Angst durch Kunst besiegen

Stefan Dietzel stellt im Stadthaus moderne Höhlenmalerei aus
 Stefan Dietzel vor  seinem Bild mit dem Titel "Leichenzug?. (Foto: Fritsch)
Stefan Dietzel vor seinem Bild mit dem Titel "Leichenzug?. (Foto: Fritsch)

Die Familie Dietzel ist in Wetzlar ansässig, Berlin ist dagegen die Wahlheimat des Künstler, den es Mitte der 90er Jahre in die Hauptstadt zog.

Olga Genzel, die selbst eine Galerie im Stadthaus betreibt, nahm Bezug auf den Titel der Ausstellung. Höhlenmenschen hätten vor 20 000 Jahren Szenen aus ihrem Jagdleben gemalt, um die Geister zu beschwören und die Jagdgötter zu besänftigen.

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Diese Höhlenmalerei habe einen sehr tiefen psychologischen Aspekt gehabt: Indem Ängste ausgesprochen und Horrorszenarien durchgespielt worden seien, hätten die Menschen eine seelische Entspannung gefunden, das Grauen sei gebannt worden und man haben den Mut bekommen, frei zu agieren. Ausführlich ging Genzel in dem Zusammenhang auf das Bild "Leichenzug" ein.

Warnzeichen der Moderne nicht übersehen: Der Tod ist allgegenwärtig

Diese Arbeit zeigt ein modernes, menschenleeres Indus-triegebiet. Zwei Aufschriften - "Oil" und "News" - deuten auf zwei Übermächte unserer Zeit hin: das Erdöl und die Massenmedien. Durch die öde Landschaft rollt ein mittelalterlicher Leichenzug, der von wundersamen Gestalten begleitet wird. Auf dem Fuhrwerk ist eine Frau aufgebahrt, ihr Gesicht ist in einem erstarrten Aufschrei verzerrt. An ihren Leichnam ist ein lebendes Kind gebunden. "Die Kunst kann immer noch Ängste bannen, ihre Warnzeichen sollten aber nicht übersehen werden", beendete Genzel ihre Einführung.

Dietzels moderne Höhlenbilder können noch bis zum 5. August im Stadthaus besichtigt werden. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 9 bis 13.30 und 14 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr und Sonntag 10 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.


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