Arme Ritter haben's schwer

Wetzlarer Festspiele zeigen Operette von Jacques Offenbach
Gut bei Stimme waren (von links):   Detlef Walter, Stefan  Schneider, Jessica Schneider und Christian Reim.<br/>Foto: Dr
Gut bei Stimme waren (von links): Detlef Walter, Stefan Schneider, Jessica Schneider und Christian Reim.
Foto: Dreuth

Und so viel ist mal sicher: Dieser Beifall war redlich verdient, denn den Akteuren ist es gelungenen, musikalisch und schauspielerisch zu überzeugen - und auch die Kostüme und das Bühnenbild der Inszenierung von Anika Köpge waren sehenswert.

Doch eins nach dem anderen, und gleich zu Beginn ein Kompliment an das Orchester unter der Leitung von Martin Spahr, dessen künstlerische Leistung am Besten schlicht und einfach als echter Genuss beschrieben wird. Gekonnt brachten Manuela Bellof, Max Reimer, Gisela Kirschbaum und Anna-Maria Kaiser an den Violinen, Nanda Laube am Cello, Annette Hecht an der Querflöte, die Klarinettisten Charlotte Skill und Dorothea Keller, Julia Jeckel am Fagott, Trompeter Nico Grebe, Nico Reh an der Posaune und Elija Kaufmann an den Percussions reichlich musikalischen Glanz in die Stadthalle. Hut ab vor dieser Leistung, die natürlich in allererster Linie dazu diente, die Bühnenhandlung des Stücks in der deutschen Fassung von Bettina Bartz und mit musikalischem Arrangement von Hermann Wilhelmi klangvoll zu flankieren.

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Und diese Handlung hatte es in sich. Denn Ritter Eisenfraß, authentisch gespielt und gesungen von Stefan Schneider, ist pleite. Der Krieg gegen seinen Erzfeind Schlagetot - nicht ganz so effektiv zu spielen von Detlef Walter, weil die Figur die meiste Zeit stumm und unter einem großen Helm verborgen ist - hat ihn finanziell ausgeblutet.

Offenbachs Absicht ist es, Zeitgenossen durch den Kakao zu ziehen

Doch Eisenfraß hat zwei Trümpfe in der Hand: Er hat Schlagetots schöne Tochter Schwefelblüte - Jessica Schneider mit betörend glockenheller Stimme - entführt und zudem mit seinem draufgängerischen Verwandten Schädelbrecher, den Christian Reim mit viel Witz auf die Bühne brachte, weitere Unterstützung im Rücken. Übrigens auch im Knappen Zündelstein, den Köpge mit viel Pfiff herüberbrachte, doch auch wenn es am Anfang noch humoristische Reibereien zwischen den Konfliktparteien gab, wurde am Ende und nach einer ordentlichen Portion Rizinusöl alles gut.

Kurzum: Geboten wurde ein humorvolles Stück, bei dem sich alle Akteure schauspielerisch, instrumentalmusikalisch und gesanglich von ihrer besten Seite zeigten.

Übrigens: Offenbachs Einakter ist nicht nur für Kinder gedacht, auch wenn das Stück in Wetzlar kindgerecht zu sehen war. Dem französischen Komponisten (1819 bis 1880) ging es in erster Linie darum, den Ritterkult seiner Zeitgenossen durch den Kakao zu ziehen.

Wer wollte dabei nicht an Miguel de Cervantes "Don Quijote" denken, auch wenn dieser berühmte Roman über 200 Jahre vor Offenbachs Operette veröffentlicht wurde.


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