Geduld hilft bei der Spurensuche

Profiler Axel Petermann fesselt Zuhörer in Marburg mit einem abgetrennten Ohr
Axel Petermann stellt in Marburg seine Arbeit als "Profiler�? vor und räumt mit manchem Klischee aus Fernsehsendungen auf. (Foto: Schwarzwäller)

In der Tat ist vor allem Geduld wichtig bei der Spurensuche. Über 1000 Fälle eines unnatürlichen Todes hat Axel Petermann im Laufe seiner Karriere bei der Kriminalpolizei schon bearbeitet. Dabei hatte er gar nicht vor, bei der Polizei bleiben. Den 60 Gästen der Lesung im Marburger KFZ erzählte er, dass er nach 18 Monaten Polizeidienst (als Ersatz für den Wehrdienst) Jura oder etwas Ähnliches studieren wollte, aber dann gewissermaßen "Blut geleckt" habe.

Es gibt weniger Tötungsdelikte

1980 begann er bei der Mordkommission und fast zwanzig Jahre später ging es mit der Fall-Analyse los. Er baute die Dienststelle "Operative Fall-Analyse" auf, die er heute leitet.

Alle Fälle, die er in seinen Büchern schildert, seien real, erläuterte Petermann, nur die Namen und die Biographien habe er mitunter verändert. Aus zwei Kapiteln las er in Marburg vor und nahm die Zuhörer mit zurück in eine Ermittlung, bei der der Mörder einer Frau nach der Tat das Ohr abgetrennt hatte.

Was diese Verstümmelung und das anschließende Einwickeln des Ohrs zu bedeuten hat, worauf die anderen Spuren am Tatort Rückschlüsse zulassen – mit diesen Fragen beschäftigen sich Axel Petermann und seine Kollegen.

Allerdings tun sie das heute seltener als früher: Die Zahl der Tötungsdelikte ist rückläufig, wie der Kommissar berichtete. Während in Bremen in den 1980er Jahren noch 15 bis 20 Morde zu verzeichnen waren (und etwa 35 Tötungsversuche), sind es heute noch drei bis vier, so Petermann.

Ein Fall hat den Kommissar indes über mehrere Jahrzehnte beschäftigt. Eine 16-Jährige war neben Bahngleisen ermordet worden, und als es viele Jahre später die Möglichkeit einer DNA-Analyse gab, hatte man just sechs Monate zuvor die Asservate dieses Falls vernichtet, erzählte Axel Petermann. Dennoch ließ er nicht locker und es gelang ihm, Beweismaterial aufzutreiben, anhand dessen schließlich – 40 Jahre nach der Tat – der Täter ermittelt werden konnte, der allerdings inzwischen längst verstorben war.


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