bekanntgewordene Kritik. Das Papier sei "an den Haaren herbeigezogen", entgegneten die Sprecherin des Bischofs, Eva Demmerle, und der Leiter der Pressestelle des Bistums, Martin Wind. Die Vorwürfe seien nicht nachvollziehbar.

n Einstweilige Verfügung

Das Papier sei in Anwesenheit des Bischofs erörtert worden, heißt es vom Bistum. "Der Bischof wünscht einen weiteren Dialog", sagte Demmerle.

Derweil gibt es eine weitere Entwicklung in der Flug-Affäre des Bischofs. Das von Fachanwälten als medienkritisch eingestufte Landgericht Hamburg hat es dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" untersagt, weiterhin zu behaupten, der Limburger Bischof habe im Zusammenhang mit seinem Luxus-Flug nach Indien nicht die Wahrheit gesagt. Das teilte das Bistum gestern ebenfalls mit.

Der "Spiegel" habe in seiner Berichterstattung den Eindruck erweckt, Bischof Tebartz-van Elst habe nicht vor der Veröffentlichung mitgeteilt, dass ein Upgrade erfolgt sei.

In Wahrheit hätte aber das Bistum durch ein anwaltliches Schreiben vom 5. April dem Magazin mitgeteilt, dass der Flug in der Tat in der teuersten Klasse erfolgt sei, so das Bistum.

Der Erste-Klasse-Flug im Wert von etwa 8000 Euro fand allerdings bereits im Januar dieses Jahres statt, wie auch diese Zeitung berichtet hatte. Ob das Bistum im Zeitraum davor den Luxus-Flug bestätigte oder negierte, war nicht Gegenstand der richterlichen Beurteilung.

Mit der Reise hatte Bischof Tebartz-van Elst bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Mit der Begründung, Erholung sei in günstigeren Reiseklassen nicht möglich, waren der Bischof und der Generalvikar des Bistums, Franz Josef Kaspar, in der teuersten Reiseklasse nach Indien geflogen, um dort Sozialprojekte in Slums zu besuchen.

Später entschuldigte sich der Bischof und sagte, dass ihm an Luxus nicht gelegen sei. Er würde die Reise so nicht noch einmal machen.


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