Zu wenige Ärzte arbeiten im Gefängnis: Psychiater fehlen

Karlheinz Keppler
Mediziner Karlheinz Keppler. Foto: M.Runn/Süddeutscher Verlag/Archiv

«Die Probleme für Gefängnisärzte sind die Probleme des modernen Strafvollzugs: Drogen, Infektionen, Tod und Psychiatrie», sagte einer der beiden Tagungsleiter, Karlheinz Keppler, der Deutschen Presse-Agentur. Der Gynäkologe und Suchtmediziner war 25 Jahre lang in einem niedersächsischen Frauengefängnis tätig und ist Autor verschiedener Fachbücher.

Als Arzt müsse man bereit sein, sich auf «relativ schwierige Klientel» einzulassen und «die Kindsmörderin genauso behandeln wie den Vergewaltiger». «20 bis 25 Prozent der Stellen sind nicht besetzt», ergänzte Keppler: «Das will keiner machen.» Die Kollegen klagten über mangelnde Wertschätzung für diese «schmutzige» Arbeit und einen im Vergleich zu Praxis oder Klinik zu niedrigen Verdienst. Der Status als Beamter gleiche das nicht aus.

Psychiater für die Arbeit im Gefängnis zu begeistern, sei besonders schwer. Dabei würden gerade sie gebraucht, sagte Keppler. Die Versorgung von Strafgefangenen mit psychiatrischen Krankheiten sei eines der größten Probleme. «Wir kriegen immer mehr - ich sage das mal so ungeschützt - «Verrückte» ins Gefängnis», betonte Keppler. «Die will keiner haben: Die Gefängnisse nicht und die psychiatrischen Kliniken auch nicht.»

Um die wachsende Zahl psychisch kranker Häftlinge zu versorgen, schlagen Keppler und Prof. Heino Stöver in ihrem Buch «Gefängnismedizin» ein zentrales psychiatrisches Krankenhaus für Strafgefangene in ganz Deutschland vor. «Wenn man das Problem denn lösen will, wird Zentralisierung das Modell der Zukunft sein», sagte Keppler.

3. Gefängnismedizin-Tage

Buch "Frauenknast" von Keppler

Buch "Gefängnismedizin" von Stöver und Keppler


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