Religion

Diese Publizistin nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, für die Emanzipation muslimischer Frauen einzutreten: Sineb El Masrar, 1981 als Tochter marokkanischer Einwanderer in Deutschland geboren, belegt mit einer Fülle von islamischen Quellen, dass diese Religion eine Menge Argumente bereithält, mit denen Frauen ihre Gleichberechtigung im Alltag einfordern können. Dass sie es oft nicht tun und sich lieber den für sie nachteiligen männlichen Auslegungen der religiösen Schriften beugen, bezeichnet El Masrar als einen Fehler und ruft ihre Glaubensschwestern dazu auf, sich zu wehren und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die Herausgeberin des multikulturellen Frauenmagazins "Gazelle" ist keine Unbekannte: Sie gehörte 2006 zur Arbeitsgruppe "Medien und Integration" im Bundeskanzleramt und von 2010 bis 2013 zur Deutschen Islamkonferenz. 2010 veröffentlichte sie ihr erstes Buch "Muslim Girls".

Zwangsläufig tritt die Autorin mit ihrer jüngsten Streitschrift manchen Muslimen auf die Füße. Aus diesem Grund wurde das Buch sogar kurzfristig aus dem Verkehr gezogen und erscheint nun ab dem 28. April in einer teilweise geschwärzten Version. Die islamische Gemeinschaft Milli Görüs, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, erwirkte Anfang April eine einstweilige Verfügung, nach der ein Passus des Buches geschwärzt werden muss. Umso intensiver dürfte das Buch nun gelesen werden und seinen Beitrag zur Integration von Muslima in die deutsche Gleichberechtigungskultur leisten können.

n Sineb El Masrar: Emanzipation im Islam - Eine Abrechnung mit ihren Feinden. 316 Seiten, Herder Verlag 2016, ISBN: 978-3-451-34276-9, 24,99 Euro.


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