Anspruchsvoll und sympathisch

David Frenkel und Jan Luley sorgen für eine innige Liaison von Jazz und Klassik
Die beiden Pianisten Jan Luley (links) und David  Frenkel (rechts) haben sich als Gast den Bluessänger Tommy Harris dazu
Die beiden Pianisten Jan Luley (links) und David Frenkel (rechts) haben sich als Gast den Bluessänger Tommy Harris dazugeholt. (Fotos: Lademann)
 Leonie Kochniss, Klavierschülerin von David Frenkel  und Tochter des Wetzlarer Augenoptikers Christian Kochniss (Festsp
Leonie Kochniss, Klavierschülerin von David Frenkel und Tochter des Wetzlarer Augenoptikers Christian Kochniss (Festspiele-Sponsor), spielt das Intro zu "How sensitive?.
Bild 1 von 2

Bevor die Protagonisten jeweils im zweiten Teil der beiden Programmteile im Duett so bekannte Jazzstandards wie Bobby Hebbs "Sunny" oder Tony Bennetts "The Boulevard of Broken Dreams" anstimmten, präsentierten sie sich zunächst solistisch: Der seit mehreren Jahren in Mittelhessen lebende ehemalige Solopianist der Weißrussischen Philharmonie, David Frenkel, hatte sich in seinen Einzelvorträgen ganz der so genannten klassischen Musik verschrieben.

Hinhörer des Abends waren die ausgebufften Arrangements der beiden Pianisten

Virtuosen Auftakt bildete bei ihm die Gavotte und das Präludium aus der von Sergei Rachmaninow für Solo-Klavier transkribierten Violin-Partita Nr. 3 E-Dur von Johann Sebastian Bach, die Frenkel bereits im Vorjahr auf dem Programm stehen hatte. Energischer ging es in der zweisätzigen, programmatischen Klaviersonate Nr. 4 von Alexander Skrjabin zu: Der Zartheit des ersten Satzes schloss sich "attacca" das sich ausdrucksstark aufbäumende "Prestissimo volando" an.

Den viel bejubelten Höhepunkt im klassischen Part bildete aber die anspruchsvolle "Rhapsodie espangole" von Franz Liszt. Frenkel gelang es - wenn auch am Ende völlig außer Atem, die Zuhörer die Vorstellungen des Komponisten von der spanisch-folkloristischen Klangwelt, eindrucksvoll und mit großem Pathos nahezubringen. Die in das Werk eingeflochtenen bekannten spanischen Melodien "La Folia" und "Jota aragonesa" und deren thematische Variationen bildete der Pianist nachvollziehbar heraus. Ein gemeinsamer Schnittpunkt von Klassik und Jazz war somit spätestens hier ersichtlich: Der Umgang, die Verarbeitung von thematischen Material - hier als Variation, dort in der Improvisation.

Und hier kam der in Dautphetal lebende Jazz-Tastenmann Jan Luley ins Spiel. Boogie-Woogie und New-Orleans-Jazz sind sein bevorzugtes Metier. Entsprechend bildeten die rasant rollenden, dem Bluesschema verhafteten Bässe unter anderem in der Eigenkomposition "Spanish Boogie" oder dem kurzerhand (wegen der Verlegung) von "Rosengärtchen-" in "Stadthallen-Boogie" umgetauften Stück das Fundament.

Betont langsam - und das war unbedingt notwendig - erklang Duke Ellingtons "Creole Love Call", das Luley trotz des einfachen, wabernden Themas, aber aufgrund von Verlagerungen in unterschiedliche Register und wechselnder Begleitung nie langweilig werden ließ. Im Süden der USA angekommen, zollte Luley dem RhythmnBlues- und Jazzpianisten James Booker (New Orleans) mit Jazzstücken wie "On the sunny side of the Street" oder "Pixie" Tribut. Bei dem gemeinsam von Frenkel und Luley intonierten Bossa-Nova-Jazzstandard "How sensitive" (Antonio Carlos Jobim) durfte Leonie Kochniss, Klavierschülerin Frenkels, das Intro übernehmen.

Hinhörer des Abends waren jedoch die ausgebufften und aberwitzigen Duett-Arrangements der beiden Pianisten. Robert Schumanns volksliedartiges Klavierstückchen "Der fröhliche Landmann" spielten die beiden - in der Art eines Ratespiels - zunächst aus Zitatfetzen und Bruchstücken scheinbar zusammengewürfelt an, um dann das Thema in wilden Improvisationen durchzusezieren. Auch Franz Schuberts "Forellenquintett" erschien im neuem klassisch-jazzigen Gewand. Als unterhaltsame Botschafter der Klaviermusik zeigten Frenkel und Luley nicht nur ein breites stilistisches Spektrum auf, sondern machten sicherlich auch Lust darauf, ein Instrument zu erlernen.

Mit stehendem Applaus forderten die Besucher eine Zugaberunde ein: Den zusammen mit Sänger Harris vorgetragenen "St. Louis Blues" summten manche Gäste noch auf dem Weg ins Parkhaus weiter.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus Lokale Kultur