Mit Video: Skulptur ziert den Bahnhofsvorplatz

Einen Mittelpunkt schaffen
Am Ende braucht es Muskelkraft, um den drei Tonnen schweren Stein  passgenau auf dem Fundament zu platzieren. (Foto: Kem
Am Ende braucht es Muskelkraft, um den drei Tonnen schweren Stein passgenau auf dem Fundament zu platzieren. (Foto: Kempus)
Alf Becker zuhause bei der Feinarbeit an der Edelstahlscheibe. Im Vordergrund wartet der  Edelstahlring. (Fotos: Heiland
Alf Becker zuhause bei der Feinarbeit an der Edelstahlscheibe. Im Vordergrund wartet der Edelstahlring. (Fotos: Heiland)
Das Modell der Skulptur zeigt, wie die Arbeit aus Pflaster, Ring, Scheibe, Glasplatte und Diabas vollendet aussehen wird
Das Modell der Skulptur zeigt, wie die Arbeit aus Pflaster, Ring, Scheibe, Glasplatte und Diabas vollendet aussehen wird.
Alf Becker
Alf Becker
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Nun, diese Arbeit von Becker hat - übrigens als einziger eingereichter Entwurf - das Zeug, sich dieser Massen zu erwehren. Und sie birgt zudem das Potenzial für einen beliebten Treffpunkt, wo Er auf Sie, der Enkel auf die Oma wartet.

Skulptur wird aufgebaut

Video: Thomas Naumann

Alf Becker sieht diese Chance, er freut sich, wenn seine Kunst angenommen wird. Wie etwa die Skulptur "Balance" des Bildhauers aus Allendorf-Lumda, die im Skulpturenpark Colchester-Anlage steht. Und nun kommt wohl in der nächsten Woche das große Werk auf dem Bahnhofsvorplatz hinzu.

Etwas spröde wirkt die Arbeit schon, sicher, aber sie hat Witz und Hintersinn, vereint die bildnerische Sprache Beckers, der einfache geometrische Formen liebt und mit ihren spielt, mit Symbolik. Aus gut 30 Jahren als freischaffender Künstler weiß er: "Einfache klare Formen sprechen den menschlichen Geist eher an als verschnörkelte Wendungen."

Becker hat den Bezug "Mensch - Fortschritt - Natur" im Blick, verleiht ihm Ausdruck, indem er mal Stahl mit Stein kombiniert, mal "erdet" er die Kunst, lässt sie scheinbar im Boden verschwinden und wieder auftauchen. Und mal ist, wie in "Triade", der Aspekt Fortschritt prägnant.

Denn für Becker ist Wetzlar eine Industriestadt, geprägt von Buderus Edelstahl. Da war die Verwendung von Edelstahl, insgesamt eine Tonne hat er gestaltet, fast zwingend: Ein Ring (Durchmesser 2,28 Meter) und eine halbe Scheibe (2 Meter). Der Künstler hatte mit Corten-Stahl (er rostet an der Oberfläche und schafft so eine Patina) geliebäugelt, stieß aber nicht auf Gegenliebe.

Nun ist es eben Edelstahl (sechs Millimeter stark). Die Scheibe entspricht dem Innendurchmesser des Rings und ist im 45-Grad-Winkel in den Boden eingelassen. Die fehlende Fläche wird im Boden durch eine 32 Millimeter dicke Panzerglasplatte optisch wieder zu einem Rund ergänzt. Und diese Glasplatte wiederum ist mit einem Leuchtmittel versehen. Ein Faseroptik-System lässt die Skulptur in verschiedenen Farben erstrahlen, für Becker der Bezug zu moderner Lichttechnik und zum Optikparcours.

Und durch das Licht bekommen Standort und Skulptur eben ihre zusätzliche Bedeutung als Treffpunkt, denn sie sind auch für Bahnreisende abends und nachts bei der Ankunft schon weithin sichtbar.

Als erstes Element steht seit Dienstag die Diabas-Stele

Apropos Reisende: Der senkrecht gestellte Ring ist raumübergreifend auf dem kreisförmigen Pflaster in Richtung Bahnhof positioniert und symbolisiert ein (An-)Kommen und Gehen, Ankunft und Abreise. Die Grundfläche (3,70 Meter Durchmesser) betone die Wichtigkeit des Standorts: Zwischen "Forum" und Bahnhof bilden Werk und Platz für Becker einen innovativen Mittelpunkt in der Stadt.

Die drei Elemente werden ergänzt durch die am Dienstag aufgerichtete Diabas-Stele. Diabas als heimisches Material unterstreicht die Bedeutung des Ortes und steht formal wie vom Material her im Kontrast zum Edelstahl. Die Stele stammt aus einem Steinbruch bei Lixfeld, wo Becker aus einem etwa zehn Tonnen schweren Brocken - "Es war gar nicht einfach, so einen großen Stein zu finden" - die drei Tonnen schwere Säule (2,60 Meter, 50 mal 50 Zentimeter) geschlagen hat.

Und auch der Titel hat eine Bedeutung: "Triade" deutet auf eine Konstellation von drei Elementen hin, die eine Beziehung zueinander aufbauen, im optischen wie im symbolischen Sinne. Becker: "Die Skulptur wird zu einem Mittelpunkt in der Stadt und bildet gleichzeitig eine Verbindung zu Bahnhof und sie umgebender Architektur". Hoffentlich bauen auch die Menschen, die kommen, gehen und bleiben eine Beziehung zu der Kunst auf; nicht nur zum Hessentag.

Infos zu Alf Becker, seiner Kunst und dem Skulpturengarten, den er mit Lebensgefährtin Susanne Tack in Allendorf-Lumda, Mühlwiese 5, betreibt, auf www.alfbecker.de


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