Three Girls - Warum glaubt uns niemand?

TV-Tipp
Three Girls - Warum glaubt uns niemand?
Kurz vor Prozessbeginn muss sich Holly (Molly Windsor) erneut ihrer schmerzhaften Vergangenheit stellen. Foto: Sophie Mutevelian/ARTE France/BBC

Eine TV-Reporterin wird es später auf den Punkt bringen, warum der erschreckende Missbrauchsskandal zusätzlich so heikel ist: «Sämtliche Männer sind pakistanischer Herkunft, während ihre Opfer ohne Ausnahme weiß sind.» Lange Jahre ignorieren Behörden alle Hinweise vergewaltigter Mädchen aus der Unterschicht. Nach Strafanzeigen werden Anklagen fallengelassen. Davon berichtet das BBC-Drama «Three Girls - Warum glaubt uns niemand?» auf Arte.

Die dreiteilige Mini-Serie am Donnerstag (14. Juni) ab 20.15 Uhr greift einen wahren Fall aus Großbritannien auf. In Nordengland hatten sich über Jahre Netzwerke gebildet: Orte wie Telford, Oldham, Rochdale stehen als Synonym für eine Kultur des Wegsehens. Zwischen 2003 und 2012 kam es dort immer wieder zu systematischer sexueller Ausbeutung junger Mädchen. Das Bekanntwerden der Machenschaften von Banden aus Südasien bedeutete für die liberale Einwanderungsgesellschaft eine Belastungsprobe.

Nicht die Taten stehen im Mittelpunkt von Philippa Lowthorpes preisgekrönter Inszenierung. Die Kamera dreht weg, zeigt Aufnahmen aus der Ferne. Es geht um die Vorgeschichte und den schwer fassbaren Umgang der Behörden mit den Außenseiterinnen. Ein Ermittler gähnt Holly (Molly Windsor) ins Gesicht, als sie ihre Vergewaltigung schildert. Andere drehen Opfer- und Täterrolle um: Sie werfen die Mädchen in einen Topf mit Prostituierten. Obwohl sie Kinder sind, die auf Lockvögel hereinfielen, unter Alkohol oder Drogen gesetzt wurden.

Jahre später will eine Sonderkommission der Polizei endlich aufräumen und steht vor einem Scherbenhaufen, den ihre Kollegen hinterlassen haben. Hollys Vater wirft die Ermittler raus: «Raten Sie mal, wer daran schuld ist, dass sie so kaputt ist, dass sie nicht mehr auf die Füße kommen kann? Sie und ihresgleichen!»

Sozialarbeiterin Sara Rowbotham (Maxine Peake) schreit die Beamten an: «Was glauben Sie, wie es diesen Mädchen in der Zwischenzeit ergangen ist? Vergewaltigt, verprügelt - man glaubt ihnen nicht. Vergewaltigt, verprügelt - man glaubt ihnen wieder nicht!» Auch Holly will nichts mehr von der Polizei wissen: «Alles erzählt hab ich denen. Und nochmal und nochmal und nochmal. Und dann drehen die sich um und behaupten, ich lüge.»

Als die Ermittler die Dimension der Missbrauchsfälle erkennen, ist es ein Schock: «Das sind ja - Hunderte.» Ein Psychologe sagt ratlos: «Hier stehen Namen, Adressen, Autokennzeichen. Dieselben Täter werden von verschiedenen Mädchen gemeldet. Wieso in aller Welt hatte die Kriminalpolizei diese Akten nicht?» Die bittere Antwort der Kollegin: «Weil sie sie nicht haben wollten.»

Erst nach und nach gehen Medien dem Phänomen des Grooming nach, bei dem Zuhälter sich in das Leben von Mädchen einschleichen, ihr Vertrauen gewinnen, sie dann isolieren und missbrauchen. Dass laut Recherchen der «Times» 53 von 56 Verurteilten in Fällen dieser Art pakistanische Wurzeln haben, lässt für viele Beobachter nur einen Schluss zu: Die Polizei von Rochdale habe versagt, weil sie sich «vor ethnischen Befindlichkeiten gefürchtet» habe, zitiert Chefermittler Sandy Guthrie (Jason Jughes) die Schlagzeilen: «Wenn diese Männer auf Kaution freikommen und wir nichts gegen sie in der Hand haben, dann gibt es Randale.»

Nach langen geduldigen Bemühungen einer Polizistin berichtet ein Opfer stockend erneut das Erlebte: «Du wirst herumgereicht wie ein Ball», sagt Ruby. «Die kriegen Deine Handynummer. Und dann rufen Dich so ungefähr 50 Leute an, die Du nicht kennst. Du bist in so einer Wohnung und die Männer stellen sich in einem Kreis auf. Da kommt das weiße Mädchen dann in die Mitte. Und sie schicken Dich mit einem von denen weg. Wenn Du zurück bist, kommt der nächste und so weiter.»

Ermittler tun sich zunächst schwer, die Jugendlichen vom Rand der Gesellschaft in den Zeugenstand zu rufen. Als dann endlich die schmerzhafte Aufarbeitung vor Gericht beginnt, haben Rechtsextremisten längst den Fall für ihre Agenda entdeckt.

Die Aufarbeitung der Verbrechen und des jahrelangen Behördenversagens in vielen Städten dauert bis heute an. Eines der Opfer gab vor wenigen Wochen der BBC ein Interview: «Am Ende habe ich die "Pille danach" mindestens zweimal die Woche beim örtlichen Krankenhaus abgeholt - keiner hat je Fragen gestellt.»

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