Verwaiste Bäume abernten

VORTRAG Bedeutung des Gemeinguts in der Dorfgeschichte

Torben Flörkemeier sprach über Gemeingut. (Foto: Homberg)

Referent war der Freiburger Politik- und Wirtschaftswissenschaftler Torben Flörkemeier. Wälder, Felder, Wiesen, Bachläufe und Teiche sind in der Vergangenheit von der Dorfbevölkerung oder von anderen Gruppen gemeinschaftlich bewirtschaftet worden. Die Wälder seien einst Gemeingut gewesen, in denen die Menschen Holz zum Bau für Häuser und Schiffe oder zum Heizen fanden. Familien konnten sich bis ins vorige Jahrhundert hinein kostenlos auch ihren kleinen Weihnachtsbaum holen. So wären beispielsweise Backhäuser, wie man sie heute noch in den Dörfern findet, "Gemeingut".

Gemeingut seien auch Steinbrüche gewesen, die in früherer Zeit zur Gewinnung von Baumaterial für den Kellerbau der Wohnhäuser gedient hätten. In Lehmgruben sei der Lehm zum Verputzen der Gefache von Fachwerkhäusern oder zur Herstellung von Lehmziegeln gewonnen worden.

Anzeige

Bevor es Wasserleitungen gab, konnten sich die Bürger am Brunnen mit dem nötigen Wasser versorgen. Der Referent führte am konkreten Beispiel "Apfelbäume" die Wandlung der gemeinschaftlichen Nutzung vor Augen. Bis ins vorige Jahrhundert wären Apfelbäume in der freien Natur noch Gemeingut gewesen, an dem jeder sich einen kleinen Vorrat sichern konnte, heute hätte jeder Baum meistens auch einen Besitzer.

Dieser Umstand sei jedoch "zweischneidig". Zwar hätte nicht jeder Apfelesser auch einen Apfelbaum, aber andererseits würden Äpfel oder anderes Obst von besagten Baumbesitzern nicht geerntet, herunterfallen und unter dem Baum verfaulen.

Es sei nicht hinzunehmen, dass so mit Lebensmitteln umgegangen würde. Deshalb hätte sich im Internet die Initiative "Mundraub" formiert, wo Bäume gemeldet werden können, die nicht abgeerntet würden. Flörkemeier: "Etwas Ähnliches könnte man auch vor Ort anbieten: Apfelfans ernten verwaiste Apfelbäume ab."

Lernen für die Gegenwart

Das haben die Vogel- und Naturfreunde schon während der "Niederquembacher Apfeltage" praktiziert, wofür Niederquembacher Bäume zum Abernten zur Verfügung gestellt hatten. Aus dem Obst wurde Apfelmost gekeltert, Apfelkuchen gebacken und mehr bereitet, das dann beim Fest verspeist und getrunken wurde. Der Verein will im Herbst wieder die "Apfeltage" anbieten.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Kommentare (0)
Mehr aus Hessen aus dem Red-System