Die Buchkritik

Roman
ohne

Und auch nicht nur daran, dass Rowohlt neben dem Verfasser, den Autorenkollegen Karen Duve, Rocko Schamoni und Sven Regener sowie einigen Hamburger Schauspielern die legendäre und grandiose Premierenlesung im "Uebel & Gefährlich" stemmte, die Tacheles/Roof Music auf CD (ISBN 978-3941168961) für die Nachwelt mitgeschnitten hat und ein Kabinettstückchen für sich ist.

Nein, der Typ Rowohlt könnte auch Schulz vorgeschwebt haben bei der Entwicklung dieses bauernschlauen und behäbigen Mittfünfzigers, der zum ersten Mal in seinem Leben eine gute Idee zu haben glaubt, als er sich vom Fernsehen einflüstern lässt, als Detektiv könne er den schnellen Euro machen. Und da er das Finanzamt im Nacken und den 50. Geburtstag seiner Angebeteten vor Augen hat, verdingt sich Onno per Quereinstieg als Schmalspurschnüffler und lässt sich von einem analphabetischen Poptycoon, der nicht von ungefähr an Dieter Bohlen denken lässt, anheuern, dessen untreuer Flamme auf die Spur zu kommen und Beweisfotos zu liefern.

Zugegeben, das hört sich nach Prekariatsserie aus dem Werbefernsehen an, doch mit welcher Sprachgewalt, Pointensicherheit und Fabulierfreude Schulz diese letztlich hanebüchene Geschichte zu einer grotesken Realsatire adelt, lässt einen neidvoll niederknien.

Live ist Frank Schulz heute Abend zu erleben, wenn er ab 20 Uhr im Marburger KFZ (Schulstraße) im Rahmen des Krimi- und Kabarett-Festivals aus seinem neuen Roman liest, der, fast unnötig zu erwähnen, natürlich auf der Longlist der 20 besten Bücher des Jahres steht.

Frank Schulz, "Onno Viets und der Irre vom Kiez", Galiani Verlag, Berlin, ISBN 978-3869710389, 368 Seiten, 19,99 Euro.


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